Rühe, Scharping, Struck, Jung, de Maizière oder von der Leyen: Fast alle amtierenden Verteidigungsministerinnen und Verteidigungsminister besuchten  in den vergangenen Jahrzehnten den Bundeswehrstandort Hammelburg. Auch Noch-Amtsinhaberin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte schon zwei Anläufe unternommen: Im Februar 2020 sagte die damalige CDU-Vorsitzende  wegen des Debakels im thüringischen Landtag ab, ein Termin im Sommer 2021 fiel kurzfristig aus. Wenige Tage vor dem vermutlichen Ende ihrer Amtszeit hat es nun doch noch geklappt: Am Montag kam AKK auf den Lagerberg.

Im Vorfeld gab es einiges Hin und Her: Am vergangenen Mittwoch hatte das Ausbildungskommando des Heeres den Besuch in der Infanterieschule noch mit Einladung an die Presse angekündigt, am Freitag gab es dann die Nachricht, dass der Besuch wegen steigender Corona-Inzidenzen ohne Presse stattfindet. Als wesentlicher Inhalt waren Gespräche mit Soldatinnen und Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 233 und des I. Bataillons des Objektschutzregiments der Luftwaffe angekündigt, die sich in Hammelburg auf Einsätze im Rahmen internationaler Missionen in Mali vorbereiten.

Am Dienstagabend teilte der Presseoffizier der Infanterieschule dann mit, dass es sich um den letzten Truppenbesuch der Noch-Verteidigungsministerin vor der angekündigten Bildung der Ampel-Koalition handelte. Neben Führungsgesprächen mit Brigadegeneral Michael Matz, General der Infanterie und Kommandeur der Infanterieschule sowie Oberst Stefan Leonhard, Leiter des Bereichs Lehre/ Ausbildung und dem Leiter des Übungszentrums Infanterie, Oberstleutnant Sebastian Klima, habe sie sich der Truppe gewidmet.

Brigadegeneral Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Oberstleutnant Bastian Steves, Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 233, und Oberstleutnant Oliver Tamminga, Kommandeur des I. Bataillons des Objektschutzregiments der Luftwaffe, führten den Ausbildungsstand und die Einsatzvorbereitung vor. Im Gelände gab es zunächst eine Einweisung in Geschichte und Entwicklung des Übungsdorfes Bonnland auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg durch Hauptmann Michael Rützel und Stabsfeldwebel Achim Müller.

Hubschrauberabsturz simuliert

"Dann ging es weiter zur Truppe, dem Schwerpunkt des Besuchs", heißt es in der Pressemitteilung der Infanterieschule. Major Christian Ullrich stellte den Ablauf der Ausbildung vor: Übungsszenario war ein Hubschrauberabsturz mit zahlreichen Verwundeten. Die eingesetzte Quick-Reaction-Force (QRF), bestehend aus Objektschützern und Gebirgsjägern, näherte sich unter Eigensicherung der Absturzstelle und führte die Versorgung und den Abtransport der Verwundeten unter Bedrohung durch gegnerische Kräfte vor. "Die Ministerin zeigte sich beeindruckt und stellte viele Fragen zum taktischen Vorgehen und zur materiellen Ausstattung", heißt es aus der Infanterieschule.

Das Übungszentrum Infanterie stelle den militärischen Führer in den Mittelpunkt der Einsatzvorbereitung, denn dieser führe die Entscheidung im Gefecht herbei, erklärte Oberstleutnant Klima, der Leiter des Übungszentrums Infanterie. Geübt wurde mit dem Ausbildungssystem "Agdus", einem Duellsimulator, der den Einsatz und die Wirkung der Waffen der Übungstruppe mittels Lasereinsatz darstellt und eine genaue Auswertung erlaubt. Dieser Simulator sei allerdings schon etwas in die Jahre gekommen: Er wurde 1996 eingeführt und habe Mängel bei der Darstellung moderner Handwaffen. "Ich bin dankbar dafür, dass mir auch Mängel bei der Ausstattung für die Ausbildung aufgezeigt werden", zitiert die Pressemitteilung Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Zudem kündigte sie an, dass das Nachfolgesystem Agdus II kurz vor der Einführung stehe.

Im abschließenden Gespräch äußerte die übende Truppe, dass die Ausbildung des Übungszentrums Infanterie der Infanterieschule sehr realistische Bilder stelle. Die Soldaten fühlten sich gut ausgebildet und auf kommende Einsätze vorbereitet. Die Ministerin freute sich laut Pressemitteilung über die Rückmeldungen, wünschte sich aber auch, dass die zugrunde gelegten Szenarien im Einsatz nicht eintreten. "Die Männer und Frauen sind bestens auf den Einsatz vorbereitet und können dort sicherlich angemessen reagieren", wird Kramp-Karrenbauer in der Mitteilung zitiert. Abschließend dankte sie allen Soldatinnen und Soldaten - Ausbildern und Übungsteilnehmern - für ihr Engagement und wünschte allen für Einsätze viel Soldatenglück und eine gesunde Wiederkehr.