Alle Geschenke sind ausgepackt, und alle Weihnachtsbesuche zumeist erledigt. Am Abend des 2. Weihnachtsfeiertags freut man sich in Wartmannsroth auf das bodenständige Bauerntheater, um von den eigenen weihnachtlichen Stressgedanken gründlich Abstand zu nehmen. Stress gab es nur auf der Bühne, in den von Andreas Tröger charmant angekündigten Stücken "Opa will es noch mal wissen" und "Ach du Fröhliche", welche die Lachmuskeln der Zuschauer insgesamt drei Stunden lang kitzelten.

"Das Theater gehört zu unserer gelebten Dorftradition, es ist eine schöne Sache", will Zuschauer Christian Wickel schon längst nicht mehr auf dieses jährliche Ereignis verzichten. Gerade heuer will er unbedingt zuschauen, spielt doch seine Ehefrau Stefanie im Theater mit. "Dieses Theater kommt aus dem Herzen unserer Gemeinde", freut sich Zuschauer Armin Zeitz. "Es ist ein terminlicher Meilenstein im Jahr", sagt er. So sei er froh darüber, viele Bekannte an diesem Theaterabend anzutreffen.

"Ohne diese Theateraufführungen wären für mich die Weihnachtstage nicht komplett und man kann total entspannen", sagt auch Stammgast Christian Stecker, der aus Premich anreist. Auch Ernst Weh ner aus Burkardroth-Wollbach ist seit Jahren von diesem Theater begeistert. Freilich, die rund 200 Sitzgelegenheiten im Feuerwehrhaus sind überschaubar. Eine Chance auf die Premiere-Vorstellung gibt es nur durch die rechtzeitige Kartenvorbestellung und wohl kaum noch kurzfristig an der Abendkasse.

Ohne Jugend kein Fortbestand

"Die Jugend ist unsere Zukunft", ist Regisseurin Gabi Reinhart froh über die seit etwa vier Jahrzehnte hinweg konstant anhaltende Beteiligung des jungen Nachwuchses, der den Fortbestand der Theatergruppe sichert. In dem Schwank der Jugend "Opa will es noch mal wissen" führt Reinhart allein die Regie. Im Dreiakter der Erwachsenen "Ach du Fröhliche" teilen sich die Laiendarsteller die Regie untereinander. "Alles lief zu unserer vollen Zufriedenheit", bestätigte Reinhart erleichtert, nachdem der Schlussvorhang der Premiere-Vorstellung unter tosendem Applaus fiel.

Hoch zufrieden war das Publikum, das sich allerdings den gesellschaftlichen Spiegel vorhalten lassen musste. Ein Thema war zum Beispiel der offenbar weit verbreitete Brauch, die Besuchsmitbringsel erneut die jährliche Runde im roulierenden Geschenke-System antreten zu lassen. Anhand einer heimlich markierten Sektflasche konnte der Beweis erbracht werden. Sodann galt es die kulinarische Grundfrage zu klären, ob schon am Heiligen Abend eine gebratene Gans auf dem Speisetisch landen soll, und wer sie stopft. Oder reicht auch eine Currywurst? Offen ist ebenfalls jene Frage, wie man zu einem Weihnachtsbaum aus Plastik steht. Oder ist die kulturell einzig zulässige Wahl zwischen edler Weißtanne und einfacher Fichte erlaubt? Und können bunte Ostereier den verloren gegangenen Weihnachts-Baumschmuck ersetzen?

Einigkeit herrschte allerdings in der Verteilung der Geschlechteransprüche: Wenn den Männern die Nachtbar recht ist, dann kann den Frauen ihr Besuch einer Männer-Strippershow nur billig sein.

Theater macht selbstbewusst

Mit viel Selbstbewusstsein agierten die Laiendarsteller. Ihr anfängliches Lampenfieber sei im Nu verflogen, bestätigt Madeleine Reith. Heuer steht sie das erste Mal im Jugendstück auf der Bühne: "Nach meinen ersten Sätzen habe ich das Publikum nicht mehr wahrgenommen und nur noch in meiner Schauspielrolle gelebt." Es bereite obendrein noch ungeheuren Spaß, die Zuschauer in den Bann der gespielten Geschichte zu ziehen und sie zum Lachen zu bringen, setzt Madeleine ihre eigene Familientradition fort. Schon ihr Vater Jochen spielt seit vielen Jahren begeistert mit, so auch heuer wieder im Erwachsenenstück.

Außer Madeleine Reith (Heimleiterin) treten bei der Jugend noch Christoph Müller (Opa), Fabian Fink (Gitarre spielender Enkel), Sabine Müller (Ulla), Sabrina Roth (Katrin), Maike Breitschopf (Tochter Berta) und Alina Diemer (Australierin Cathy) auf. Vanessa Schmitt sitzt sowohl bei der Jugend als auch bei den Erwachsenen im Souffleurkasten. Die Erwachsenenrollen werden von Gabi Reinhart, Stefanie Wickel, Dominik Müller, Nicole Iten, Jochen Reith, Ortrud Böhm, Marco Richter und Marcus Stiller gespielt.

Ungebrochene Spielfreude

Der Weg ist für die Theatergruppe Wartmannsroth das Ziel. Egal ob der "coole alte Zausel", also der 80-jährige Opa im Jugendstück, seine ungebrochene Lebensfreude per Australienreise mit seinem Enkel unter Beweis stellt, oder ob im Erwachsenenstück nach vielen verwirrenden Handlungen der Haussegen wieder gerade gerichtet werden kann. Bis zum allerletzten gesprochenen Satz regiert die ungebrochene Spielfreude.

Wer weder für den Freitag noch für den Samstag Karten erhielt, der kann nur noch auf Freitag, 3. Januar, hoffen. Karten gibt es unter Tel.: 09737/ 828 595. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr, eine halbe Stunde zuvor ist Einlass.