Die Sonne scheint, es ist Freilufttheaterwetter und spectaculum gibt sich die Ehre: im MGV-Heim in Westheim am 25., 28. und 30. Mai. "Der gestiefelte Kater oder wie spectaculum das Spiel spielt" steht auf dem Programm. Keine Märchenaufführung, sondern ein temperamentvolles, dialogreiches Theaterstück, ein turbulentes Spiel im Spiel.
Eigentlich hatte spectaculum heuer geplant in großer Besetzung auf der Saalecker Schlossbühne Horváths "Kasimir und Karoline" zu spielen. "Doch unvorhersehbare Ereignisse machten die Aufführung unmöglich", sagt Regisseur Werner Bergmann, der beherzt für Regisseurin Claudia Albrecht-Schübel einsprang. "Wir haben einen Saal nach dem anderen abgeklappert und sind den Westheimern sehr dankbar, dass sie uns drei Aufführungstermine ermöglichen."

Mit großer Lust am Spiel

Zu groß ist die Spiellust bei den spectaclern, als dass sie ein Jahr ohne Aufführung verstreichen lassen wollten. Diese unbändige Spielfreude spürt man bei der Generalprobe, auch bei den fünf neuen Mitspielern, die erstmals auftreten werden. Seit Dezember proben 15 Schauspieler die von Ludwig Tieck 1797 geschriebene Gesellschaftssatire. "Damals erlebten Literaturkonsum und Theaterbesuch einen rasanten Aufschwung", erklärt Bergmann. Er hat das Stück adaptiert, auf die heutige Zeit umgeschrieben, wie es in den 1960er Jahren der Autor Tankred Dorst tat. Doch die Themen von damals interessieren heute kaum mehr. Deshalb Bergmanns Griff in die Gegenwart: "Wer kann heute in manchen TV-Formaten noch unterscheiden, was gespielt ist, was echt ist?" Mit locker-leichtem Ton bringt er die großen Fragen und Unsinnigkeiten der Gegenwart auf die Westheimer Bühne.

Bilderbuch-Kulisse

Hier treffen an drei Abenden Reality-TV-Fans auf Pilcher-Romantikerinnen, Vegetarier auf FC-Bayern-München-Fans, eine der Alltagspoesie verfallene Prinzessin auf einen kaninchensüchtigen König, was der clevere, gestiefelte Kater zu nutzen weiß. Bunte Gestalten, teils in Grimms alten Kleidern als Schauspieler auf der Bühne, teils als fiktive Zuschauer in Gegenwartskleidung in der Loge, agieren vor einer riesengroßen Bilderbuch-Kulisse. Da kommt Fahrt auf, da gibt es viel zu lachen und oft Selbstreflexionen.
Der Schluss wird hier natürlich nicht verraten. Nur die Meinung des Dichters und Hofnarren aus dem Grimm'schen Märchen, der in Bergmanns Version ein markanter Gesellschaftskritiker ist. "Der König ist ein Trottel, seine Minister lauter Nullen und die Prinzessin eine dumme Gans. Das Königreich ist verrottet." Tja, wie ist es bestellt um die Herrschenden in der Welt und in Deutschland? Wer weiß das schon?
Wer aber heute schon weiß, dass er unbedingt die spectaculum-Aufführungen sehen will, der sollte sich sputen. Der Vorverkauf lief gut an und die frohe Botschaft zum Schluss: Im MGV-Heim sieht man auch von den hintersten Reihe exzellent auf die Bühne.

Tickets und Termine

Karten gibt es im Vorverkauf in der Hammelburger Tourist-Information. Aufführungen am 25., 28. und 30. Mai. Beginn jeweils um 19.30 Uhr im Vereinsheim des MGV Westheim.