Bürgermeister Johannes Krumm (FW/SPD) hat nachgerechnet: In seinem Gemeindegebiet wird bereits jetzt Strom für mehr als 8500 Haushalte erzeugt, bereits konkret geplant sind zudem Photovoltaikanlagen für weitere rund 5000 Haushalte. Aktuell hat Elfershausen 2825 Einwohner, also rund 1000 Haushalte. Krumm ist sich sicher, dass die Kommune also nicht nur ihren Strom-, sondern den gesamten Energiebedarf selbst deckt. "Umso ärgerlicher ist es, dass die P 43 mitten durch unser Gemeindegebiet gebaut werden soll", sagt der Bürgermeister.

"Wir haben eigentlich alles richtig gemacht, aber die Entscheider sitzen woanders", ergänzt 3. Bürgermeister Volker Partsch (Neue Liste). Partsch ist gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, als solcher muss er mittragen, dass die Grünen auf Bundesebene den Netzausbau befürworten: "Ich kämpfe seit einem Vierteljahrhundert für die Energiewende, aber es kommt leider alles zu spät", fasst er seinen Frust zusammen. Seiner Meinung nach wäre der dezentrale Ausbau der Energieerzeugung der richtige Weg gewesen. Weil sich aber vor Ort zu wenig tue, müssten leider viele neue Leitungen wie die Wechselstromtrasse P 43 durchs Gemeindegebiet gebaut werden.

Viel Überzeugungsarbeit nötig

Volker Partsch selbst geht seit Jahrzehnten voran: Seinen privaten Strombedarf deckt er mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. An der Westheimer Mühle erzeugt er mit einem Wasserkraftwerk den Strom für rund 50 Haushalte. "Das war ein großes Wagnis", kommentiert er die Investition dort. Das "Gasthaus Zum Adler" der Familie Partsch wird mit Hackschnitzeln beheizt und hat ebenfalls Sonnenkollektoren auf dem Dach.

Bei gemeindlichen Projekten setzt sich Partsch als Gemeinderat seit Jahrzehnten für nachhaltige Lösungen ein: Ob Pelletheizung für den Langendorfer Kindergarten, Hackschnitzelheizung und Photovoltaikanlage für die Schule oder Windräder im Gemeindegebiet: "Da musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden", sagt Partsch heute, und: "Das wurde damals gegen den Widerstand und die Stimmen der CSU entschieden."

"Volker Partsch und Hans-Josef Fell waren sicher Vorreiter", kommt mittlerweile sogar Lob von Bürgermeister Johannes Krumm, gegen den Partsch bei der Bürgermeisterwahl 2020 angetreten war. Auf Krumms Initiative hin habe der Gemeinderat das Thema Energiewende sogar bereits ins Leitbild der Gemeinde aufgenommen. Allerdings seien die einzelnen Kommunen mit dem Thema überfordert: "Aus meiner Sicht müssen wir als Landkreis Lösungen suchen", fordert Krumm. Das betreffe nicht nur die dezentrale Energieerzeugung, sondern auch Transport und Speicherung.

Vier Wasserkraftanlagen, drei Windräder

"Aus meiner Sicht ist es die falsche Lösung, die Energiewende über neue Stromtrassen zu lösen", betont Krumm. Er würde sich etwa mehr Investitionen in die Umwandlung von Energie in Gas wünschen: Gas sei gut lagerbar, könnte über das vorhandene Gasnetz verteilt und dann genutzt werden, wenn Energie benötigt werde. Auch Pumpwasserspeicher könnte sich Krumm im Landkreis vorstellen, aber: "Als einzelne Kommune kann man das alles nicht umsetzen."

In Elfershausen gibt es laut Bürgermeister bereits vier Wasserkraftanlagen, die zusammen Strom für rund 300 Haushalte erzeugen. Die drei Windkraftanlagen im Gemeindegebiet versorgen im Schnitt bis zu 8000 Haushalte. Die Gemeinde gehe aber auch selbst voran: In die Grund- und Mittelschule Langendorf hat die Gemeinde eine Hackschnitzelheizung eingebaut, auf den Dächern befinden sich Photovoltaikanlagen, die rund 15 Haushalte versorgen. Der Langendorfer Kindergarten habe bereits eine Pelletsheizung, für den Kindergarten Elfershausen sei eine weitere geplant. Durch die beschlossene Umrüstung der restlichen Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchtmittel werde Strom gespart, und auf den Neubauten von Kindergarten und Feuerwehrhaus seien zwei weitere Photovoltaikanlagen für insgesamt acht Haushalte geplant.

Im Gemeindegebiet gebe es bereits eine Freiflächenphotovoltaikanlage für rund 250 Haushalte, zwei weiteren hat der Gemeinderat bereits zugestimmt: Der geplante Park der Firma Prowind Solar in der Abteilung "Alte Ruh" zwischen Autobahn und Kreisstraße 42 soll rund neun Hektar umfassen und könnte mehr als 2000 Haushalte versorgen. Die Firma Südwerk plant zwischen Trimberg und Euerdorf eine Anlage, die Strom für 3000 Haushalte liefern soll.