Der Mann war als Kontrolleur nicht erkennbar. "Er fragte nach einer Wäscherei Müller", erinnert sich Michael Hocke, der Vorsitzende des SV Albertshausen. Am Samstagnachmittag sucht ein Mann in einem kleinen Dorf nach einer Wäscherei!? Keinem kam das irgendwie verdächtig vor, alle waren viel zu beschäftigt, die Fußballübertragung auf dem Fernsehsender "Sky" zu verfolgen.
Der Mann verließ nach zwei Minuten das Sportheim und nach vier Minuten war er vergessen.

Unvergesslich bleibt Michael Hocke aber das, was danach kam. Es war das Schreiben eines Rechtsanwaltbüros, das im Auftrag des Fernsehsenders "Sky" dem Verein offenbarte, dass im Sportheim in Albertshausen das "Sky"-Programm illegalerweise ausgestrahlt wurde. Dafür verlangte der Sender 3000 Euro plus 900 Euro Anwaltskosten, so Hocke, zahlbar in zwei Raten.

Vergleich mit "Sky" geschlossen

Rein rechtlich gesehen, hat "Sky" natürlich recht. Der Empfang des Bezahl-Fernseh-Programmes ist den Abonnenten vorenthalten. Widerrechtliches "Cardsharing" - ein privater Sky-Kunde bringt seine Zugangs-Karte mit und bietet weiteren Nutzern den Zugang - ist verboten. Doch die Praxis ist gang und gäbe ... und kann teuer werden, wie im Falle Albertshausen. Dort hat Michael Hocke erstmal selbst einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Später kam es zu einem Vergleich mit Sky: Der SV Albertshausen bezahlt eine Strafe von 1700 Euro, zahlbar in zwei Raten. "Die erste Rate wurde am 26. April überwiesen, die zweite folgt im Mai", stellte Hocke etwas zerknirscht fest. "Das Geld hätten wir für andere Dinge besser gebrauchen können".

Kontrolleur in Sulzthal

Ein Sky-Abo kommt dem Vereinsvorsitzenden in Albertshausen nicht ins Vereinsheim. Zu teuer. "Das war ein Fehler", räumt Michael Hocke ein. "Dass es so teuer wird, haben wir nicht erwartet." Aber da geht es ihm nicht allein so. Auch beim VfR Sulzthal stand im vergangenen Jahr ein Sky-Kontrolleur im Sportheim. Ähnliche Szenerie: Samstagnachmittag, Bundesliga, Cardsharing, Fußball live am Nachmittag. Schön war's. Dann kam die Rechnung. "Sky hat 1200 Euro gefordert", so Schriftführer Peter Fenn. Man hat sich mit den Rechtsanwälten auseinander gesetzt und schließlich erreicht, dass die Geldbuße auf 700 Euro reduziert wurde.

Voraussetzung war, dass der Verein ein Sky-Abo abgeschlossen hat. "Das kostet für das Sportheim 189 Euro im Monat", sagte Peter Fenn. Dieser Preis ist im Übrigen nicht fix, wie Sky-Sprecherin Britta Krämer bestätigte. "Beim Vereins-Abo", ja, so was gibt es, "hängt der Preis von der Größe des Sportheimes ab." Es muss sich auf jeden Fall um ein offizielles Vereinsheim handeln, erklärte sie weiter, bei normalen gastronomischen Einrichtungen gelten andere Preise. Dann geht es nach der Quadratmeterzahl, die zum Schlüssel für die Kosten des Vereinsheim-Abos werden: "Das ist günstiger als das Gastro-Abo, geht ab 119 Euro monatlich los".

Kontrollen führe "Sky" im Übrigen flächendeckend durch, das sei man auch den Gastwirten schuldig, die reguläre Abos für ihre Betriebe bezahlen. Wird ein Verein erwischt, der widerrechtlich den Privatsender in seinem Sportheim ausstrahlt, strebe man eine gütliche Einigung an. Das heißt: Wenn dem Strafbefehl ein Abo folgt, wird die Geldbuße reduziert, nicht auf Null, "sonst würden alle Vereine kostenlos Sky anbieten und wenn sie erwischt werden, einfach ein Abo nehmen", stellte Britta Krämer fest.

Mit Abo die Strafe reduziert

Das mit dem Abo hat man auch beim TSV Arnshausen so geregelt, wie Vorsitzender Michael Graf auf Anfrage bestätigte. Nach einem Kontrollbesuch habe es eine Strafe für den Verein gegeben, über deren Höhe der Vorsitzende allerdings keine Auskünfte geben wollte. Anschließend habe man ein Sky-Abo genommen und die Sache sei vom Tisch, so Graf.

Mancherorts noch Grauzone

In anderen Vereinen herrscht noch eine Grauzone beim Übertragen von Sky-Fußballübertragungen im Sportheim. Man hat nach rechtlichen Hintertürchen gesucht ("Geschlossene Gesellschaft", etc.), aber man ist gewarnt. "Im Nachhinein ist man schlauer", resümiert Peter Fenn in Sulzthal seine Sky-Erfahrungen. "Wir waren blauäugig und gutgläubig", sagt er.
Heute Abend wird das Rückspiel in der Champions League zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund live wieder nur auf "Sky" zu sehen sein. "Schauen Sie doch bei uns im Sportheim vorbei", hat mir Peter Fenn gesagt, "bei uns können Sie das sehen". Diesmal übrigens legal.