Nahezu unbemerkt hat sich in der Altstadt ein Generationen-Treff etabliert, der als willkommener Mosaikstein für ältere Bürger schon die Runde macht. Hier lässt sich beim Spaziergang eine kleine Pause einlegen, eine Tasse Kaffee, Tee oder ein Glühwein genießen und ein gemütlicher Plausch führen - kostenfrei. Íns Leben gerufen hat ihn ein Hammelburger Ehepaar, das ihn auch leitet.

Bianca und Willy Volkert sind die Ideengeber für den "Taubenschlag", wie sie den Treffpunkt nennen. Sie sind auch Besitzer des Anwesens in der von-Hess-Straße, das früher einmal die Schreinerei Dornbusch beherbergte, die in den letzten vier Jahrzehnten in den Dornröschen-Schlaf fiel. Die Eheleute Volkert "küssten" das heruntergekommene Anwesen mit dem Kauf und dem anschließenden Umbau wieder wach, nachdem die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht zurücktreten war.

"Hier soll es zugehen wie in einem Taubenschlag, deshalb der Name", erklärt Bianca Volkert und lächelt verschmitzt. "Wir wollen die älteren Bürger aus der Isolation holen und rein in die Gesellschaft bringen", fügt die Seniorenbeauftragte der Stadt hinzu. "Alles läuft hier auf Spendenbasis", betont sie, "wer hat, der kann geben, wer braucht ist genauso willkommen". Senioren sollen sich hier ungezwungen bewegen können.

Tauben sagt man nach, dass sie die Gefiederten des Friedens sind und mit ihrem "Rucke-di-guu" eine entspannte Atmosphäre verbreiten. Der Mensch fühle sich in ihrem Umfeld geborgen, sagt Volkert. Der ideale Boden also für einen Strickkreis, der sich hier "einnisten" will. Vorgesehen ist noch ein Beamer, der Vorträge, zum Beispiel über Alt-Hammelburg, bebildern soll.

Fleißaufgabe und Beschäftigungstherapie

Der Umbau stellte sich als potenzierte Fleißaufgabe heraus, die in den handwerklichen Teilen Willy Volkert zufiel. "Corona-Beschäftigungs-Therapie" nennt es seine Gattin. In immerhin nur einem Jahr gelang es aus dem heruntergekommenen Gebäude ein heimeliges Plätzchen zu schaffen. Freilich mussten Handwerksbetriebe einspringen, wo Bianca und Willy Volkert an ihre Grenzen kamen. Sie bauten zwar die breite, alte Fensterfront aus, für die neue Verglasung sorgte jedoch die Schreinerei. Doch es blieb noch genug zu tun, denn die Eheleute nahmen die Konzeption und Inneneinrichtung selbst in die Hand. Gepolsterte und bequeme Sitz-Gruppen, eine Tee- und Kaffee-Theke und bemalte Glasbilder aus einem alten Hotel, die Volkerts im Internet fanden und für 15 Tafeln Schokolade erstanden haben. Ein Blickfang ist der drei Meter hohe Kachelofen, der den Raum beheizt. Die tannengrünen, verzierten Keramikkacheln stammen aus dem Nachlass eines Verwandten in Aschaffenburg. Dort baute sie Willy Volkert ab, um sie in der von-Hess-Straße wieder zusammenzufügen.

Das Piano am Treppenaufgang, das Edeltraut Millner ab und zu spielt, stammt aus dem Fundus der Chorgemeinschaft Hammelburg, die sich heuer aufgelöst hat. In der schräg gegenüber liegenden Ecke finden sich Relikte aus früheren Zeiten, als Schreinermeister Dornbusch hier noch den Hobel ansetzte: Eine Geschäftsbuch aus dem Jahr 1933, Familienfotos und Feldpostbriefe.

Die Volkerts wollen eine "konstante Anlaufstelle" für ältere Bürger der Saalestadt sein. "Wir führen hier kein Gewerbe, sondern einen absolut privaten Treff der auf Eigeninitiative und ehrenamtlichem Engagement beruht", unterstreicht die Bianca Volkert. Allerdings will sich die Familie auch nicht übernehmen. "Wenn geöffnet ist, rufe ich etwa 25 wechselnde Senioren an, die auf einen Kaffee mit Kuchen oder selbst gebackenen Plätzchen vorbeikommen können. Mit mehr Personen wären wir überfordert", räumt die Seniorenbeauftragte ein. Das wäre nach ihrer Aussage im wieder eröffneten Johannes-Martin-Haus der Katholischen Pfarrgemeinde der Fall, wo zahlreiche Vor- und Nachbereitungsarbeiten fällig sind. Zudem ist der Taubenschlag mietfrei.

Bürgermeister Armin Warmuth, der dem Seniorentreff noch einen Besuch abstatten will, wertet die Eigeninitiative als "grundsätzlich begrüßenswert". Es sei eine Bereicherung und eine gute Idee älteren Bürgern einen barrierefreien Raum mit gemütlicher Atmosphäre zu bieten.