Die Mitarbeiter der Bau- und Personalabteilung, die im Rathaus ausharren, haben vorsichtshalber Ohrstöpsel ausgeteilt bekommen. Denn die Bauarbeiter gehen mit Bohrmeisel, Presslufthammer und Stemmeisen ans Werk, ans Mauerwerk des Gebäudes.

Derzeit läuft alles nach Plan. Mittlerweile sind 80 bis 85 Prozent der Abbrucharbeiten erledigt, wie Stadtbaumeister Detlef Mohr erklärt. Entgegen den anfänglichen Befürchtungen blieben Beschwerden wegen Lärmbelästigung aus, sagt André Danz, in der Verwaltung zuständig für den Hochbau. Bis auf kurze Störungen zwischendurch sei es gar nicht so schlimm gewesen, bestätigt eine Mitarbeiterin aus dem Rathaus.

Dabei ist in den Wochen seit Ende der Osterferien viel passiert: Die Innentreppe ist verschwunden, die Decken sind für den Aufzugsschacht durchbrochen, die Toilettenräume sind für den Umbau vorbereitet. Die Abbrucharbeiten sind zum Teil heikel, weil sie statisch sensible Stellen treffen. So muss das Gewölbe im Erdgeschoss gestützt werden.

Die Öffnung von Decken und Böden enthüllt die Konstruktion des Rathauses. "Es sind einige Dinge aufgetaucht, von denen wir nichts wussten", sagt Danz. Zum Beispiel können jetzt, da die Holzbalken unverkleidet stehen, die Anschlüsse zwischen den Elementen inspiziert werden. Auch der Aufbau der historischen Decken liegt bloß: Lehmfelder, Holzbretter und Schilfmatten treten zu Tage.

Außerdem ist gut zu erkennen, dass die Sanierung und der behindertengerechte Umbau des Rathauses nicht der erste, starke Eingriff ins Gebäude ist. Zwischen den Holzbalken kommen auch immer wieder Stahlträger hervor, die vor einigen Jahrzehnten zur Stabilisierung eingezogen wurden.

Die innere Gestalt des Rathauses stammt aus den Jahren nach dem verheerenden Stadtbrand. Damals, im April 1854, war das Rathaus fast bis auf die Außenmauern ausgebrannt. Der Giebel zum Marktplatz stürzte später auch noch ein. Im Jahr 1858 konnte nach viel Planungsarbeit der Wiederaufbau beginnen. Bis dahin waren lediglich die Kellergewölbe gesichert worden.

"Es wurde lange geplant", sagt Matthias Wieser. Er erstellt im Auftrag der Stadt ein bauhistorisches Gutachten zum Rathaus, ein Zugeständnis an den Denkmalschutz. Wie Wieser erklärt, prägte das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach einem repräsentativen Bau und dem Mangel an Geld und Material die Planungen. Schließlich war das Rathaus nicht das einzige Gebäude, das nach der Feuerkatastrophe neu errichtet werden musste.
Die Zwänge von damals lassen sich bis heute erkennen. Der Bauforscher weist auf den Dachstuhl hin: Der sei zwar stabil, aber aus astreichem, also minderwertigerem Holz gefertigt.

Mit dem Umbau bekommt das Rathaus jetzt einen Aufzug und eine neue Treppe. So prägen die Anforderungen der heutigen Zeit das historische Gebäude künftig auch zu einem Teil mit.