Da blieb kein Auge trocken beim Dreiakter "Ich heirate nie", den die Theatergruppe des TSV Oerlenbach bereits zweimal vor vollem Haus präsentierte. Herzlich amüsieren konnten sich die begeisterten Besucher bei dem turbulenten Geschehen, das vor Witz und Esprit nur so sprühte und das die Akteure perfekt auf die Bühne zauberten.

Wer sich so richtig auslachen möchte, kann sich dieses Vergnügen am Freitag, 30. Dezember, um 19.30 Uhr im Pfarrsaal noch gönnen.

Rhythmischer, lang anhaltender Applaus belohnte alle Akteure, die ihre Rollen nicht hätten besser darstellen können. Es passte einfach alles unter der bewährten Regie von Andreas Schmitt, der 1981 zur Laiengruppe stieß und viel von der damaligen Crew unter Wilhelm Karch lernte, ehe er vor 17 Jahren die Leitung übernahm.


Die Spannung steigt

Bewährt hat sich das Konzept: Start an Allerheiligen mit Auswahl des Stückes und Verteilung der Rollen, dann Leseproben und schließlich Bühnentraining mit heißer Endphase in den Tagen vor Weihnachten. "Da steigt natürlich die Spannung von Tag zu Tag und erreicht ihren Höhepunkt, wenn der erste Vorhang fällt. Läuft die Premiere gut, dann geht es uns allen besser", bekennt der Regisseur. Und diese Erleichterung war bereits in den Pausen und am Ende der ersten Aufführung anzumerken. Denn rundum passte alles, von der Textbeherrschung bis zu den einzelnen Szenen.

Das Lustspiel ließ nichts zu wünschen übrig: Eine witzige Story mit Überraschungen am laufenden Band, treffende Pointen für das "starke und schwache Geschlecht" sowie Schauspieler, die den Kern dieses Begriffs meisterhaft auf den Brettern, die die Welt bedeuten, umsetzten.


Gäste von der Lebenshilfe

Bereits zum dritten Mal in Folge durften Gruppen aus den Unterkünften der Lebenshilfe in Bad Kissingen und Nüdlingen die Vorstellung - natürlich ohne Eintritt - genießen. Auch für diese 23 Gäste war es eine helle Freude, ausgiebig lachen und die Akteure beklatschen zu können. Eine tolle Geste des TSV für Menschen, die es nicht so einfach haben und diese Abwechslung mit strahlenden Augen annahmen.

In der Komödie von Erich Koch kümmert sich Sohn Peter (Jonas Kiesel) übertrieben fürsorglich um seine Eltern, um Mutter Gunda (Yvonne Kleinhenz) und Vater Alois (Thomas Saal), der sich mit Eigenurin und Nutella-Pampers kurieren muss. Beide - vor allem die Mama - täuschen ihre Pflegebedürftigkeit vor, um ihren Sohn auf keinen Fall an eine Frau zu verlieren.

Die Großeltern Berta (Anja Mützel) und Josef (Holger Sempert) nehmen dieses Getue nicht mehr länger hin. Josef verfasst für seinen Enkel in seliger Weinlaune eine perfekte Heiratsanzeige: "Toller Hecht mit prächtigen Schuppen sucht flotte Forelle in schillernder Pracht. Wenn du mit mir Maden züchten willst, komm vorbei. Der Hecht wartet mit offenem Maul." Und als Opa meint, bei ihm würden heute noch die Forellen Schlange stehen, kann Oma nur müde lächeln: "Höchstens alte Flundern."

Die Turbulenzen nehmen ihren Anfang. Die Annonce lockt die Reporterin Lena (Ina Möller), die mit der Geschichte, dass ein junger Mann selbstlos seine Eltern pflegt, die Leser fesseln möchte. Dazu gesellen sich Amadeo, köstlich als Flamingo "vom anderen Ufer" von Matthias Besler gespielt, der unaufhaltsame Wünschelrutengänger Otto (Ralf Bretscher), die zarte, neugierige Mimi (Marina Schachenmayer-Wiesend), die forsche Gymnastiklehrerin Rosa (Gabi Heinrich) und die resolute Dorfhexe Walburga (Nicole Büttner), die aus "Hexenblut und Kuhgestank" diverse Zaubergetränke mixt. Diese Säfte verfehlen bei den skurrilen Gestalten ihre Wirkung nicht. Die Geschehnisse scheinen völlig außer Kontrolle zu geraten, ehe sich die Wogen zu vollendetem Glück mit dem Resümee "Jetzt beginnt neues Leben" glätten.


Lokale Anspielungen

Herrliche Wortspiele und köstliche Lebensweisheiten, verrückte Gesten und aufregende Kostüme, lokale Anspielungen und gelungene Akzentuierungen in Mundart wie auch in Französisch oder Russisch - es passte einfach alles.

Langer rhythmischer Applaus belohnte die köstliche Vorstellung, bei der die Aktiven in ihren Rollen aufgingen und sich am Ende bei den Besuchern ebenfalls mit Beifall bedankten.

Für das Bühnenbild waren Thomas Mützel, Thomas Saal und Jonas Kiesel zuständig, für die maske Graziella Katzenberger und Sabine Werner. Als Souffleusen bewährten sich Daniela Koch, Sissi Schmitt und Barbara Werner.