In den nächsten Tagen geht es los. Nach jahrelangen Diskussionen und Planungen startet ab Anfang Oktober der Umbau der Garitzer Kreuzung zum Kreisverkehr. Michael Fuchs, der Leiter des Staatlichen Bauamts Schweinfurt, stellte am Mittwochabend im Kissinger Bauausschuss vor, was den täglich 18 000 Autofahrer an dem wichtigen Knotenpunkt im Oktober und vor allem im kommenden Jahr droht.

Kurz zusammengefasst: Ab Montag, 4. Oktober wird der Westring für die erste Bauphase zwischen der Kreuzung Heiligenfelder Allee und dem Ortsausgang Garitz halbseitig gesperrt. Das heißt, die B 286 bleibt zwar befahrbar, in Ost-West-Richtung von der Schönborn- in die Garitzer Straße wird die Kreuzung jedoch komplett gesperrt. Die Sperrung soll bis voraussichtlich 10. Oktober dauern. Diese eine Woche gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was ab März geballt auf die Stadt zukommt. Denn dann sind sowohl der Westring als auch die Garitzer Kreuzung den Rest des Jahres komplett dicht.

Hauptarbeiten finden 2022 statt

Jetzt im Oktober handelt es sich um Vorarbeiten, bei denen wichtige Versorgungsleitungen verlegt werden. Weil eine Winterbaustelle vermieden werden soll, geht es mit den Hauptarbeiten erst im März weiter: Bis Ende November 2022 sollen aber der Kreisverkehr fertig, der Westring saniert und der straßenbegleitende Radweg gebaut sein - eine Großbaustelle. Damit das in der kurzen Zeit klappt, ist die Vollsperrung notwendig, betont Fuchs.

Wie der Verkehr während der Bauzeit umgeleitet wird, haben sich die Planer sehr genau angeschaut. "Wir haben uns externe Unterstützung reingeholt, was die Verkehrsführung angeht", berichtete Fuchs dem Gremium. Ein Planungsbüro hat das zu erwartende Verkehrsaufkommen auf den Umleitungsstrecken berechnet und anhand dessen geprüft, ob die Strecken den Verkehr bewältigen können. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir die Baumaßnahme im nächsten Jahr verträglich durchführen können. Die Umleitungsstrecken können den Verkehr aufnehmen", betont der Leiter des Staatlichen Bauamts.

Die Umleitung durch Garitz

Es sind zwei Umleitungsstrecken geplant, eine kleinräumige über den Altort Garitz sowie eine großräumige über den Klaushof (siehe Grafiken). Die Umleitung über Garitz steht schon für die Sperrung im Oktober zur Verfügung und wird ab der kommenden Woche eingerichtet. Dafür sind noch kleinere Bauarbeiten nötig: Um die Seestraße an der Berufsschule zu entlasten, schafft das Bauamt einen Durchstich von der Heiligenfelder Allee zur Neulandstraße. Für den Durchstich wird ein Fußweg vorübergehend so verbreitert, dass Autos auf ihm fahren können. Die Seestraße und der Durchstich werden während der Sperrung nur als Einbahnstraßen befahrbar sein.

Die Umleitung über Garitz läuft also über das Karree Heiligenfelder Allee/Riedgraben, Neulandstraße, Garitzer-/Baptist-Hoffmann-Straße sowie Seestraße und von dort über die Seehofstraße weiter Richtung Westring. Wer von der Innenstadt in Richtung Garitz möchte, dem bleibt der Weg über den Staffels und die Kreuzung Westring, Lessing- und Raiffeisenstraße. Diese Kreuzung "soll auch während der Hauptarbeiten so lange es geht offen bleiben", betont Fuchs.

Die Umleitung über den Klaushof

Für die Hauptarbeiten ab März kommt zu der Umleitung über Garitz noch die große Umfahrung über den Klaushof dazu. "Die Umleitung wird dann großräumig und großflächig ausgeschildert", versprach Fuchs. Sie ist vor allem für den überörtlichen Verkehr gedacht. Autos, die auf der B 286 aus Richtung Bad Brückenau kommen oder vom Autobahnzubringer aus Richtung Oberthulba, sollen während der Vollsperrung ab dem Frühjahr über den Klaushof zur Nordbrücke und den Nordring und von dort in die Stadt oder um die Stadt herum gelangen.

Staus an neuralgischen Punkten

Jürgen Reuter (T+T Verkehrsmanagement GmbH) hat die Verkehrsbelastung auf den Umleitungsstrecken analysiert. Grundsätzlich seien die Straßen in Garitz dem Verkehr gewachsen, teilweise brauche es dafür jedoch Parkverbote und Einbahnstraßenregelungen. Die Vollsperrung in Garitz ab März wird sich insbesondere auf dem Nord- und dem Ostring, aber auch an der Südbrücke auswirken. Für Stau besonders anfällig sind dabei die Ampelkreuzungen. Als einen besonders neuralgischen Punkt hat der Experte die Münnerstädter Kreuzung identifiziert. "Die Kreuzung wird mit 7000 Fahrzeugen am Tag zusätzlich belastet", erklärte er. Im Normalfall rollen hier am Tag 25 000 durch, während der Baustelle werden es dann 32 000 sein. Bereits jetzt stoße die Ampel dort an ihre Kapazitätsgrenzen.

Auswirkungen auf ganzen Stadtring

Damit es an den Ampeln während der Stoßzeiten morgens und abends nicht zu längeren Staus kommt, werde die Ampelschaltung angepasst. Die Planer gehen davon aus, dass sich damit das Ärgste abfedern lässt. "Wir werden keine wesentlichen Verschlechterungen haben", sagte Michael Fuchs vom Staatlichen Bauamt. Dennoch müssten die Autofahrer sich auf Behinderungen einstellen. "In Spitzenzeiten können Staus auf dem Ring zwischen Wendelinus und Erhardstraße auftreten", betonte er.

Fuchs informierte die Stadträte außerdem darüber, dass die Kreuzungen am Westring (Raiffeisen- und Lessingstraße sowie Seehof- und Hangstraße) bei der Sanierung nicht wesentlich verändert werden. An beiden Kreuzungen sind Verkehrsinseln als Querungshilfen für Füßgänger vorgesehen, an der Kreuzung Raiffeisen- und Lessingstraße sind zudem Linksabbiegespuren geplant.

Die Fraktionen im Bauausschuss begrüßten es, dass die lange fälligen Arbeiten beginnen. Wolfgang Lutz (CSU) und Andreas Kaiser (Freie Wähler) gaben zu bedenken, dass insbesondere die Seehofstraße dem Verkehr nicht gewachsen sei. "Ich bin der Meinung, dass die Umleitung durch Garitz problematisch ist", meinte Kaiser. Wolfgang Speyer (SPD) befürchtete, dass das Wohngebiet am Sinnberg als Abkürzung benutzt wird, wenn es zu Staus an der Münnerstädter Kreuzung kommt. Michael Fuchs beruhigte, dass das Bauamt die Verkehrssituation im Stadtgebiet genau beobachtet.

Bismarckstraße bleibt vorerst zu

"Wir können schnell handeln, wenn sich da etwas einstellt, was sich nicht einstellen sollte", versprach Fuchs. Bei der Seehofstraße werden mit Umleitung täglich 3500 Autos erwartet. "Damit bewegen wir uns nicht am letzten Tropfen aufnehmbarer Verkehr", erläuterte er.

Sowohl Lutz, als auch Richard Fix (Grüne) und Florian Keßler (DBK) regten an, die Schranke am Campingplatz zu öffnen, und die Bismarckstraße für den Verkehr freizugeben. Sie erhofften sich so eine Entlastung für die Innenstadt. Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) entgegnete, dass dies aus Rücksicht auf das Kurgebiet vorerst nicht geplant sei. "Aber was nicht ist, kann ja noch werden", zeigte er sich dennoch offen.

Die Umleitungsstrecken könnten nur funktionieren, wenn es eine Akzeptanz dafür in der Bevölkerung gebe. Vogel kündigte deshalb an, dass die Stadt bis zum Frühjahr noch Infoveranstaltungen sowie eine Bürgerversammlung zu dem Bauvorhaben anbieten will. Das Staatliche Bauamt will zudem auf einer eigens eingerichteten Homepage aktuell zum Baufortschritt informieren.

Was wird wann gebaut?

Durchstich Ab kommenden Montag, 27. September, bereitet das Staatliche Bauamt die Umleitungsstrecke in Garitz vor. Dazu wird der Durchstich hinter der OMV-Tankstelle zur Neulandstraße geschaffen.

Leitungsverlegung Im Bereich der Garitzer Kreuzung liegen viele wichtige Versorgungsleitungen im Boden. Diese werden vom 4. bis 10. Oktober verlegt, damit das Baufeld für den Kreisel frei wird.

Kreisel und Westring Von Frühjahr bis Winter 2022 wird die Kreuzung zum Kreisverkehr umgebaut und die Fahrbahn des Westrings erneuert. Die Mahrbachbrücke wird erneuert, es sind neue Stützmauern nötig, es ist eine neues Regenrückhaltebecken geplant, außerdem wird der Radweg in Richtung Albertshausen straßenbegleitend ergänzt. Die Arbeiten laufen parallel.