Von Tennis über Krocket und Golf bis zum Reiten, Motorsport und Fliegen: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat Bad Kissingen einen regelrechten Sport-Boom erlebt. Sportvereine gründeten sich, der Golfplatz an der Saale, die Tennisanlage an der Lindesmühlpromenade, der Tattersall als Reithalle und das Turniergebäude in der Au wurden gebaut. "Um 1912 hat Bad Kissingen massiv mit Sport geworben. Das war gerade die Mode", sagt Birgit Schmalz vom städtischen Unesco-Projektteam. Eine Anzeige aus diesem Jahr bewirbt bildgewaltig unter dem Titel "Hervorragende Gelegenheit für Sport aller Art" die verschiedenen modernen Sportstätten - die Heilquellen und gegen welche Leiden sie helfen werden dagegen nur in einem Textblock am Rand der Annonce erwähnt. Für die Vermarktung war der Sport wichtiger.

Besonders angesagt waren englische Sportarten wie Golf, Reiten und Tennis. "Den Anstoß für diese Entwicklung haben die englischen Kurgäste gegeben", erklärt die Historikerin. Bad Kissingen war bei englischen Gästen beliebt. Weil viele Engländer an der Saale kurten, verlegten deshalb sogar englische Badeärzte während der Saison ihre Praxis in die Stadt. Die englischen Gäste schätzten aber nicht nur ihre eigenen Ärzte vor Ort. "Die wollten ihre sportliche Infrastruktur haben", ergänzt Peter Weidisch, Kulturreferent und Unesco-Projektleiter. Wenn ein renommierter Kurort modern und wettbewerbsfähig bleiben wollte, musste er seinen Gästen deren gewohnte Sport- und Freizeitbeschäftigungen bieten.