Im Abholregal steht das letzte graue Buch mit dem roten geschwungenen Kreuz auf dem Einband. Das neue "Gotteslob" der katholischen Kirche ist gefragt. In der Buchhandlung Schöningh in der Bad Kissinger Fußgängerzone ist es seit Wochen ausverkauft. "Ein paar Tage vor Weihnachten war alles weg", sagt Filialleiterin Ute Schneider.

Die erste Auflage für das Würzburger Bistum ging mit 150 000 Stück in den Druck.
In der Diözese ist es ausgeliefert, die Kirchen sind bestückt, sagt Bernhard Schweßinger, Pressesprecher der Diözese Würzburg. Doch die Buchläden kommen mit der Stückzahl nicht aus. Ute Schneider muss ihre Kunden vertrösten.

Warten auf die Lieferung

"Auf so einen Ansturm war der Verlag nicht vorbereitet", erklärt sie. "Es wurde zu wenig gedruckt. Wir hätten noch viel mehr verkaufen können." Immer wieder habe sie nachgeordert: "Wir haben alles bestellt, was wir kriegen konnten. Jetzt haben wir die Schutzhüllen und keine Bücher, vorher hatten wir die Bücher und keine Hüllen." Um alle Kunden zu bedienen, hat es nicht gereicht. "Es fragen viele Leute danach. So einen Andrang haben wir zuletzt beim dritten Band von Harry Potter erlebt." Mit der Lieferung der neuen Ausgaben rechnet sie nicht vor Mitte März. "Ich bin gespannt wie sie es einhalten können."

Thomas Häußner, Geschäftsführer des Würzburger Echter Verlags, beschwichtigt: "Geplant ist, dass Anfang März die Neuauflage greifbar sein wird, falls es nicht zu Verzögerungen in der Druckerei kommt." Die Firma Beck im schwäbischen Nördlingen übernimmt den Druck für den gesamten deutschsprachigen Raum. Wie weit die Druckerei mit der Nachbestellung ist, wollte Projektmanager Alfred Wirth nicht preisgeben. Weitere 15 000 Stück sollen produziert werden, sagt Bernhard Schweßinger. Er verbucht die hohe Nachfrage als Erfolg: "Der Verkauf ist besser gelaufen, als wir erwartet haben. Dass es so schnell ausverkauft war, ist eine positive Überraschung für uns."

Vor Weihnachten ausverkauft

Eva Lischner von der Bad Kissinger Buchhandlung Reinisch rechnet erst wieder ab Anfang März mit weiteren Büchern. Auch dort fehlt von den fünf verschiedenen Ausgaben des Gotteslobs jede Spur. Kein einziges Exemplar ist dort noch vorrätig. "Zehn bis zwölf Tage vor Weihnachten waren alle ausverkauft", sagt sie. Seitdem wurde die Buchhandlung nicht mehr beliefert. Die Kundschaft aber wäre da: "Die Nachfrage ist riesengroß. Es wird ständig danach gefragt." So ein Andrang sei "eher die Ausnahme".

Viele hatten sich vorgenommen, das Gesang- und Gebetbuch als Weihnachtsgeschenk zu verwenden, erzählt sie. "Eigentlich müsste ein Buch, das angekündigt ist, auch ausreichend lieferbar sein", sagt Eva Lischner.
Am ersten Advent wurde das Gesang- und Gebetbuch in den Kirchen eingeführt. In der Stadtpfarrkirche in Bad Kissingen liegen 200 Stück bereit, die sich die Kirchgänger für den Gottesdienst ausleihen können. "In der Hoffnung, dass das Buch gut angenommen wird und sich die Leute auch selber eines kaufen", sagt Diakon Christoph Glaser.

Wer schon ein Exemplar erwischt hat oder sich noch eines zulegen will, muss sich auf einige Neuerungen einstellen. Diakon Christoph Glaser erklärt, was sich geändert hat. Lesen Sie weiter auf Seite 5.