Die vergangenen Tage waren schwer, sehr schwer. Tränen flossen, Geschenke wurden gebracht, liebe Worte gesprochen. Zudem galt es Regale und Schränke auszuräumen, Bilder abzunehmen und Brauchbares zu verpacken. Denn für Theresia Gulich und ihre Schwester Juliana Faber-Wehner hieß es Abschied nehmen, Abschied vom geliebten Salon in der Forstmeisterstraße 1.
Und damit auch von vielen Kunden, den rosafarbenen und hellblauen Waschbecken und den zahlreichen Erinnerungen.

Seit 1981 war der kleine Betrieb in der Forstmeisterstraße das Zuhause der beiden Friseurmeisterinnen. Hier wurden ihre Kinder großgezogen, zahlreiche politische Themen diskutiert, Wasserwellen gelegt, Haare onduliert und toupiert, Hochzeiten und Taufen vorbereitet und vieles andere mehr. "Es war eine schöne Zeit, wir haben unseren Salon, die Arbeit und die Kunden geliebt", sagt Theresia Gulich. Aber nun sei es an der Zeit, den Laden zu schließen. Die 66-Jährige hat das Rentenalter erreicht und möchte wie ihre fünf Jahre jüngere Schwester künftig etwas kürzertreten. "Außerdem fehlt etwas, seit der Papa nicht mehr da ist. Eine Ära ist zu Ende", fügt Juliana Faber-Wehner hinzu, ihre Augen füllen sich mit Tränen. Schließlich ist der Vater der beiden Frauen, der Zahlbacher Otmar Wehner, erst vor wenigen Monaten gestorben.


Im Jahr 1959 gegründet

Der Friseurmeister hatte das Familienunternehmen 1959 gegründet, übernahm damals einen kleinen Salon in der Unteren Marktstraße, dort, wo sich heute ein Sonnenstudio befindet. Später zog er mit seinem Friseurgeschäft in die alte Schule am Marktplatz um. "Wann genau das war, weiß ich nicht mehr", sagt Theresia Gulich. Sie selbst begann ab 1967 in dem väterlichen Betrieb mitzuarbeiten, nachdem sie ihre Ausbildung zur Friseurin im Bad Kissinger Salon Müller in der Spargasse abgeschlossen hatte. "Das war ein reiner Damensalon. Die Herrenhaarschnitte hat mir dann unser Papa beigebracht, so richtig, mit Messer, Kamm und Schere", erinnert sie sich. Heute würden viele das nur noch mit Maschinen und dazugehörigen Aufsätzen machen. Auch ihre Schwester entschied sich nach der Schulzeit, Friseurin zu werden. Sie lernte ebenfalls in Bad Kissingen, beim Friseur Reisig, dem späteren Salon Thoma in der Ludwigstraße, und arbeitet seit 1973 im Familienbetrieb.


Den Schritt nie bereut

Diesen Schritt zurück nach Burkardroth zum Vater haben die beiden Frauen nie bereut. "Er hat ja auf uns gewartet, und wir wollten gar nichts anderes machen. Bis heute haben wir nichts vermisst", sagen sie. Seine beiden "Mädlich", wie er sie oft nannte, haben sich bei ihm und in seinem Salon einfach wohl gefühlt. Zudem sei der Papa ein lustiger Mensch gewesen, der sich auch für Politik interessierte. "Er war ein ,Kohlschwarzer‘ durch und durch. Wenn jemand von den ,Roten‘ in den Salon kam, dann wurde politisiert", erzählt Theresia Gulich. Manchmal hätten bis zu sechs, sieben Mann diskutiert. Dabei sei es hin und wieder so laut geworden, dass sie auf ihrer Damenseite des Salons um mehr Ruhe bitten mussten.

1981 wechselte der Salon Wehner noch einmal seinen Sitz, da die alte Schule am Marktplatz abgerissen und der Platz für das neue Rathaus gebraucht wurde. Der Friseurmeister mietete die Räume neben der Metzgerei Grom und baute sie zum Salon um. Links gab es die Plätze für die Herren - mit hellblauen Waschbecken. Auf der rechten Seite entstand der Damenbereich - mit rosafarbenen Waschbecken. Dabei handelt es sich um mittlerweile seltene Exemplare, in denen die Haare noch kopfüber gewaschen wurden. "Die hatten wir schon am Marktplatz", erinnert sich Juliana Faber-Wehner. Die Becken haben über die Jahre gut gehalten, weisen keinerlei Beschädigungen auf. "Das war noch Qualität", so Theresia Gulich.


Anfänge mit Farbtabletten

Nicht nur diese wussten die Stammkunden im Salon der Familie Wehner zu schätzen, sondern auch die familiäre Atmosphäre. "Unsere Kunden kamen aus dem ganzen Markt Burkardroth und der Region", erzählt sie. Sogar etliche Urlauber aus Waldfenster waren darunter. "Und die Amerikaner aus Wildflecken", fügt Juliana Faber-Wehner hinzu. Missgeschicke sind den beiden Friseurmeisterinnen in all den Jahren kaum passiert, obwohl es anfangs keine fertig angerührten Farbpasten gab, sondern Farbtabletten, die zerstoßen und angerührt werden mussten. "Nur einmal ist bei mir eine Blondierung grün geworden", erinnert sich Theresia Gulich und muss herzhaft lachen. Doch das konnte sie mit einer Spülung wieder in Ordnung bringen. Sie und ihre Schwester haben regelmäßig Fortbildungen besucht. "Manche wurden auch hier im Salon mit Models abgehalten." Trotz all der Neuheiten war bei Wehners besonders das alte Handwerk gefragt. "Wir haben sogar Kundinnen, die noch heute die Hochsteckfrisuren tragen, wie sie in den 1960er-Jahren modern waren", erzählt Theresia Gulich.


Tageweise in Bad Kissingen

So ganz ziehen sich die beiden Friseurmeisterinnen nicht zurück, sondern wollen künftig noch tageweise arbeiten. "Aber ohne die ganze Verantwortung", sagt Theresia Gulich, ab Mitte April im Salon von Sohn Nico in Bad Kissingen. Der 38-Jährige ist auch Friseur geworden, führt als Meister die Familientradition in dritter Generation fort.