Das war rekordverdächtig. Das Kneipen- und Kellerfestival "Hammelburg moves" lockte am Samstagabend Besucher aus vier Landkreisen in die Mauern der Stadt und erinnerte an Zeiten, als es noch drei Diskotheken in der Bahnhofstraße gab, die freitags regelmäßig zur Flaniermeile und zum "Nabel von halb Unterfranken" avancierte.
Den Event, der neben den gut besuchten Märkten, dem "Höflesfest", dem "Altstadt-Advent" und dem "Rock-Revival" die Außenwirkung der ältesten Weinstadt Frankens nachhaltig unterstützen dürfte, zeigte, dass auch die Musik für junge Leute und Junggebliebene hier eine Heimat hat.
Einen der Joker in der siebten Ausgabe zog die "Wandelbar" mit der gebürtigen Obereschenbacherin, Sabine Holzinger. Die in Hessen beheimatete Rock-Pop-, Blues-, Jazz- und Soulsängerin - kürzlich beim "Deutschen Rockpreis" mit zwei Preisen prämiert - mischte den Gewölbekeller des "Deutschen Haus" kräftig auf und zog die Zuhörer mit Charme, ihrer Performance und vor allem mit ihrer rauchig angehauchten Stimme (obwohl Nichtraucherin) in ihren Bann.


Heimisches Gewächs

"Sabho" und Band blieben keinem Genre moderner Unterhaltungsmusik etwas schuldig, was die Vielseitigkeit der talentierten Vollblutmusikerin unterstreicht. Sympathien erntete die 35-jährige mit ihrem Geständnis zu ihrer Heimatliebe und ihrer offenen Art im Umgang mit dem Publikum. Eine begeisterte Obereschenbacherin brachte es auf den Punkt mit den Worten: "Sabine ist immer noch eine von uns". Sollten Rundfunk- und TV-Granden wieder einmal nach Kandidaten für den European Song Contest (ESC) suchen, wäre "Sabho" sicher keine schlechte Adresse.
Premiere beim "moves" feierte die Band "Cloudbase" im Irish Pub. Bislang eigentlich nur Insidern bekannt, formierte sich diese Gruppe aus den heimischen Gleitschirmfliegern. Erstaunt erfährt der Zuhörer die Besetzung der Band, Georg Schaller, der Noch-Dirigent der Feuerthaler Musikanten an den Keyboards, Drummer Karsten Schricker ist ebenfalls Mitglied des beliebten Unterhaltungsensembles. Vorsitzender Marcel Lübbe, inzwischen ein versierter Leadgitarrist, an der Gitarre Dieter Schneider und am Bass Markus Öftring, der seine musikalische Heimat bei den Fuschter Musikanten hat.


Die Klassiker kommen

"Wir spielen zwei Jahre in dieser Besetzung", bestätigte Lübbe, und "Cloudbase" nutzte offensichtlich diese Zeit, um die Rocksongs der 70er und 80er-Jahre mit Erfolg einzuspielen. "Deep Purple", "Queen" und ähnliche Altvorderen der kreativsten Ära der Rockmusik gaben dafür die Steilvorlage. Das Irish Pub platzte aus allen Nähten, fünf Servierkräfte hatten alle Hände voll zu tun und die Türe musste wegen Überfüllung auch mal geschlossen werden.
Über Mangel an Publikum konnte sich auch die Ha-Ka-Ge im Rathaus-Keller nicht beklagen, wo "Ac(c)oustic Jam" in ähnliche Fußstapfen trat.


Unvergessen und beliebt

Nur einen Stock höher unterhielt "George" Uebel mit unvergessenen Oldies das Publikum zum Wein. Der Hammelburger Solomusiker - offensichtlich bei der Besitzerfamilie Lange und den Gästen beliebt - muss hier eigentlich schon ein Abo haben.
Etwas Pech hatte die Musik-Initiative im Bocksbeutelkeller mit ihrem Angebot. "Dead Energy & Illustrators" fielen wegen Krankheit des Frontmanns aus. Für sie sprang eine heimische Formation ein. "Overdrive", keine Unbekannten beim "moves", lieferte im Winzerkeller Musik zum Abrocken und Abtanzen. "Elotail" im Keller des Weingut Müller ist noch aus dem vorigen Jahr in Erinnerung. Das Experiment, Cocktails, Wein und Elektro-Musik ist offensichtlich gelungen. Aufhorchen ließen die "Monkeymen" im "Downtown-Diner".Nach drei Jahren mit "Hang loose" zog hier ein Trio ein, das dem jazzigen Sound und dem Blues frönte. Gediegen und doch rockig gab die Gruppe aus dem Schweinfurter Raum ihre Visitenkarte ab. Die "Wirtschaft am Viehmarkt" setzte auf Bewährtes. Träumen und Mitsingen zu Songs von beispielsweise Simon & Garfunkel, Leonhard Cohen oder Bob Dylan - intoniert von "Chris, me & Stefan Jehn" - waren die Trumpfkarte.
Last not least sei Stefan Eideloth mit seinem Quartett "Just 4" Freunden im "Stadtcafe" tangiert. Oldies lockten junges wie reiferes Publikum zum Bleiben, darunter Alt-Bürgermeister Ernst Stross, der mit seiner Gattin ein paar Tänzchen wagte.