Ellaha Shazad (Name geändert, Anm. d. Red.) wartet weiter auf ihre Kinder. Die 28-jährige Afghanin ist seit einem halben Jahr in einer Unterkunft im Landkreis untergebracht, getrennt von ihrer neunjährigen Tochter und ihrem siebenjährigem Sohn. Sie hofft verzweifelt, die Kinder nach Deutschland holen zu können, die Aussicht auf eine Familienzusammenführung ist allerdings ungewiss. Darunter leidet die alleinerziehende Mutter. Ihr psychischer Zustand ist nach wie vor labil, sie nimmt Medikamente. Trotzdem bekommt sie immer wieder Weinkrämpfe, randaliert in der Unterkunft oder rennt weg, manchmal bis zur Erschöpfung. "Sie ist stark angeschlagen", schildern Frauen aus dem zuständigen Helferkreis die Situation.


Sorgerecht geklärt

Shazad wurde auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann von ihren Kindern und ihrem Bruder getrennt. Während sie von Schleppern nach Griechenland übergesetzt wurde, wurde ihre Familie von den türkischen Behörden abgefangen. Bruder und Kinder befinden sich bis heute in der Türkei. Shazad floh unterdessen nach Deutschland weiter, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. "Die Kinder leiden schrecklich unter der Trennung", schreibt Shazad in ihrem Antrag auf Nachzug an das deutsche Generalkonsulat in Istanbul. "Vor ein paar Wochen hat mein Exmann, der Vater der Kinder, diese in der Türkei aufgespürt. Als er sie im Beisein der Polizei mitnehmen wollte, weigerten sie sich und müssen entsetzlich geschrien haben." In der Folge hätten die türkischen Behörden ihr das alleinige Sorgerecht zugesprochen.


Kinder dürfen nicht zur Schule

"Die Situation in der Türkei ist ziemlich prekär", berichtet Jutta Ort, Flüchtlingsberaterin bei der Caritas. Shazads Bruder lebe mit den Kindern unter ärmlichsten Verhältnissen, sogar die Versorgung mit Nahrungsmitteln bereite Schwierigkeiten. Trotz Schulpflicht lasse er sie nicht zum Unterricht gehen, aus Angst, Shazads Exmann würde den Kindern unterwegs auflauern und sie gewaltsam außer Landes bringen.

Die Chancen auf ein Wiedersehen in Deutschland sind zwar immer noch nicht gut, aber besser als noch vor einigen Wochen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte im Dezember über Shazads Asylantrag entschieden: Die Afghanin wurde zwar nicht als Flüchtling anerkannt, die Behörde stellte aber ein Abschiebungsverbot fest und erteilte ihr eine Aufenthaltserlaubnis. Laut Ort kommt damit für Shazad ein regulärer Familiennachzug nicht in Betracht. Es könnte aber eine Härtefallregelung greifen: Sollte das Kindeswohl akut gefährdet sein, dürften sie in die Bundesrepublik einreisen. "Das muss das Auswärtige Amt entscheiden", sagt die Flüchtlingsberaterin.
 


Druck von der Politik

Shazad habe "ein Stück Sicherheit bekommen", kommentiert die parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) die Entwicklung. "Das persönliche Schicksal berührt natürlich und ich setze mich voll und ganz dafür ein, dass ihr alle gegebenen Möglichkeiten zur Familienzusammenführung zur Verfügung stehen", sagt sie.
Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar macht sich beim Auswärtigen Amt stark. "Es ist notwendig zum Kindeswohl und zur psychischen sowie physischen Gesundheit der Mutter, dass die Kinder schnellstmöglich nach Deutschland kommen", betont die SPD-Politikerin. Die Behörden reagieren auf den politischen Druck. Der Asylantrag wurde vom BAMF vorgezogen bearbeitet, in der Türkei wurde in der deutschen Botschaft kurzfristig ein Anhörungstermin für die Kinder festgesetzt.