Seit Jahrzehnten wird in Hammelburg über die Verkehrsregelung in der Altstadt diskutiert, drei Gutachten dazu gibt es bereits, ein weiteres Gutachten speziell für Radwege ist aktuell in Arbeit. Immer wieder gab es Forderungen, endlich Entscheidungen zu treffen, auch bei der Vergabe der Arbeiten an der Bahnhofstraße vor rund drei Jahren. Seit einer Woche ist die Straße fertig, wurde allerdings bisher nicht geöffnet, denn: Nachdem der Stadtrat im Juli noch beschlossen hatte, nichts an der Verkehrsführung zu ändern, gab es nun einen Antrag von gleich fünf Fraktionen, Autoverkehr nur stadteinwärts zuzulassen.

Antrag von sechs Fraktionen

CBB, SPD, Grüne, CSU und Bürgerliste Obereschenbach hatten im August den gemeinsamen Antrag eingereicht. Gefordert wird darin ein Testbetrieb von neun Monaten mit einer Einbahnregelung von der Postamtskreuzung zum Marktplatz. Radverkehr soll weiter in beide Richtungen möglich sein. Die Stadtverwaltung schlug in Absprache mit Planern eine kürzere Variante vor: Von der Postamtskreuzung bis zur Einmündung der Dalbergstraße soll gegenläufiger Verkehr möglich sein. Nach einer mehr als einstündigen Diskussion wurde diese Lösung mit 21:1 Stimmen beschlossen.

Mehr als 20 Zuhörer

Mehr als 20 Zuhörer verfolgten die Debatte. "Wir haben rund 3,3 Millionen Euro investiert, und die Bahnhofstraße ist gelungen", eröffnete SPD-Stadträtin Rita Schaupp die Diskussion. Allerdings würden sich nach der teilweisen Öffnung die Autofahrer rücksichtslos verhalten und wild parken. Schaupp wünschte sich mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, für Sitzgelegenheiten der Gastronomie und Auslagen der Geschäfte. Schließlich gebe es die Umgehungsstraße und kostenlose Parkplätze in der Nähe.

Im Gegensatz zu Rita Schaupp sprach sich Christian Fenn (Junge Liste) für eine kurze Einbahnstraße aus. "Wir würden sonst ein ganzes Siedlungsgebiet zwingen, über die komplette Bahnhofstraße abzufahren." Nach seiner Berechnung wären das 1500 Fahrzeuge täglich. Mehrere Stadträte befürchteten bei einer kurzen Variante noch mehr Ausweichverkehr in den Altstadt-Gassen. "Wir haben uns überzeugen lassen, dass es sinnvoll ist, ein Stück gegenläufigen Verkehr zuzulassen", sagte Monika Horcher (Grüne). Wichtig sei, dass der Testbetrieb auch evaluiert werde. FWS-Stadträtin Gabi Ebert regte zwar zusätzlich einen Testbetrieb für gegenläufigen Verkehr an, stellte allerdings keinen entsprechenden Antrag. Offen blieb zudem, nach welchen Kriterien der Testbetrieb bewertet werden soll. "Wir hatten schon mal eine Testphase, die dann aus politischen Gründen beendet wurde", berichtete CBB-Stadtrat Reinhard Schaupp. Er sei für eine Einbahnstraße, "weil es nicht so bleiben kann, wie es ist".

Auch wenn es nur um die Bahnhofstraße ging, gab es gleich mehrere Grundsatzdiskussionen: "Wir hätten deutlich mehr Empfehlungen von Fachleuten gebraucht", sprach sich etwa CSU-Stadtrat Patrick Bindrum für ein umfassendes Gutachten aus. Mit "ich denke, ich meine, ich glaube" komme ein Gremium aus "wohlwollenden Laien" nicht weiter. "Ich bin kein Verkehrsexperte", setzte auch Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) auf Fachwissen, denn: "Trotz aller Gutachten sehe ich kein Gesamtkonzept." Dem widersprach Reinhard Schaupp: "Bitte kein neues Gutachten, das bringt uns keinen Schritt weiter." Stattdessen forderte er den Stadtrat zu mehr Mut auf: "Wir müssen jetzt einfach entscheiden."

"Jeder einzelne trägt Verantwortung", verwies 3. Bürgermeister Christian Fenn in der Diskussion auf die Autofahrer, die oft aus rein egoistischen Gründen für die chaotischen Zustände sorgten. Widerspruch gab es unter anderem von CBB-Stadtrat Alexander Stolz: "Die Bürger können doch gar nicht überblicken, wen sie mit ihrem Verhalten belasten", sagte er mit Blick zum Beispiel auf den Verkehr in der Rote-Kreuz-Straße. Mehrere Stadträte forderten eine umfassende Betrachtung des gesamten Stadtgebietes. "Die schlimmste Situation haben wir in der Rote-Kreuz-Straße, da ducken wir uns weg", nannte Patrick Bundrum als Beispiel.

Stadt muss Kosten übernehmen

Für eine vollständige Einbahnstraßenregelung stimmten am Ende nur CBB, SPD, Bürgerliste, HAB und Yannick Pfriem (FWS). Sie wurde mit 14:8 Stimmen abgelehnt. Gegen den Kompromiss der Verwaltung stimmte lediglich Rita Schaupp. Wegen der Ampelschaltung an der Postamtskreuzung kündigte Bürgermeister Warmuth weitere Gespräche mit dem Staatlichen Bauamt an. Die Behörde hatte angekündigt, dass die Stadt die Kosten für eine Umschaltung auf Probe übernehmen müsse. Die Testphase sei nur mit einer Evaluierung und der geänderten Ampelschaltung sinnvoll.

Stadtbaumeister Detlef Mohr sagte, dass mit der Freigabe der Bahnhofstraße bis nach dem Marktwochenende gewartet werden soll: Ab Montag, 26. September, sei die Einfahrt in die Bahnhofstraße vom Marktplatz her gesperrt.