Im November 2020 hatte Architekt Roland Nörpel eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für den Stadtrat: Die Ausschreibungen im Herbst 2020 hatten gleich in mehreren Gewerken deutlich günstigere Ergebnisse erzielt als vorab geschätzt. Nörpel rechnete damals hoch, dass die Baukosten von 7,2 Millionen auf 6,5 Millionen Euro sinken könnten, machte allerdings auch Einschränkungen, weil etwa Betonmauern beim Rohbau entfielen, aber dafür Wände im Trockenbau nötig werden. Nach Fertigstellung des Rohbaus kam Nörpel nun erneut in den Stadtrat - und nahm sein Weihnachtsgeschenk aus dem Vorjahr wieder zurück. Angesichts der aktuellen Kostenexplosion im Bauwesen zog er trotzdem noch eine positive Zwischenbilanz: "Das Projekt bewegt sich im Moment in dem Bereich, den wir 2017 geschätzt haben."

Mit 7,2 Millionen Euro veranschlagte das Architekturbüro "Raum.plan" im Jahr 2017 den Abriss des ehemaligen Kaufhauses samt Neubau des Bürgerhauses. Der Freistaat Bayern sagte daraufhin 4,32 Millionen Euro an Förderung zu, die bayerische Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) überbrachte den entsprechenden Förderbescheid im Oktober sogar persönlich. Aktuell liegt die Kostenschätzung der Architekten bei 7,19 Millionen Euro. Dabei gab es laut Nörpel einiges Auf und Ab: Für die Baukonstruktion (Abriss und Rohbau) waren 2017 noch 3,79 Millionen Euro geplant, zwischenzeitlich lag die Schätzung bei 3,1 Millionen Euro, nach Abschluss des Rohbaus geht Nörpel von 3,7 Millionen Euro aus.

Einsparungen auf der einen Seite stünden auch einige unvorhergesehene Kosten gegenüber. Die Außenwand des Kellers in Richtung Schillingsgässchen habe sich zum Beispiel an einer Stelle als "morbide" erwiesen. "Das mussten wir uns mit dem Statiker anschauen, und Lösungen suchen", berichtete Nörpel und stellte dem Stadtrat Bilder dazu vor. Auch im Keller selbst seien nach den Abbruch-Arbeiten zusätzliche Schäden zum Vorschein gekommen. Ärgerlich sei auch, dass eine Firma ein mangelhaftes Gerüst aufgestellt habe: 32 Mängel seien gemeldet, aber nicht beseitigt worden. Selbst die Gewerbeaufsicht habe sich mit dem Fall befasst. Um die Rohbauarbeiten nicht zu verzögern, ließen die Architekten das Gerüst an der Giebelseite sogar abbauen und von einer anderen Firma ein neues Gerüst aufstellen.

"Die ganzen Störungen haben uns natürlich auch Zeit gekostet", verwies Architekt Nörpel auf einen neuen Zeitplan. Eigentlich sollte Ende 2021 das Dach bereits dicht sein. "Wir haben sechs bis acht Wochen verloren." Nörpel kündigte jedoch an, dass nach der Jahreswende mit dem Dachaufbau begonnen werde. Allerdings gebe es hier bereits das nächste Problem: Die Zimmerei fordert knapp 79 000 Euro als Nachtrag, das entspricht einer Steigerung von rund 26 Prozent. Ein Teil davon gehe auf Änderungen in der Konstruktion zurück: Die Architekten hatten bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen, ein geplantes Lüftungsgerät woanders zu installieren und dafür im Dachgeschoss einen weiteren Raum zu schaffen. Allerdings würden rund 45 000 Euro das Nachtrags mit gestiegenen Materialkosten vor allem beim Stahl begründet.

Ob diese nachträglichen Anpassungen möglich sind, sei eine juristische Frage: Eigentlich beinhalte der Vertrag keine so genannte Stoffpreisgleitung, das habe auch die Vergabestelle der Regierung von Unterfranken bestätigt. Aber: "Die Gefahr ist, dass der Unternehmer nicht kommt, wenn wir den Nachtrag nicht frei geben", gab Nörpel zu bedenken. Auch wegen der Auswirkungen auf die staatlichen Zuschüsse schlugen Architekt und Verwaltung die Einschaltung einer Juristin vor. "Das muss Hand und Fuß haben", betonte Nörpel.

"Für mich ist das kein Wegfall der Geschäftsgrundlage", kommentierte CSU-Stadtrat und Bauunternehmer Patrick Bindrum die Verdopplung der Stahlpreise. Andere Stadträte fragten nach, ob es nicht klare Rechtsgrundlagen dafür gebe. CSU-Stadtrat und Richter Arnold Eiben unterstütze dagegen die Meinung des Architekten: Jeder Vertrag sei anders, deshalb müsse vermutlich der Einzelfall geprüft werden. Zudem verwies die Verwaltung darauf, dass ein Teil der Nachträge "zwingend anzuerkennen" sei, weil es sich ja um Änderungen in der Planung handle. Deshalb stimmte der Stadtrat dem Vorschlag zu, die Nachtragsforderung nun zunächst rechtlich prüfen zu lassen und erst danach darüber abzustimmen. Nörpel kündigte zudem an, bei künftigen Vergaben eine Stoffpreisgleitung aufzunehmen: Angesichts der aktuell sehr hohen Preise für Materialien wie Holz und Stahl erhoffe er sich davon einen positiven Effekt, falls die Preise wieder sinken.

Nur im Rohbau asymmetrisch

Auf Nachfrage berichtete Nörpel, dass die Haustechnik bereits vergeben sei und mit einer Angebotssumme von 1,16 Millionen Euro rund 160 000 Euro unter der Kostenschätzung liege. Zu den Bildern vom Rohbau stellte er klar, dass es durchaus Absicht sei, dass die Fensteröffnungen im Giebel ungleich betoniert wurden: "Die Asymmetrien, die es jetzt bei den Öffnungen gibt, werden im Endzustand nicht mehr zu sehen sein."