Die Auflösung des Offizieranwärter-Bataillons 2 in Hammelburg ist seit Jahren beschlossen und war in mehrere Akte eingeteilt. Einer davon war etwa die letzte öffentliche Vereidigung von rund 500 Offizieranwärtern im Bad Bockleter Kurpark im September 2019. Offizieller Schlussakt sollte Mitte Dezember ein Auflösungsappell werden. Wie so manches hat auch hier die Corona-Pandemie die Dramaturgie durcheinander gewirbelt: Nun soll voraussichtlich Ende März der Verband und damit auch die Partnerschaft mit dem Markt Bad Bocklet offiziell beendet werden.

Bereits im Dezember 2003 legte der Inspekteur des Heeres den Grundstein für das Offizieranwärter-Bataillons 2. Den endgültigen Befehl für die Aufstellung des Verbandes gab General Johann Berger, damals General Infanterie und Kommandeur Infanterieschule, am 8. Juli 2005. Ab 1. Oktober 2005 bereitete ein Aufstellungsstab alles vor, am 15. Dezember erhielt Oberstleutnant Stahl das Kommando zur Führung des Offizieranwärter-Ausbildungsbataillons. Offizieller Startschuss war der 1. Januar 2006. Die ersten 385 Offizieranwärtern traten ihren Dienst in Hammelburg im Juli 2006 an. Am 20. Juli 2006, dem Gedenktag an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wurde das neue Bataillon offiziell und öffentlich auf dem Hammelburger Bleichrasen in Dienst gestellt.

"Folge der Umstrukturierung"

Die Geschichte des Verbandes endet nach genau 15 Jahren und drei Monaten Ende März 2021. Das Ende des Offizieranwärter-Bataillons 2 wurde 2019 eingeläutet: Am 1. Juli 2019 treten die letzten 537 Offizieranwärter ihren Dienst auf dem Lagerberg an. "Im Heer werden die Ausbildungsgänge des Führungsnachwuchses zum Zwecke der persönlichen Bindungen an eine militärische Heimat und die Truppengattungen zurück in die Truppe verlagert", heißt es zur Begründung aus dem Ausbildungszentrum Infanterie. Offizieranwärter absolvieren bereits seit heuer die Allgemeine und die Spezial-Grundausbildung in einem Verband ihrer Truppengattung, bevor sie im Rahmen des Fahnenjunkerlehrganges an der jeweiligen Truppenschule zum militärischen Ausbilder und Vorgesetzten seiner Truppengattung ausgebildet werden.

"Die Auflösung des Offizieranwärter-Bataillon 2 als Ausbildungsverband ist Folge der Umstrukturierung der Ausbildung der Offiziere des Heeres", betont das Ausbildungszentrum auf Nachfrage, und: "Die Auflösung hat keinen Einfluss auf das Ausbildungszentrum Infanterie am Lagerberg in Hammelburg".

Einholung der Truppenfahne

Anstelle das Auflösungsappells im Dezember soll die Geschichte des Verbands nun im Rahmen eines Schulappells des Ausbildungszentrums Infanterie Ende März enden. Brigadegeneral Michael Matz werde dann "die Truppenfahne des stolzen Verbandes einrollen und den Verband in diesem feierlichen Rahmen auflösen", kündigt das Ausbildungszentrum auf Nachfrage an. Gleichzeitig würden die Marktgemeinde Bad Bocklet und das Offizieranwärter-Bataillon 2 feststellen, "dass die geschlossene und stets gelebte Patenschaft mit der Auflösung des Verbandes erlischt".

Bis zur endgültigen Auflösung würden die restlichen Mitglieder des Verbandes nun noch Unterlagen sortieren und archivieren, alles Gerät und die Handwaffen logistisch und technisch für die Abgabe an andere Dienststellen vorbereiten und übergeben. Zudem sei eine Chronik geplant. "Das Stammpersonal wird planmäßig, in nur wenigen Fällen aufgrund der Auflösung selbst, innerhalb ihrer Truppengattungen und Verwendungsreihen inhaltlich und geografisch wunschgemäß versetzt", teilt das Ausbildungszentrum über den Verbleib der Soldaten mit. Und: "Einige bleiben dem Lagerberg, dem Ausbildungszentrum Infanterie beziehungsweise der Region erhalten."

Das Offizieranwärter-Bataillon 2 bestand aus einem Bataillonsstab und bis 2013 aus zwei, danach aus drei Ausbildungskompanien mit je vier Ausbildungszügen à 48 Lehrgangsteilnehmern. Das Stammpersonal umfasste 147 Dienstposten. Jeweils im zweiten Halbjahr eines Kalenderjahres fanden die Offizieranwärterlehrgänge statt.

Gäste aus 21 Nationen

Laut Verband nahmen an den 14 Lehrgängen insgesamt 4521 Soldaten teil. Zudem haben 276 Lehrgangsteilnehmer aus 21 Nationen das Programm "Militärische Ausbildungshilfe" absolviert. Ab 2008 gab es zudem 35 Lehrgänge "Überleben im Einsatz" und 21 Mal den "Lehrgang infanteristische Kompetenzerweiterung modifiziert" mit insgesamt rund 3200 Teilnehmern. Im Jahr 2008 besiegelten die Marktgemeinde Bad Bocklet und das Offizieranwärter-Bataillon die Patenschaft. Bis auf zwei Ausnahmen fanden seitdem die jährlichen öffentlichen Vereidigungen dort statt. Zudem unterstützte der Verband die Kommune bei der Sammlungen für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und entsendete Abordnungen zum Volkstrauertag.