Die Geschenke der Partnerarmeen hängen noch in den Fluren des Stabs-Gebäudes auf dem Lagerberg. Goulven Nimser deutet auf sie: Die Verbindungsleute sind längst alle weg. Der Franzose ist der letzte Verbindungsoffizier einer Truppengattungsschule. Nimser bezeichnet sich daher selbst als "letzter Mohikaner".
"Verbindungen entstehen nur durch den Kontakt zwischen Menschen", sagt der 51-jährige Soldat. Dafür legt er pro Jahr etwa 45 000 Kilometer auf Dienstreisen zurück. Denn Nimser ist nicht nur für Hammelburg zuständig.

Ein neuer Mann kommt

Regelmäßig jeweils eine Woche im Monat ist er auch in der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt, in der Gebirgs- und Winterkampfschule Mittenwald und im Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf. Außerdem betreut Nimser französische Offiziere, die an der Universität der Bundeswehr in München studieren. In Hammelburg koordiniert und organisiert er deutsch-französiche Übungen und Ausbildungen.
Im Sommer endet für den Oberstleutnant (Lieutenant-colonel) der Fremdenlegion die dreijährige Dienstzeit in Deutschland. Der Infanterieoffizier wird auf einen neuen Posten versetzt, ein anderer französicher Oberstleutnant wird sich der Herausforderung stellen müssen, täglich in einer fremden Sprache zu arbeiten.
Nun, nach knapp drei Jahren, kann Nimser von seinen gewonnenen Erfahrungen berichten. Die Strukturen der deutschen und der französischen Armee seien anders, erklärt er. Seine Arbeit bestehe darin, einen Weg zwischen zwei verschiedenen Punkten zu finden und sie in Einklang miteinander zu bringen. Militärische Kenntnisse allein reichen dabei nicht aus: "Ich habe die deutsche Gesellschaft kennenlernen müssen, um die deutsche Armee zu verstehen." Im Gespräch kommt er immer wieder auf diese Aussage zurück. Ein kleines Beispiel aus der Praxis: "Wir wissen genau, wann wir versetzt werden." In Frankreich passiere das einmal im Jahr immer in den Sommerferien zwischen Juli und August.

Pragmatische Einstellung

"Die französischen Streitkräfte haben eine besonders starke Verankerung in ihrer Tradition", heißt es aus dem deutschen Heeresverbindungsstab in Draguignan. Darüber definierten sie sich. "Trotz dieser Ausrichtung besitzen sie aber auch eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich schnell an neue Herausforderungen anzupassen und ihre Fähigkeiten neu auszurichten." Als herausstechend wird dabei das besonders pragmatische Vorgehen bezeichnet, wenn es darum geht, bestimmte Dinge unter Zeitdruck umzusetzen.
Zum Heeresverbindungsstab in Draguignan gehören ein Infanterie- und ein Artilleriestabsoffizier sowie ein Infanteriefeldwebel. Oberstleutnant Harald Neumann ist als deutscher Verbindungsoffizier dabei das Pendant zu Nimser. Beide haben, wie Nimser berichtet, fast täglich Kontakt zueinander.
Unter dem Dach der "Militärschulen von Draguignan" befinden sich eine Infanterie- und eine Artillerieschule. "Zwischen den deutschen und französischen Truppenschulen besteht ein reger Informationsaustausch. Dieser manifestiert sich auch darin, dass einzelne Ausbildungsmodule gemeinsam durchgeführt werden", sagt Neumann. Bei der Infanterie gehören dazu die Ortskampfausbildung der Zugführeroffiziere und eine Stabsübung der Kompaniechef-Lehrgänge. Diese finden im jährlichen Wechsel einmal in Hammelburg und einmal in Draguignan statt. Die Verbindungsoffiziere beraten dabei die Schulkommandeure und die Leiter der Ausbildung und der Weiterentwicklung.

Zusammenarbeit wird verstärkt

Eine noch stärkere Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der französischen Armee ist geplant. Zumindest berichtet Nimser, ohne auf Details einzugehen, dass darüber anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrags im Janaur diskutiert wurde. Der Franzose ist überzeugt: "Wir müssen zusammenarbeiten."