Nicht nur zum Bürgerhaus, sondern auch zur Bahnhofstraße gab es in der letzten Stadtratssitzung in diesem Jahr eine Zwischenbilanz: Seit Juni 2020 wird eine der wichtigsten Straßen in der Hammelburger Altstadt saniert, eigentlich sollten die Arbeiten Ende 2021 abgeschlossen sein. Allerdings gab es immer wieder Verzögerungen, vor allem bei den Pflasterarbeiten. Mittlerweile ist eine neue Firma eingeschaltet, in den vergangenen Monaten wurde im Umfeld des Forstamtes zügig an Fahrbahn und Gehwegen gearbeitet. Jetzt sind die Pflasterer jedoch in der Winterpause.

"Stimmt es, dass die Pflasterer erst im April wiederkommen?", fragte SPD-Stadträtin Rita Schaupp. "Nach meiner Kenntnis spätestens im März", sicherte Architekt Thomas Wieden jedoch zu. Wegen der unsicheren Witterung im ersten Quartal sei ein früherer Start der Arbeiten mit dem Drainbeton und dem Pflaster auch nicht sinnvoll. Im vergangenen Jahr hatte Wieden noch verkündet, dass die Bahnhofstraße teurer wird, als ursprünglich berechnet: 2,92 Millionen Euro lautete die Kostenschätzung, bei der Ausschreibung kam eine Summe von rund 3,38 Millionen Euro zusammen. Wieden ist nun optimistisch, dass diese Summe eingehalten und vermutlich sogar unterschritten wird: Die aktuelle Hochrechnung belaufe sich auf 3,31 Millionen Euro. Rund 73 000 Euro gebe es an Einsparungen.

Durch das geänderte Beleuchtungskonzept hätten sich die Kosten um rund 90 000 Euro reduziert. Ursprünglich sollten hohe Masten mit Hängeleuchten über der Straße montiert werden. "Wir sind ja zu der Einschätzung gekommen, dass lieber die Leuchten vom Viehmarkt übernommen werden", berichtete Wieden. Das spare zum einen Geld bei den Leuchten, aber eben auch bei Masten und Fundamenten. Die Stadtverwaltung ergänzte, dass für größere Fundamente auch gar kein Platz gewesen wäre: In den Gehwegen liegen zu viele Kabel. Auch bei Mauern und Abbrucharbeiten gab es Einsparungen. Umgekehrt kosteten aber die Altlastenentsorgung sowie Arbeiten an Straßen und Plätzen zum Teil auch mehr, weshalb bei den Nachträgen aktuell am Ende lediglich ein Minus von 73 000 Euro in der Zwischenbilanz stehe. Allerdings habe er die Rückmeldung vom Bauleiter, dass nicht alle Massen anfallen, die ausgeschrieben sind. Sprich: Bei Pflasteroberflächen und anderen Materialien rechnet das Architekturbüro eher mit einer Kostenreduzierung.

SPD-Stadtrat Norbert Schaub fragte wegen der "erheblichen Mängel" im ersten Bauabschnitt nach: "Das Pflaster liegt teilweise press, teilweise mit großen Fugen", nannte er als Beispiel. "Der Gutachter begleitet weiterhin die Maßnahme", stellte Thomas Wieden klar. Laut Stadtverwaltung gebe es auch ganz konkrete Anregungen, so seien Teile des Pflasters etwa eingeschlämmt und erneut abgerüttelt worden, um den Untergrund zusätzlich zu stabilisieren. Architekt Wieden verwies zudem darauf, dass auch nach der endgültigen Bauabnahme noch Schäden auftreten könnten. Deshalb müsse die Straße auch in den kommenden Jahren unter die Lupe genommen werden: "Zum Ende der Gewährleistung muss es noch eine Abnahme geben", kündigte Wieden an. Allerdings gebe es auch Toleranzen, die der Bauherr so akzeptieren müsse.

"Die Bahnhofstraße ist für mich als Laie ein Buch mit sieben Siegeln", kritisierte CSU-Fraktionssprecher Martin Wende die Information des Stadtrates. Anders als beim Bürgerhaus gebe zu wenig Details: "Wir haben beim ersten Bauabschnitt festgestellt, dass es nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben", verwies er auf eine lange Mängelliste. Das hinterlasse beim ihm als Stadtrat ein "ungutes Gefühl". Umso mehr würde er sich wünschen, dass das Gremium mehr einbezogen wird. Konkret wünschte sich Wende eine Aufstellung der Mängel nach der Abnahme des nächsten Bauabschnitts sowie Angaben, welche Mängel beseitigt wurden. "Das würde viel zur Aufklärung beitragen." Als neuer Termin für die Fertigstellung der Bahnhofstraße wurden in der Sitzung Mai oder Juni 2022 genannt.