Noch steht das Wasser in großen Pfützen im Rohbau des künftigen Bürgerhauses, aber bereits nächste Woche soll der Dachstuhl zumindest soweit dicht sein, dass es nicht mehr hineinregnet. "Wenn alles gut läuft, ist das Dach in acht Wochen fertig", sagt Zimmerer Hans-Peter Rehwald. Offen sei allerdings noch, wie die Stadt mit den gestiegenen Materialkosten umgehe. Jedoch trübte dieser Rechtsstreit nicht die Feierlaune beim traditionellen Richtspruch am Freitag: "Vom Kaufhaus bis zum Bürgerhaus, rauften viele sich die Haare aus", fasste Zimmerermeister Axel Rehwald die Planung des städtischen Gebäudes zusammen.

"Die Stadt und auch das Land, finanzierten Hand in Hand", lautete ein anderer Reim des Richtspruches. Rehwald ging damit auf den hohen Zuschuss für das Groß-Projekt ein: 4,32 Millionen Euro hat das bayerische Bauministerium für den Bau des Bürgerhauses zugesagt. "Wo, wenn nicht hier, sollte man Städtebaumittel einsetzen", lobte Landrat Thomas Bold (CSU) die Entscheidung, die "gute Stube der Stadt Hammelburg" aufzuwerten. Bold freute sich für die Stadt, dass unmittelbar neben dem Rathaus neue Räume für die Verwaltung und für soziale Einrichtungen entstehen. Das Landratsamt habe mit dazu beigetragen, dass die Baugenehmigung am Ende ohne eine langwierige juristische Auseinandersetzung erteilt werden konnte.

Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (CSU) sprach von "wertvollen Mitteln für die Innenentwicklung", die die "regionale Strahlkraft" Hammelburgs erhöhen würden. Das Bürgerhaus neben dem Rathaus werde sicher dazu beitragen, dass die Hammelburger Innenstadt noch attraktiver werde. Beeindruckt war er vom schnellen Bau-Fortschritt: "Das Geld des Freistaats ist nicht nur angekommen, sondern wird auch schnell eingesetzt", sagte Kirchner.

Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) bezeichnete das Bürgerhaus als "das Größte, das die Stadt selbst je umgesetzt hat". Er hofft, dass die veranschlagten Baukosten von rund 7,2 Millionen Euro eingehalten werden, obwohl es in der Bau-Branche erhebliche Preissteigerungen gebe. Bereits beim Kauf des Gebäudes im Jahr 2015 habe es den Plan gegeben, "ein soziales Zentrum mitten in der Stadt" zu schaffen. Von der künftigen Tourist-Info und dem neuen Standort der Stadtbibliothek erwartet Warmuth viele positive Effekte für Einzelhandel und Gastronomie. Der Multifunktionssaal werde für Stadtratssitzungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Wichtig seien bei der Planung aber auch die barrierefreie öffentliche Toilette und die unterirdische Verbindung zum Rathauskeller gewesen, die als zweiter Fluchtweg dient und dadurch wieder Veranstaltungen unter dem Rathaus ermöglicht. Zudem beseitige das Bürgerhaus einen "städtebaulichen Mangel", sagte Bürgermeister Warmuth, auch wenn Architektur immer unterschiedlich bewertet werde.

Warmuth ging auch auf die lange Vorgeschichte des Gebäudes ein (siehe unten). Vor allem nach dem Bürgerentscheid und durch die Klage von Nachbarn seien zusätzliche Beratungen und Versammlungen notwendig gewesen. Details beschäftigen den Stadtrat bis heute: "Am kommenden Montag wird im Stadtrat final über die Fassade entschieden", kündigte Warmuth an. Der Sanierungsbeirat habe bereits ein einstimmiges Votum abgegeben, demnach soll es an der Front in Richtung Marktplatz kein Gesims geben. Warmuth hofft auf eine Einweihung im Frühjahr 2023. Dann werde die Stadt auch die gemieteten Räume im Roten Schloss räumen und dadurch den Weg frei machen für die Erweiterung des Naturerlebniszentrums Rhön. Zudem sollen Flächen am Buttenmarkt, in den Gassen und auf dem Marktplatz hergerichtet werden.

Die Mitarbeiter der Zimmerei Rehwald beschäftigt gerade der Dachstuhl: "Hier gibt es keine gerade Linie", sagt Axel Rehwald. Weil der Baukörper unterschiedlich breit sei und abgewinkelt sei, seien auch First und Traufe schräg. Mitten durch den Dachstuhl zieht sich ein Knick, für den Balken mit Metall verbunden sind. "Wir haben hier zwölf Tonnen Stahl verbaut", sagt Senior-Chef Hans-Peter Rehwald.

Offen sei noch, wie die Stadt mit seinem Nachtrag umgehe. "Zumindest die Massenänderungen sind geklärt", betont Architekt Roland Nörpel, dass die Stadt für alle Kosten aufkomme, die durch Umplanungen entstehen. Die Frage von gestiegenen Materialkosten werde gerade juristisch geklärt. "Der Handwerker ist immer der Dumme", verweist Rehwald auf die aktuelle Lage: Angefordertes Holz komme frühestens in vier Wochen, den Preis erfahre er zwei Wochen vor Lieferung. "Wie will man da planen?" Mittlerweile gebe er keine Angebote ohne eine so genannte Preisgleitklausel mehr ab, um geänderte Lieferkosten weitergeben zu können.

Daten zum Bürgerhaus:

1958/59 wurde das ehemalige Kaufhaus Uhl abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

1990 schloss Familie Pfeifer das Hammelburger Kaufhaus.

2015 erwarb die Stadt das Gebäude neben dem Rathaus.

Im Mai 2017 wurde der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs zur Gestaltung eines Bürgerhauses bekannt gegeben.

Im Mai 2018 brachte der Hammelburger Stadtrat den Bauantrag auf den Weg.

Im Oktober 2018 wurde der Beschluss des Stadtrates in einem Bürgerentscheid von 51,6 Prozent der Wähler gekippt. Die Stadt plante das Projekt um.

Im April 2020 erteilte das Landratsamt eine erste Baugenehmigung, die das Verwaltungsgericht jedoch kippte. Im Oktober gibt es eine Einigung mit den Klägern.

Im März 2021 begann der Abriss des Gebäudes und der Neubau des Bürgerhauses.rr