Jahrelang wurde geplant, Bürgerentscheid und Klage verzögerten die Baugenehmigung, jetzt soll es endlich los gehen: Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung Aufträge mit einem Gesamt-Volumen von 2,72 Millionen Euro für das geplante Bürgerhaus vergeben. "Wir kommen mit einer guten Nachricht, denn die Kosten fallen", fasste Architekt Roland Nörpel den Vergleich zwischen Kostenberechnung und Vergabesummen zusammen: Die erste Kostenschätzung lag 2017 noch bei 7,2 Millionen Euro. Bereits die detaillierte Kostenberechnung hatte im vergangenen Jahr eine Verringerung auf 7,03 Millionen Euro ergeben. Eine Hochrechnung der jetzigen Ausschreibungsergebnisse liegt bei 6,46 Millionen Euro. Aber: "Da kommen mindestens nochmal 200 000 Euro wegen Verschiebungen innerhalb der Gewerke drauf", dämpfte Architekt Gerd Freese die Freude etwas. Er gehe aktuell von rund 450 000 Euro Kostenminderung aus.

Änderungen und sinkende Preise

Für die Einsparungen nannten die Architekten zwei Gründe: Zum einen würden aktuell die Preise für viele Bauleistungen sinken. Bei der Stahl-Konstruktion für den Dachstuhl habe es zum Beispiel Spannweiten von 1200 bis 8500 Euro pro Tonne Stahl gegeben. "Das war auch erstaunlich für uns", sagte Freese. Zum anderen wurde in manchen Bereichen umgeplant: So seien zum Beispiel nicht-tragende Wände von Massiv- auf Trockenbau-Weise umgestellt worden. Deshalb wurden die Erd-, Mauer- und Betonarbeiten auch anstelle der veranschlagten 1,15 Millionen Euro für rund 960 000 Euro an die Firma Burger Bau aus Bad Kissingen vergeben. Allerdings seien deshalb später bei Trockenbau und Dämmung eben Mehrungen absehbar.

Schutzgerüst für Fußgänger

Auf Nachfrage teilte Architekt Roland Nörpel mit, dass im Januar mit der Kanalsanierung in der schmalen Gasse begonnen werden soll. Das sei notwendig, weil das Gebäude danach eingerüstet wird: Für die Gasse kündigte er einen Fußgänger-Tunnel an, der gleichzeitig die Mauern stabilisiere, die stehen bleiben. Laut Stadtbaumeister Detlef Mohr sei es auch sinnvoll, den Baukörper den Winter über noch stehen zu lassen, weil sonst Sicherungsmaßnahmen notwendig seien. Trotz Vorarbeiten und Start nach den Haupt-Wintermonaten kündigte Mohr an, dass der Abriss der alten Bausubstanz bis 4. April 2021 abgeschlossen sein soll, um Tourismus und Gastronomie möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Bis Ende 2021 regendicht

Im zweiten Quartal soll es mit dem Rohbau so schnell wieder aufwärts gehen, dass für das dritte Quartal bereits die Holz- und Stahlbauarbeiten beginnen können. "Bis Ende des Jahres sollte der Baukörper regendicht sein", sagte Architekt Nörpel, und: "Die ganze Maßnahme wird voraussichtlich bis Frühjahr 2023 dauern."

Abbruch und Demontage wurden für rund 291 500 Euro an die Firma Plannerer aus Pullenreuth vergeben. Veranschlagt waren 272 000 Euro. Der Gerüstbau ging anstelle der berechneten 27 300 Euro für 36 600 Euro an die Firma Jawurek aus Viereth-Trunstadt. Die Hammelburger Firma Hans-Peter Rehwald übernimmt zum einen den Holz- und Stahlbau für 160 300 Euro statt der veranschlagten 275 800 Euro, zum anderen die Dachdecker-, Dichter- und Klempnerarbeiten für 144 300 statt 150 900 Euro.

Große Einsparungen gibt es auch bei den meisten technischen Gewerken: Abwasser-, Wasser- und Gas-Installation waren auf rund 204 000 Euro geschätzt, das niedrigste Angebot gab die Firma Herold-Haustechnik aus Schweinfurt mit 117 900 Euro ab. Bei der Wärmeversorgung lag die Firma Bräutigam aus Schonungen mit 145 200 Euro mehr als 76 000 Euro unter der Schätzung von rund 222 000 Euro. Prozentual kleiner fällt die Einsparung bei der Lüftungsanlage aus: Statt 230 000 Euro ging der Auftrag für 199 250 Euro an die Bad Kissinger Firma E. Happ.

Die Dämmung der technischen Anlagen vergab der Stadtrat für rund 21 000 Euro an Hartmann Isoliertechnik aus Gerolzhofen. Die Gebäude- und Anlagenautomation übernimmt die Bad Neustädter Firma RGT für 65 400 Euro, die Elektroinstallation samt Blitzschutz die Firma Geissler aus Basd Kissingen für 511 000 Euro, die Firma Kone aus Würzburg baut für 64 500 Euro Aufzug und Fördertechnik ins Bürgerhaus ein.

Noch etliche offene Fragen

Damit ist rund ein Drittel der Gesamtsumme bereits vergeben, laut Architekt Nörpel sei ein weiteres Drittel aller Gewerke soweit geplant, dass sie vergeben werden können. Allerdings gebe es auch noch offene Fragen und Änderungen: Noch nicht beschlossen sei etwa die Konstruktion des Windfangs am Haupteingang, komplett verworfen wurde außerdem die Aufteilung des Obergeschosses im hinteren Teil über dem geplanten Bürgersaal. Dort sollten eigentlich Einzelbüros entstehen, die durch Trockenbauwände abgetrennt werden. Die Architekten schlugen dem Stadtrat nun jedoch für den stützenfreien Raum eine moderne Kombination aus variablen Arbeitsplätzen und abgetrennten Räumen in der Mitte vor. Auf die Einigung mit den Nachbarn wegen der Einsicht in die Gasse habe das keine Auswirkungen, versicherte Stadtbaumeister Mohr.

Neu ist auch die Idee, ein kleineres Lüftungsgerät nicht ins Obergeschoss, sondern an der ursprünglich geplanten Stelle im Spitzboden aufzustellen. Dort war es in der ersten Planung vorgesehen, musste jedoch zunächst wegen des Absenken des Daches weichen. "Das Lüftungsgerät ist kleiner geworden", sagt Freese, die Leistung sei jedoch identisch. Im Obergeschoss würden nun rund 70 Quadratmeter frei. Im Stadtrat gab es eine Diskussion, ob dieser Raum gleich mit ausgebaut werden soll. Das werde dem Gremium ebenso erneut vorgelegt wie die Idee einer Galerie für Kinder in der künftigen Stadtbibliothek im Dachgeschoss. Laut Freese könnten dort 25 bis 30 Quadratmeter zusätzliche Fläche entstehen.

Auf mehrfache Nachfragen betonte Stadtbaumeister Mohr, dass sämtliche Änderungen zunächst mit der Regierung von Unterfranken abgestimmt werden und unter dem Vorbehalt stehen, dass die Förderung nicht gefährdet ist. "Wir sind verpflichtet, dass es jetzt zügig voran geht", betonte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). Schließlich dränge das Naturerlebniszentrum Rhön darauf, dass die Stadt den genutzten Platz im Kellereischloss freigibt.