Denise und Dave Renninger vereint die Leidenschaft zum Bier, obwohl sie ganz unterschiedliche Geschmäcker haben: "Ich mag eher dunkle, hopfige Biere", sagt die 30-jährige Bier-Sommelière. "Im Sommer trinke ich lieber helles, im Winter auch mal dunkles Bier", erzählt ihr 36-jähriger Ehemann, der fürs Brauen zuständig ist. Mehr als 50 Sorten hat der gebürtige US-Amerikaner mittlerweile kreiert, rund ein Drittel davon braut er regelmäßig. Seine Devise: "Nicht jedem schmeckt jedes Bier, aber wir haben ein Bier für jeden."

Kennengelernt haben sich die beiden in Cleveland, Ohio: Denise, damals noch Wüscher, war im Rahmen ihres Englisch- und Geschichte-Studiums für ein Jahr in den USA. Bei einem Fest und im von daheim mitgebrachten Dirndl lernte sie Dave kennen, der zwar deutsche Wurzeln hat, aber erst an der Uni in Arizona die Sprache lernte. Dave Renningers Vorfahren wanderten um das Jahr 1750 aus der Pfalz nach Pennsylvania aus, Dave selbst wuchs in Maryland auf.

Erste Versuche 2014

2006 war der US-Amerikaner erstmals nach Deutschland gereist. Während der Fußball-Weltmeisterschaft erlebte er Leipzig im Party-Ausnahmezustand. Umso überraschter war er über die eher distanzierten Deutschen, als er im Jahr drauf zu Austausch-Semestern im Studium der Politik-Wissenschaften nach Mannheim kam. Danach ging es mit dem Jura-Studium in Ohio weiter. 2013 entschieden sich Denise und Dave dann, nach Untererthal zu ziehen und vielleicht den Land-Gasthof von Roland und Patricia Wüscher, den Eltern von Denise Renninger, zu übernehmen.

"Am Wochenende war ich immer im Biergarten", erzählt Dave Renninger, der nebenbei auch als Übersetzer arbeitet. 2014 begann er, im Einkochtopf die ersten Biere zu brauen. "Ein Hahn war noch frei", erinnert er sich. Also wurden ab 2015 wechselnde Biersorten ausgeschenkt. Etwa das "American Blonde": "Das ist die obergärige Version von einem Hellen", erzählt der Brauer. Das "Indian Pale Ale" dagegen sei ein dreifach gehopftes bitteres Bier. "Der kleine Bruder davon" sei das "C4" mit tropischen Fruchtnoten. Nach einem alten Rezept kreierte der 36-Jährige den "Alten Franken", mit Tennen-Malz gebraut, aber nicht so buttrig wie andere tschechische Biere, beschreibt er den "Böhmischen Traum".

Ins Schwärmen bei der Beschreibung der Biere kommt auch Denise Renninger: 2017 absolvierte sie eine Ausbildung zur Bier-Sommelière, danach arbeitete sie in einer Bamberger Mälzerei als Event-Managerin und Sommelière. Aktuell ist sie in Elternzeit, das Paar hat mittlerweile zwei Söhne und eine Tochter. "Ich war schon immer gut in den Aromen", beschreibt sie ihre Leidenschaft für die Sensorik. Dabei muss die stillende Mutter aber auch aufpassen, denn: Im Gegensatz zum Wein muss das Bier beim Verkosten auch geschluckt werden: "Der Abgang ist wichtig", nennt sie als Grund.

Begeistert beschreibt sie die Biere ihres Mannes: "Das schmeckt nach Schokolade, aber nicht ganz so vollmundig", sagt sie etwa über das "Frankonian Dark", einer Mischung aus nordischem Schwarzbier und Münchner Dunkel. Zudem ermunterte sie ihren Mann, auch mit Kaffeebohnen und anderen Zutaten zu experimentieren. Das belgische Bier mit Stickstoff oder das "Kentucky Special" mit Mais sind aber Ausnahmen, der überwiegende Teil der Biere ist nach dem Reinheitsgebot gebraut: "Es ist faszinierend, aus wenigen Zutaten so viele Geschmacksnuancen zu kreieren", sagt Dave Renninger.

Eigene kleine Abfüll-Anlage

"Ein typisches Pils brauen wir nicht", stellt Dave Renninger klar, dafür gebe es die großen Brauereien. "Aber die Craft-Bier-Szene in Deutschland hinkt etwas hinterher", zieht der US-Amerikaner den Vergleich zu seiner Heimat. Zunächst wurden die Biere der Marke "Libertus" nur im Biergarten Untererthal ausgeschenkt, heute gibt es mindestens fünf eigene Biere im "Goldenen Kreuz". Im Nebengebäude stehen die 500-Liter-Sudkessel, mit denen alles angefangen hat. In kleinem Stil wurden manuell Flachen befüllt.

Seit 2018 sind einige Sorten des Untererthaler Bieres in rund zehn Verkaufsstellen zwischen Würzburg, Fulda und Bamberg zu kaufen: von Craft-Bier-Läden bis Rewe-Supermärkten. Dafür musste sich Dave Renninger eine Lohn-Brauerei suchen. "Wir sind hier an unsere Grenzen gestoßen." Statt 500 Liter braut er in einer unterfränkischen Brauerei 30 Hektoliter, also 3000 Liter, pro Sud. Im vergangenen Jahr verkaufte "Libertus" bereits rund 17 000 Liter Bier. "Der Flaschenverkauf ist ein gutes Standbein", kommentiert Denise Renninger heute die Brauerei. Die Corona-Pandemie habe ihnen gezeigt, wie unsicher die Gastronomie-Branche sei: "Corona hat alles gestoppt." Zudem werde die Suche nach Personal immer schwieriger. Deshalb wollen es sich Denise und Dave Renninger auch noch offen halten, ob sie das Gasthaus in der bisherigen Form übernehmen. Stattdessen setzen sie weiter auf neue Angebote wie Bier-Verkostungen in Kombination mit Essen, Bier-Wanderungen rund ums Dorf oder weitere Produkte, wie den eigenen Honig-Wein, Apfel-Cidre oder spezielle Edelbrände, die das Hopfen-Aroma erhalten.