Die Entscheidung fiel vor gut dreieinhalb Jahren ziemlich spontan: "Im Fenster hing ein Zettel, dass das Haus zu verkaufen ist", erinnert sich Tatjana Büchs. Also schlugen sie und ihr Mann Christian zu: Im Juni 2018 kauften sie das denkmalgeschützte Haus in der Bahnhofstraße 41 mit kleinem Hinterhof und Nebengebäude. Auf viel Arbeit hatten sie sich eingestellt, Verhandlungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege waren auch unvermeidbar, aber dass sie sich auch noch jahrelang mit der Stadt rumärgern müssen, traf das Ehepaar völlig unerwartet. Für die Verzögerung der Bauarbeiten vor dem Haus und den 60 Zentimeter hohen Absatz haben sie noch Verständnis, aber der monatelange Kampf um ein einfaches Kellerfenster wurde ihnen zu viel: "Die Stadt hat uns ewig zappeln lassen", sagt Christian Büchs im Gespräch mit der Redaktion. Auf Nachfrage hat Stadtbaumeister Detlef Mohr nun reagiert.

Verzögerung bereits bei der Fernwärme

Den ersten Termin mit dem Stadtbaumeister hatten Tatjana und Christian Büchs bereits im Herbst 2018. Damals bot die Stadt eine zügige Anbindung an die Fernwärme der Stadtwerke an. Gekommen ist der Anschluss allerdings nicht 2019, sondern erst kurz vor dem Jahresende 2021. Alleine für die provisorische Heizungslösung gingen 3000 Euro drauf. Ein weiteres Streitthema war Feuchtigkeit im historischen Gewölbekeller: Weil bei jedem Regen Wasser eindrang, wandten sich die neuen Eigentümer erneut an die Stadt. Die wies jedoch jede Zuständigkeit von sich: "Der Mitarbeiter sagte, dass das die Stadt nichts angehe", berichtet Tatjana Büchs. Erst beim Ausbau der Straße habe sich im Sommer endgültig herausgestellt, dass tatsächlich die Leitungen auf öffentlichem Grund defekt waren und deshalb Wasser zurück in den Keller lief.

Als die Bauarbeiten an der Bahnhofstraße im Sommer 2020 endlich los gingen, war das auch für Tatjana und Christian eine gute Nachricht. Allerdings gab es immer wieder Verzögerungen, vor ihrem Haus starteten die Bagger erst ein Jahr später. Mit dem Tiefbau kamen weitere Probleme: Die Abwasserleitungen mussten erneuert, der Teil des Gewölbekellers, der bis unter die Straße ragt, gesichert werden. Dabei fiel auch das alte Kellerfenster samt Schacht weg.

Trotz Wintereinbruch nichts passiert

Was tun mit der Öffnung? "Wir kümmern uns", habe das Bauamt der Stadt Hammelburg immer wieder versichert. Bereits im September sei der Einbau eines Ersatzes zugesichert worden. Passiert ist bis heute nichts. Christian Büchs hat zwar das Loch provisorisch mit Holzplatten verschlossen, aber: "Es regnet, friert und jegliches Ungeziefer kann eindringen."

Mittlerweile hat Christian Büchs das Fenster verkleinert, weil sich bei einem Termin mit Stadt und Baufirma ergeben habe, dass die bisherige Unterkante unterhalb des Anschlusses an den Kanal liegt. Damit wäre der Boden des Fensterschachtes nicht zu entwässern gewesen. Also betonierte der Eigentümer das Fenster zur Hälfte zu und legte eine Abflussleitung. Weil auch drei Monate nach der Zusage noch kein Fenster oder zumindest ein Blech für die Öffnung da war, fragte das Ehepaar Büchs nach dem Jahreswechsel im Bauamt nach. Zudem erkundigten sie sich beim Baumarkt: Die Fenster wären jederzeit lieferbar, erfuhren sie von dort. Das Bauamt hatte allerdings noch nichts unternommen.

"Das hat zu lange gedauert", gibt Stadtbaumeister Detlef Mohr auf Nachfrage zu. Das Fenster sei im Tagesgeschäft untergegangen. "Eigentlich sind Fenster Sache der Eigentümer", stellt Mohr gleichzeitig klar. In diesem speziellen Fall habe er aber zugesagt, dass die Stadt ein neues Fenster beschaffe, weil das alte Fenster beim Abbau des alten Schachtes weggebrochen sei. "Das müssten wir gar nicht unbedingt machen", betont Mohr. Im Nachhinein habe es aber auch sein Gutes, dass das Fenster noch nicht bestellt war: Ursprünglich sei es um ein 80 auf 80 Zentimeter großes Fenster gegangen. Von der Absprache, dass das Fenster aus baulichen Gründen zur Hälfte zubetoniert wird, habe er nichts gewusst. Mittlerweile habe er ein 80 auf 40 Zentimeter großes Fenster bestellt, sagte Mohr vor zwei Wochen. Gestern berichtete er auf Nachfrage, dass das Fenster mittlerweile da sei. "Ich lasse es noch heute vom Bauhof abholen." Zudem kündigte er an, dass die Baufirma auch den Einbau übernehme, um das Thema möglichst schnell zu lösen. Mohr schränkt jedoch ein, dass lediglich ein einfaches Standard-Kellerfenster übernommen werde. Falls das Landesamt für Denkmalpflege ein Holz-Fenster fordere, obwohl das Fenster nach dem Pflastern kaum zu sehen sein werde, müssten das die Eigentümer selbst erledigen.

Die Bauarbeiten in der Bahnhofstraße haben bereits nach den Weihnachtsferien wieder begonnen. Laut Mohr gehe es mit Kanal und Hausanschlüssen weiter, die Pflasterer sollten "spätestens im März" wieder kommen.