Schon beim Auspacken starten die Diskussionen: "Den Spielplan aus Stoff finde ich schon mal gut, nur die Kanten müssten gekettelt werden", sagt Christian Fenn. "Ich finde die Aufmachung eher enttäuschend", sagt Verena Kerner (früher Dotzel). "Es fehlt das Mystische", sagt Beate Schilling, und auch Kornelia Hälbig findet das Spiel "ausbaufähig". Die drei Spiele-Fans haben die erste Version des Spiels "Die Akte Amalberga" des Würzburger RMD-Verlages getestet. Für die Spielidee gibt es am Ende drei Mal fünf und einmal vier von fünf möglichen Sternen, bei Umsetzung, Spaß und Unterhaltungswert sind die Bewertungen deutlich niedriger.

Entwickelt haben das Spiel Petra Schwarz und Wolf-Dieter Raftopoulo. Der RMD-Verlag hat bereits ein Rhön- und ein Frankenwein-Quiz oder das Strategiespiel "Rhönholde" im Angebot. Bereits vor einigen Jahren sei er bei einer Weinwanderung in Hammelburg auf die geheimnisvollen Figuren am Hammelberg aufmerksam geworden, berichtet Raftopoulo. "Ich habe immer wieder drüber nachgedacht, daraus was zu machen", sagt er.

Das Rätselraten für die Tester beginnt bereits vor dem Probespiel: "Mir fehlt der Downloadbereich, ich hätte gerne schon mehr gelesen", sagt etwa 3. Bürgermeister Christian Fenn über seine Recherche im Internet. Beate Schilling trifft sich regelmäßig mit ihrem Spielekreis und hat auch schon große Spielfeste organisiert. Sie hatte angesichts des Namens ein Exit- oder Escape-Spiel erwartet. "Es erinnert eher an Scotland-Yard", sagt sie nach dem Testspiel.

"Verpackung sagt zu wenig aus"

Kornelia Hälbig ist in der Stadtbibliothek für die Spiele-Abteilung zuständig und spielt selbst oft. "Das Reizwort Amalberga könnte ziehen, aber insgesamt sagt die Verpackung zu wenig aus", fasst sie ihren ersten Eindruck zusammen. Aus praktischen Gründen wäre es für die Stadtbibliothek geeignet: "Das Material ist übersichtlich, lässt sich bei der Rückgabe leicht zählen und kann einfach ersetzt werden, wenn was fehlt."

Vor allem die Vermarktung hat die vierte Testerin im Blick: Verena Kerner ist Leiterin der Tourist-Info. Die geheimnisvollen Figuren seien als Foto-Motive sehr beliebt bei Touristen. Das Spiel passe trotzdem nicht in die Auslage der Tourist-Info: "Unsere Gäste kaufen mal eine Post- oder Wanderkarte, das Spiel ist mit 19 Euro eher zu teuer."

"Ich mag Spiele, die immer wieder neu sind, hier fehlt mir die Dauer-Spannung", fasst Beate Schilling ihre Eindrücke zusammen. Ihrem Spielekreis werde sie das neue Hammelburg-Spiel deshalb nicht empfehlen. "Man könnte total viel draus machen", ist Christian Fenn von der "coolen Idee" begeistert. Vor allem hätte er sich aber eine bessere Optik erhofft: "Das Spielfeld sollte den Berg abbilden", schlägt er vor: Wege, Wald und die steile Kante zum Saaletal oder auch die dortigen Gleitschirmflieger hätte er als Wiedererkennungswert erwartet. Und am Ende sei der Weg des gejagten Spielers zu offensichtlich.

"Die Einzigartigkeit unserer geheimnisvollen Figuren rüberzubringen, ist nicht gelungen", bedauert Kornelia Hälbig. Als zu umständlich stuften die Tester auch die Anleitung ein: "Das ist viel zu lang und unnötig komplex", sagt Fenn. Auch die Mitspieler fühlten sich zunächst überfordert, obwohl der Ablauf eigentlich einfach sei. "Ich habe ständig auf die Züge der anderen geachtet, obwohl es eigentlich unnötig ist", sagt Schilling.

Seit dem Test gibt es mittlerweile eine neue Version mit kleineren Änderungen. Unter anderem kann der Spieler, der die Figuren im Geheimen aufstellt, einzelne Züge verschleiern, so dass die Mitspieler mehr Detektivarbeit leisten müssen, um ihn wieder aufzuspüren. Laut Raftopoulo komme das Spiel gut an, für Weihnachten sei eine weitere Auflage geplant.

In Hammelburg ist das Spiel im "Bunten Buchladen" und in der Buchhandlung Endres erhältlich, online über www.shop-rmd-verlag.de.

Beurteilung

4,75 von 5 Punkten gibt es für die Spielidee

2 von 5 Punkten gibt es für die Umsetzung

2,25 von 5 Punkten gibt es für die Kategorie Spannung

1,75 von 5 Punkten gibt es für die Kategorie Spaß