Überschwemmte Wiesen, Schäden im Maisacker und ein untertunnelter Uferbereich. Verursacht hat diese Schäden ein Biber, der seit einigen Wochen in der Nähe des Schlimpfhofer Bauernhofes sein Unwesen treibt. Noch vor wenigen Wochen hatte das bei Anja Wagenbrenner und ihrem Mann Diethard zu Verärgerung geführt. Mittlerweile jedoch hat sich die Erlebnisbäuerin mit der Situation arrangiert und aus der Not eine Tugend gemacht. Deshalb stehen nun auch Biberführungen auf dem Ferienprogramm des Erlebnisbauernhofes. Über 30 Kinder und Erwachsene nahmen am vergangenen Donnerstag an der ersten Veranstaltung teil.

Fast einen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche hat der Nager entlang der Lauter unter Wasser gesetzt. Während sich auf der einen Uferseite ein Feuchtbiotop entwickelt hat, sind auf der anderen Seite feuchte Wiesenbereiche entstanden. Die Feuchtstellen sind wertvolle Lebensräume für Insekten, Amphibien, Vögel und viele Libellenarten. Und tatsächlich hat sich in den vergangenen Wochen hier einiges verändert.

Aus der Not wurde eine Tugend

Dennoch waren die Wagenbrenners zunächst sauer auf den Biber. Die von ihnen bewirtschafteten Grünflächen wurden durch den Biberdamm überschwemmt und entwertet. Zwar sei nur eine kleine Fläche betroffen, dennoch fehle das Gras als Grünfutter im Kuhstall, erläuterte die Erlebnisbäuerin den Teilnehmenden zu Beginn der Führung. "Weil die Futtermittelkosten momentan so hoch sind, ist das besonders ärgerlich." Die Entschädigung aus dem Biberfonds reiche laut Wagenbrenner nicht aus, um die Verluste zu decken. Gleichwohl, das räumte die Erlebnisbäuerin ein, sei es faszinierend wie viele Libellen, Schmetterlinge und andere Insekten jetzt auf den Feuchtwiesen zu sehen seien. So sei dann schließlich auch das Führungskonzept entstanden. "Naturschutz und Landwirtschaft funktionieren prima miteinander. Es braucht nur kreative Konzepte!"

Kreative Kombinationen

Im Rahmen des Bauernhof-Ferienprogrammes lernten die Kinder zunächst die verschiedenen Bauernhoftiere kennen. Danach ging es auf Spurensuche rund um den Biberbau. Unterstützt wurde Anja Wagenbrenner dabei von einer befreundeten Försterin. Die Waldpädagogin Katja Sander ist Bieber-Kennerin und ist mit dem Baumeisters vertraut. In der dreistündigen Führung konnten die Gäste deshalb viel Wissenswertes erfahren. Einen Biber zu sehen, damit hatte bei der Führung wohl Niemand gerechnet. Nicht nur, weil das dämmerungsaktive Nagetier tagsüber selten zu sehen ist, sondern vor allem auch, weil Biber geschützt sind und nicht beunruhigt werden dürfen. Deshalb blieb die Gruppe auf Abstand zum Bau und schaute stattdessen vom Weg aus nach angeknabberten Bäumen und Biberrutschen, bevor es zurück zum Bauernhof ging. Wegen des großen Veranstaltungserfolges will die Erlebnisbäuerin in den nächsten Ferien wieder Programme anbieten, die Nahrungsmittelproduktion und Naturschutz miteinander verbinden. Gesunde Böden und Gewässerschutz stehen schon länger auf dem Programm. Biberführungen und Naturschutzaktionen kommen spätestens in den Sommerferien ergänzend dazu.