von unserem Mitarbeiter Gerd Schaar

Oberthulba — Groß war das Engagement der rund 150 Helfer bei der Typisierungsaktion "Lachen für Leben" am Sonntag in der Mehrzweckhalle. Dabei ging es um die Suche nach geeigneten Spendern für Stammzellen, um die Leukämie (Blutkrebs) von Harald Krug zu besiegen (wir berichteten). Nicht Blut wurde gezapft sondern zum Einsatz kamen Wattestäbchen, die in den Mündern kreisten. Rund 300 Leute ließen sich testen. Rund 1000 waren Gäste.
"Harry", wie ihn die ansässige Spaßgruppe "Lachen für Leben" liebevoll nennt, ist dort Mitglied und den 25 Kameraden über die Jahre hinweg ans Herz gewachsen. "Ja, Harry ist einer von uns, der gerne im Fasching auf der Bühne der Spaßgruppe steht, der gemeinsame Wanderungen liebt und Wellness genießt", sagt Birgit Bollwein. Zusammen mit Simone Albuszies und einem weiteren halben Dutzend aus dem Spaßgruppenteam wurde für die Typisierungsaktion ein Organisationsteam tätig. Denn schließlich hatte die Veranstaltung eine Größe erreicht, die einer Lenkung bedurfte. Handys, SMS, Facebook und Flyer kamen zum Einsatz.

Am Vorabend Suppe gekocht

Schon am Vorabend wurden Stühle und Tische für die Aktion aufgebaut. "Und dann haben wir Suppe gekocht", schildert Albuszies. Es gab Gulaschsuppe und die ansässige Reservisten-Kameradschaft hatte eine Grillstation aufgebaut. Nicht zu toppen war die Anzahl der angelieferten Torten und Kuchen aus privaten Haushalten: bis Sonntagmittag waren es schon 85 Stück. Und immer noch kamen Nachlieferungen. Auch Altbürgermeister Gerhard Adam brachte Sahnerollen vorbei.
"Ohne diese Spenden, den Hilfen ansässiger Firmen und den 150 freiwilligen Helfern ginge es nicht", sagt Birgit Bollwein. Geld gespendet hatten auch viele Teilnehmer. Denn jede Untersuchung kostet 50 Euro für Labor und Datenverwaltung. Auch die Erlöse für Speis und Trank flossen jetzt ungebremst in die Finanzierung der Harry-Aktion. "Trotzdem wird noch ein Kostenloch bleiben", befürchtet Birgit Bollwein.

Von Berlin angereist

Unter den Untersuchungs-Teilnehmern war die junge Lea, ebenfalls aus der Spaßgruppe. Nicht nur durch ihre blaue Haarfarbe, die bestens zu ihrer Augenfarbe passt, sondern vor allem durch ihr fröhliches Wesen fällt sie auf. "Ich bin aus Oberthulba und wohne zurzeit in Berlin, wo ich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege mache", sagt sie. Extra für für die Aktion Harry sei sie an diesem Wochenende angereist. "Und unsere Spaßgruppe Lachen für Leben ist sowieso eine Reise wert", strahlt Lea.

Ein konkretes Beispiel

Dass die Typisierung nicht ins Leere läuft, kann Bianca Volkert aus eigener Erfahrung berichten. "Ich habe mich vor 15 Jahren typisieren lassen und kam heuer im Januar als Spenderin zum Einsatz". Und dann zeigt sie auf ihrem Tablet die Fotos von ihrer eigenen Entnahme. Volkert ist somit eine Botschafterin der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS). "Die Leute wollen oft wissen, wie so eine Stammzellentnahme beim Spender funktioniert", sagt sie. Da werde kein Rückenmark entnommen sondern nur etwas Gewebeflüssigkeit mit Blutstammzellen aus dem Beckenbereich. "Es ist ungefährlich", versichert sie. Die Frauen seien tapferer als die Männer.
DKMS-Aktionsleiter Martin Quarg, Büro Köln, hatte ein wachsamer Auge auf die Veranstaltung. Oft werde er von den Teilnehmern gefragt, ob eine Erkältung die Untersuchung beeinträchtige, was natürlich nicht der Fall ist. Sodann interessiere man sich über die Verwendung der Spendengelder, die nahtlos in die Abdeckung der Kosten fließen. Stammzellenspender können im Alter von 18 bis 55 Jahren aktiv werden. Quarg war zufrieden: "Alles ist hier in Oberthulba topp organisiert". Ob ein geeigneter Spender für Harry ermittelt werden konnte, wird sich erst nach den umfangreichen Laboruntersuchungen herausstellen.