Für Jonas Schmitt ist es noch nicht ganz vorbei: Am Freitag, 1. Juli, beginnen für den 19-Jährigen aus Thulba die schriftlichen Abitur-Prüfungen in Mathematik, Deutsch und Englisch. Alles andere hat er bereits in der Tasche, auch die mündlichen Tests. Bei den schriftlichen fehlte er, weil er sich am Tag der ersten Prüfung freiwillig einem Corona-Test unterzog. "Ich hatte leichte Erkältungssymptome", erzählt er, deshalb habe er sich nicht einfach in den Raum mit den ungetesteten Prüflingen setzen wollen. Für dieses Verantwortungsbewusstsein gab es besonderes Lob von Oberstufenkoordinator Werner Seitz. "Das ist ärgerlich, aber ich würde es wieder so machen", sagt Jonas Schmitt. Für die Prüfungen ist er optimistisch: "Ich denke, dass alles glatt laufen wird." Dann gibt es in einigen Wochen das Abitur-Zeugnis nachgereicht.

Corona zum Opfer gefallen ist auch das geplante Austauschjahr von Elisa Eich: Alles war geplant, die Gastfamilie in Argentinien erwartete die Fuchsstädterin bereits, für Ende März 2020 war der Flug gebucht. Zwei Wochen vorher kam der Lockdown. Also blieb Elisa Eich in Deutschland und stürzte sich in die Oberstufe. Ergebnis: 851 von 900 möglichen Punkten und damit den Traum-Notenschnitt von 1,0. "Ich wollte mir das einfach selbst beweisen", sagt die 19-Jährige zu ihrer Motivation. Außerdem braucht sie einen guten Schnitt für das geplante Medizinstudium. Damit startet sie allerdings erst 2023, denn jetzt holt sie erst einmal den Argentinienaufenthalt nach. Hilfreich ist ihr dabei der Spanisch-Unterricht bei Oberstufen-Koordinator Marco Maier. Als Reise-Taschengeld überreichte Rita Schaupp vom Verein der Freunde des Frobenius-Gymnasiums Elisa Eich für ihre herausragende Leistung 400 Euro. Jeweils 300 Euro gab es für Elias Schrapel, der mit 840 Punkten ebenfalls die Note 1,0 erreichte, und Chantal Sophie Genzler, die mit 819 Punkten nur vier Punkte an der 1,0 vorbei schrammte.

"Die vergangenen zwei Jahre hattet ihr euch bestimmt anders vorgestellt - wie wir alle", sagte 2. Bürgermeisterin Elisabeth Assmann und erinnerte an die verpasste gemeinsame Zeit in der Schule wegen Home-Schooling sowie abgesagte Schulfahrten und Feiern. Trotz Pandemie, Klimawandel und Krieg rief Assmann zum Optimismus auf - und warb für die Heimat: "Ich hoffe, dass möglichst viele von euch hier bleiben oder nach Studium oder Ausbildung zurück kommen."

Christian Schaub hielt Schülerrede

"Ein bisschen Schwund gibt's immer", erinnerte Abiturient Christian Schaub in seinem Rückblick an die vielen Mitschüler, die es nicht bis zum Abitur geschafft haben. Der zweite Jahrgang im Modellprojekt Mittelstufe plus sei stark ausgedünnt in die Oberstufe gestartet. Dafür seien Schüler anderer Jahrgänge nachgerückt. Auch wenn es eine Trennung zwischen den beiden Seiten des Oberstufenzimmers gab hätten es am Ende doch alle durchs Abitur geschafft, wenn auch einige nur "mit Ach und Krach". Allen Eltern dankte Schaub für "Liebe, Unterstützung und den ein oder anderen Arschtritt".

"Bei einer solchen Weltlage kann einem schon schummrig werden", ging auch Schulleiter Matthias Ludolph auf die aktuellen Krisen ein. Als bekennender Tolkien-Fan gab er den Schülern ein Zitat aus "Der Herr der Ringe" mit auf den Weg: "Wir müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist." Auch wenn die Rahmenbedingungen nicht mehr ganz so einfach seien, zitierte Ludolph Botschaften, die so schon seit Jahrzehnten in keiner Abschluss-Rede fehlten: "Ihr habt's geschafft! Die Welt steht euch offen! Macht was draus!"

Auch einige Zahlen gab es zum Jahrgang: Nur acht Schüler des Jahrgangs hatten die Regelklasse belegt, der Rest entschied sich für Mittelstufe plus, also das neunjährige Gymnasium. Ungewöhnlich sei, dass unter den besten elf keiner der G-8-Schüler sei, sagte Werner Seitz. Im vergangenen Jahr sei das noch anders gewesen. Seitz wertete die Verteilung als Hinweis dafür, dass ein Jahr mehr den Schülern offenbar gut tue. Der Gesamtschnitt der Jahrgangsstufe lag mit 2,19 in etwa auf dem vergangener Jahre, 21 Schüler hatten eine 1 vor dem Komma, acht eine 3, alle anderen eine 2. "Das Last-Minute-Lernen ist schön, um das Abi zu bestehen, aber für eine Spitzenleistung braucht es mehr Ehrgeiz", gab Seitz den Schülern mit auf den Weg.

Den von einer ehemaligen Lehrkraft gestifteten Sonderpreis für soziales Engagement erhielt Ex-Schülersprecherin Lilli Endres. Chantal Sophie Genzler bekam neben dem Geldpreis noch Auszeichnungen vom Altphilologenverband sowie für besondere Leistungen in Biologie und Wirtschaft. Marius Zeier legte die beste Mathe-Prüfung ab. Besonders gute Chemie-Noten hatten Jazlin DeVore, Niklas Preyer und Kevin Kies.