Alle Soldaten tragen Mund-Nase-Schutz, der Abstand ist größer als sonst und die Nationalhymne darf nicht mitgesungen werden: Der Appell am Mittwoch auf dem Lagerberg stand ganz im Zeichen von Corona, brachte gleichzeitig aber ein Stück Normalität zurück, weil es das erste größere Antreten seit 15 Monaten war. Im Mittelpunkt standen dabei gleich zwei Anlässe: Brigadegeneral Michael Matz besiegelte offiziell das Ende des Offizieranwärter-Bataillons 2 und Generalmajor Norbert Wagner, Kommandeur Ausbildungskommando in Leipzig, gab der Infanterieschule ihren alten Namen zurück.

"Es gab viele Stimmen, auch aus der Truppe heraus, die den alten Namen wiederhaben wollten", berichtete Wagner auf Nachfrage der Redaktion. "Im allgemeinen Sprachgebrauch haben sich die aktuellen Bezeichnungen Ausbildungszentrum und Ausbildungsstützpunkt der drei Dienststellen nie ganz durchgesetzt." Auf dem Lagerberg steht deshalb seit gestern wieder groß "Infanterieschule" an der Wache. Gleichzeitig wurden der "Ausbildungsstützpunkt Gebirgs- und Winterkampf" in Mittenwald in Gebirgs- und Winterkampfschule sowie der "Ausbildungsstützpunkt Luftlande und Luftransport" in Altenstadt in Luftlande- und Lufttransportschule umbenannt. Die Infanterieschule Hammelburg bezeichnete Wagner als "Mutterhaus der Infanterie".

"Wir vermitteln Wissen und Können"

Wagner ist sich sicher, dass die Begriffe in der Truppe und in der Gesellschaft besser akzeptiert werden. Seit 1956 werden auf dem Lagerberg Infanteristen ausgebildet, aber auch Fallschirmjäger, Gebirgsjäger, Scharfschützen, Schießlehrer und Einzelkämpfer. Als Auftrag nannte Wagner: "Wir vermitteln Wissen und Können. Wir bilden unsere Soldaten aus. Wir geben ihnen das nötige Rüstzeug für ihre künftigen Aufgaben an die Hand."

Die Rückkehr zum alten und in Hammelburg viel bekannteren Namen begrüßt auch Brigadegeneral Michael Matz, Kommandeur der Infanterieschule. Ausländischen Gästen etwa sei der 2015 eingeführte Name Ausbildungszentrum schwer vermittelbar gewesen. Vor allem aber entspreche der Begriff Infanterieschule der Identität und dem Traditionsverständnis vieler tausend Mitarbeiter und Absolventen. Zur Auflösung des Offizieranwärter-Bataillons 2 betonte Matz, dass die rund 150 Mitarbeiter alle einen neuen Dienstposten nach Wunsch bekommen hätten. Viele seien in Hammelburg oder Veitshöchheim untergekommen, andere haben sich heimatnah versetzen lassen. "Das war viel Arbeit." Dem letzten Kommandeur des Bataillons, Oberstleutnant Mathias Steiger, verlieh Matz für seine Arbeit die Ehrennadel des Verbandes.

In den vergangenen 15 Jahren habe das Offizieranwärter-Bataillon 2 mehr als 4500 Teilnehmer ausgebildet. Begründet wurde die Auflösung mit einer Umstrukturierung im Heer: Der Führungsnachwuchs wird wieder verstärkt im eigenen Truppenverband ausgebildet, auf die Infanterieschule habe die Auflösung keine Auswirkungen. Die Geschichte des Offizieranwärter-Bataillons 2, das im Dezember 2005 aufgestellt wurde, soll in einem Traditionsraum des Fähnrichheims bewahrt werden. Umrahmt wurde der Appell vom Heeresmusikkorps Veitshöchheim unter Leitung von Oberstabsfeldwebel Michael Heinlein.