So hatte sich das der Bad Kissinger Dekan Thomas Keßler nicht vorgestellt. Erst 2012 hat er sich ein neues Nummernschild ausgesucht und schon stimmt es nicht mehr. Zwei Blechschilder mit den eingepressten Zeichen "KG-TK-249" sind an seinem Auto montiert. Die Nummer nach den Initialen steht für eines seiner Lieblingslieder im "Gotteslob": "Der Geist des Herrn erfüllt das All". Wer im neuen Gotteslob der katholischen Kirche die Nummer 249 aufschlägt, findet dieses Lied an
dieser Stelle nicht mehr. Stattdessen ist dort das Weihnachtslied "Stille Nach, heilige Nacht" abgedruckt. Thomas Keßler sieht es gelassen: "Das ist ja auch ein schönes Lied."
Mit der Neuauflage hat sich einiges geändert. Die Lieder wurden neu gemischt und nummeriert, Stücke kamen hinzu, andere wurden gestrichen. Der "Schlager der geistlichen Lieder", "Großer Gott, wir loben dich", wechselte von der Nummer 257 auf 380. Suchen die Leute das Lied unter der alten Nummer, stoßen sie auf ein Jahresschlusslied. Diakon Christoph Glaser sieht darin kein Problem und freut sich darauf, die neuen Lieder einzustudieren: "Jetzt geht es ans Ausprobieren, mit der Zeit gehen auch die neuen Lieder ins Ohr."

Gebete für zu Hause

Außerdem sind in dem neuen Gotteslob Gebete, Sakramente und der Gottesdienst detaillierter erklärt. "Und zwar so, dass man nicht Theologie studiert haben muss, um es zu verstehen." Insgesamt sind mehr Gebete auf den 1248 Seiten abgedruckt. Schließlich haben sich auch die entwickelt, meint Christoph Glaser. Die neue Sortierung gibt ihm mehr Spielraum, weil weniger festgelegt ist: "Die Andacht kann eigenverantwortlicher gestaltet werden." Zusätzlich gibt es viele Kapitel für Gebete zu Hause in den Familien, worin er eine gute Ergänzung sieht.
Eingeführt wurde das neue Gotteslob zum ersten Advent. In der Stadtpfarrkirche gab es davor einen "kleinen Abschiedsgottesdienst" für das alte Gesangbuch, erzählt Thomas Keßler. Mit Erinnerungen an das Vorgänger-Gesangbuch "Ave Maria" und mit einem Ausblick auf die Inhalte des neuen Gotteslobs. Der Pfarrer muss sich selbst erst noch an die aktuelle Ausgabe gewöhnen, die erst seit ein paar Wochen Teil des Gottesdienstes ist. Das geht vielen Menschen so, sagt Christoph Glaser. "Aber wenn man sich erst einmal damit auseinander gesetzt hat, kommt man gut damit zurecht. Es kann keiner sagen, dass er nichts mehr findet."

Zeit für die Umstellung

Anders als in der Kirche, verwendet der Diakon für Gebete im Seniorenheim immer noch das alte Gotteslob. "Das sind die Leute einfach gewohnt." Wenn er überhaupt umstellt, will er den Menschen dafür viel Zeit lassen.
Christoph Glaser findet es spannend, in dem neuen Gotteslob zu blättern. Das Innere des Buches ist neuerdings in zwei Farben gestaltet. Der Stammteil ist in jeder Diözese gleich. Einige Texten und Verse unterscheiden sich in der jeweiligen Ausgabe. Exemplare gibt es für knapp 20 bis 34 Euro.

"Die Leute sollen keine Angst vor dem neuen Buch haben, sondern es gebrauchen", sagt Christoph Glaser. Dass das "Gotteslob" eine neue Auflage bekommen hat, hält er für gerechtfertigt: "Nach 40 Jahren darf es ruhig mal ein neues Buch geben." Das alte Gesangbuch kann man ja für den Hausgebrauch aufbewahren oder mit dem Papiermüll entsorgen.