So mancher hat das Gebäude in Gedanken wohl aufgegeben, das so genannte "Kihns-Haus", das im Stadtteil vor sich hin modert. Der Zahn der Zeit nagte augenscheinlich am ehemaligen Amtshaus, seit dessen Baubeginn vor rund 450 Jahren. Geführt in der Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege (LfD), ist die Stadt Hammelburg Besitzerin des Barockhauses und versucht, eine Verwendung für das Gebäude zu finden.

Der Kihns-Hof leitet seinen Namen von Valentin Kihn ab, der 1892 das Anwesen von der Universität Würzburg erwarb. Ab 1900 Bürgermeister von Hammelburg, war er auch Besitzer der Brauerei "Felsenkeller" am Schlossberg, der heutigen Musikakademie. Nach seinem Tod übernahm Diplom-Landwirt Martin Hempfling die historische Hofstelle, der jedoch ohne Erbfolger blieb. Das Gut wurde unter den zahlreichen Mitbesitzern aufgeteilt.

Im Frühjahr 2019 stieß Stadtbaumeister Detlef Mohr eine umfassende Bestandserfassung und -untersuchung des Hofes mit Fachhochschul-Dozenten aus Würzburg an. Mohr stellte fest: "Das Gebäude ist von innen noch interessanter als von außen". Heuer erfolgte die von Professor Karl Zankl und Dr. Mattias Wieser an die von ihnen betreuten Studierenden gestellte Aufgabe, "ein nachhaltiges Nutzungskonzept für das Baudenkmal zu entwickeln, um den Kihns-Hof einer sinnvollen und denkmalverträglichen Nutzung zuzuführen".

Als Ergebnis präsentierten die Arbeitsgruppen zehn Konzepte, die zur Disposition stehen. Ein Gemeinschaftshaus mit Wohnungen und Räumen für Wohngemeinschaften und Singles ist eine Variante. Entwurf zwei favorisiert "ein integriertes Lehrkonzept für in Vergessenheit geratenes Handwerk". Frühere Handwerksberufe sollen in Seminaren und Praxis Interessierten und der Bevölkerung nahe gebracht werden, sogar eine Ausbildung soll möglich sein.

Der Titel "Old meets Young" sieht ein Schullandheim mit öffentlichen Veranstaltungsräumen und behindertengerechter Bar oder Café vor. Im "Bino-Untereschenbach" finden sich ein Biergarten und ein Kino, die Räume sind auch individuell für Schulungszwecke und Veranstaltungen nutzbar.

Unter dem Titel "Stadtflucht" versteht man den Rückzug auf das Land, wo kleine Büros und Aufenthaltsräume nebst Aufenthaltsräumen und einer Cafeteria warten. Hier ist auch an einen Berufsstart für "Start ups" und Doktoranden angedacht, die sich für eine Klausur zurückziehen wollen. Übernachtungsmöglichkeiten gäbe es in einem Neubau.

"Hammelwirt am Amtshotel"

Der Fantasie der Arbeitsgruppen stand nichts im Wege - auch nicht dem "Hammelwirt am Amtshotel". Der Gewölbekeller dient dabei als Speise- oder Veranstaltungssaal. Für einen modernen Bettentrakt müsste das nebenstehende Vereinsheim der "Pampa" geopfert werden. An diesen Entwurf ist auch die Planung "Genusspunkt" angelehnt, die eine Location für Feinschmecker im Fokus hat. Ein Anbau für Übernachtungsgäste wäre die Ergänzung.

"Dorf ich bitten: Regional, Gemeinschaftlich, Kulinarisch" lehnt sich daran an. Es entsteht ein lokales Restaurant mit mietbarem Saal und Biergarten. Der Keller soll je zur Hälfte Lager und Jugendraum sein, der Betreiber erhält im Obergeschoss eine Wohnung, das Dach wird zunächst nicht ausgebaut. Eine weitere Idee:"Betreutes Wohnen" für Menschen mit psychischen und physischen Problemen, die Unterstützung brauchen, um "zurück ins Leben zu finden". Gestrauchelte, etwa ehemalige Drogenabhängige, könnten hier in einem Gebäude unterkommen, das nicht von der Öffentlichkeit abschottet ist.

Mittels eines Anbaus in einer dreiteiligen Innenhofanordnung könnte das Haus auch Domizil für junge Künstler, Selbstständige oder junge Firmen werden. Für kreative Arbeit sind Räume zu mieten, die laut Konzept eine "bunte und inspirierende Arbeitsgemeinschaft" erschaffen sollen. Regionalen Produkten wie Wein oder Käse ist der Keller vorbehalten sowie ein Hofladen für Selbstvermarkter.

"Sehr gute Ideen, die wenig kosteten", kommentiert Mohr die Beiträge. Bürgermeister Armin Warmuth schlug vor, die Entwürfe im Rahmen einer Bürgerversammlung vorzustellen. Das ist auch Anliegen des Ortssprechers Albrecht Leurer, der hier gerne das Handwerk, Wohnungen oder die "Künstlerkolonie" bevorzugt, bei Nutzbarkeit auch für heimischer Vereine.

Der markanteste Punkt der "Wiederbelebung" des Gebäudes ist laut Stadtbaumeister die Kostenfrage. Denn Anbauten, Innen- und Außensanierung und die energetische Aufrüstung übersteigen locker einen mehrfachen siebenstelligen Betrag, zumal es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt. Eine kurzfristige Realisierung eines Konzepts ist damit ausgeschlossen, denn die Kostengenerierung hat Vorrang.