Es bewegt sich was in Sachen Staatsbad Philharmonie - was genau, ist noch unklar. Am Montag saßen Stadträte, Staatsbad und OB Dirk Vogel an einem Tisch. Was da besprochen worden ist, soll die Öffentlichkeit offensichtlich nur in kleinen Teilen erfahren. Auf 13 Zeilen erklärte die Stadt das Ergebnis der Diskussion so: Konstruktive Atmosphäre, gegenseitiger Respekt, Zukunftkonzept. Auch Gespräche mit Stadträten erwecken den Anschein, dass die Atmosphäre eine gute gewesen sein soll. Nur: An dem Runden Tisch wurde auch gebrüllt.

Bad Kissingen: Keine Antworten auf Fragen

Rückfragen der Redaktion blieben unbeantwortet, es bleibe bei dieser Pressemitteilung vom Mittwoch, lässt der OB mitteilen. Ob der Streit nun vom Tisch ist und ob die Flötistin Hazar Birkan und ihr Kollege Federico Kurtz de Griñó wieder mit ihren Kollegen die Bühne teilen werden, ist nach wie vor ungewiss. Beides geht aus dem Text nicht hervor. Richard Fix von den Grünen dazu: "Das Thema wurde angesprochen" - mit welchem Ergebnis? Schweigen.

Die Gewerkschaft der Musiker, die Deutsche Orchestervereinigung (DOV), fordert einen Tarifvertrag der Gruppe D. Das heißt: Ein Grundgehalt, das bei etwa 3000 Euro startet und im Lauf der Jahre auf rund 4000 Euro brutto steigt. Dafür sind acht Stufen im zweijährlichen Turnus zu durchlaufen. Von der achten zur neunten Stufe handelt es sich um drei Jahre. Hinzu kommen noch Tätigkeitszulagen in Höhe von mehreren hundert Euro. Die gibt es beispielsweise für die Solisten. Eine Musikerin der höchsten Tarif-Stufe aus einem angesehenen bayerischen Orchester äußerte sich im Gespräch mit der Redaktion zu ihrem Gehalt - es liegt bei 6000 Euro brutto. Das Gehalt der Bad Kissinger Musiker liegt laut der DOV unter dem Einstiegsgrundgehalt. Ein Teil der Musiker hätte seit 2009 keine Anpassung erhalten (wir berichteten).

Auf Nachfragen der Redaktion zu den Kündigungen und dem Tarifvertrag reagierte Stadt-Pressesprecher Thomas Hack so: "Wir bleiben bei den Aussagen aus der Pressemitteilung, die auch für die nächste Zeit verbindlich sind." Sprich: Es gibt keine Informationen. Im städtischen Statement ist zu lesen, dass "besonderes Augenmerk auf der zukünftigen Gestaltung der Kurkonzerte liegt". Weiter heißt es: "Hierzu wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe Vorschläge ausarbeiten, wie die Kurkonzerte mitarbeiterfreundlich, gästeorientiert und innovativ ausgestaltet werden können."

CSU-Fraktionssprecher: Streit vom Tisch

Steffen Hörtler, Fraktionssprecher der CSU im Bad Kissinger Stadtrat, hat das Gespräch initiiert. "Es war gut, dass es das Gespräch gab." Konkret sei es darin auch darum gegangen, wie, wann und in welchem Rhythmus das Orchester künftig auftreten soll. "Aus meiner Sicht ist der Streit vom Tisch. Es war eine sehr offene, faire und respektvolle Aussprache." Er resümiert: "Wir haben einen Nenner gefunden. Den müssen wir aber noch genau ausarbeiten. Ich bin sehr zufrieden nach Hause gegangen." Bernd Czelustek, Sprecher der SPD-Fraktion: "Ich bin zuversichtlich, dass eine gemeinsame Lösung gefunden wird." Diese Zuversicht teilt auch Richard Fix von den Grünen. "Das Gespräch hat Gelegenheit geboten, die Positionen beider Seiten zu hören. Ich habe es unglaublich gut und erhellend gefunden." Er fügt an: "Man kennt jetzt die verschiedenen Positionen der Beteiligten. Nur so sind Gespräche möglich." Sein Wunsch für die Zukunft: "Ich hoffe, dass sich das Gespräch dahingehend auswirkt, dass wir eine gemeinsame Lösung finden." In der Pressemitteilung steht auch, dass bei dem Treffen offen und ehrlich über die vergangenen Wochen geredet worden ist. Richard Fix: "Konkrete Schritte sind noch nicht erfolgt. Das wird sich bei den Folgegesprächen ergeben."

Es sei gebrüllt worden

Die Euphorie können die Musikerinnen und Musiker nicht teilen. Am Mittwoch traten sie nach wie vor in Streikweste auf. Burghard Toelke, Dirigent: Beim Treffen sei es sehr "zünftig" zugegangen, sprich, es sei gebrüllt worden. Auf die Forderung der Musiker, die Kündigung zurück zu nehmen, habe es sehr emotionale Wortgefechte gegeben. Den Grund für die beiden Kündigungen habe er nach wie vor nicht erfahren.

Orchester entschuldigt sich

"Wir haben das Gespräch auch genutzt, um uns für den Unesco-Akt zu entschuldigen," sagte Burghard Toelke. Zur Erinnerung: Da spielte das Orchester zum Teil erstmals in Streikwesten - vor geladenen Gästen, einschließlich Staatssekretär Gerhard Eck. Toelke weiter zum Gespräch: "Es wurde nicht genau definiert, wie es weitergeht." Er bestätigt, dass gemeinsam darüber nachgedacht werden soll, was die Aufgaben des Orchesters sind. "Wir wollen im Gespräch bleiben. Das ist wichtig, weil die Positionen noch weit auseinander sind." Sein Fazit: "Ich bin optimistisch, dass es weitergeht, einen Diskurs gibt und die Staatsbad Philharmonie in einen neuen innovativen Kontext kommen soll, der auch die Mitglieder der Philharmonie einbindet." Geht es nach Burghard Toelke, muss dabei nicht nur Stadt und Staatsbad sondern auch der Förderverein beteiligt sein. Dieser erlebt laut Prof. Dr. Kurt Rieder, Vorsitzender, gerade eine Mitgliederschwemme. "Wir haben in den vergangenen Wochen mehr Neumitglieder bekommen als in den vergangenen Jahren zusammen."