Der scheidende Festivalleiter hatte sich an seine Bonner Beethoven Zeit erinnert und mit dem Gismo Graf Trio ein musikalisches Angebot von Weltklasse präsentiert. Die legitimen Erben der Gypsy Musik eines Django Reinhardt haben dabei alle Erwartungen übertroffen.

Erste Überraschung: Nicht die Postkartenkulisse des Schlosses, sondern der weitläufige Park ist Spielstätte. Auf kleiner Terrasse steht das Musikzelt, eingerahmt von Burgmauer, Museumsgebäude und einem Beet mit Feuerlilien, die - mannshoch - in der Abendsonne leuchten.

Das Publikum sitzt, mit Abstand, auf weißen Stühlen auf tiefgrünem Rasen, der Blick geht über das Tal der Aschach auf die bewaldete Anhöhe gegenüber. Das Blätterdach der 150 Jahre alten Bäume gibt der Szenerie Geborgenheit und verhindert, dass der Klang verweht. Was für ein Ambiente!

Stehtische für den Secco in der Pause. Prominenz des Bezirks, der Eigner des unterfränkischen Kleinods, darunter Präsident Erwin Dotzel und Bezirksrätin Karin Renner.

Wenn es den Namen Teufelsgeiger für virtuoses Violinen Spiel gibt, was bitteschön, ist dann Gismo Graf mit seiner Gitarre? Der Spross einer traditionsreichen Familie von Gypsy-Musikern aus Stuttgart wird mit fünf von seinem Vater Joschi unterrichtet, spielt die Stücke des Django Reinhard nach, tritt schon mit zwölf Jahren in der Band seines Vaters auf, gründet mit 17 sein erstes Trio und beginnt eine sagenhafte Karriere mit Tourneen und Auftritten auf der ganzen Welt.

Seine Virtuosität erlaubt ihm, alles was es an Swing, Hot-Jazz, Bossa Nova Musik gibt, zeitgemäß und in seinem Stil zu interpretieren. Das reicht ihm noch nicht. Er komponiert, und seine Stücke gehören bereits jetzt zum Repertoire des Gypsy-Jazz. Freilich hat Gismo Graf auch kongeniale Begleiter. "Freund und Vater Joschi", wie er seinen hochmusikalischen Papa nennt, gibt mit der Rhythm Guitar den unerbittlich vorantreibenden Takt vor; am Double Bass glänzt der Deutsch-Schweizer Joel Locher, ein sowohl klassisch als auch im Jazz ausgebildeter Ausnahmekönner.

Mit einer Eigenkomposition setzen die lässig gekleideten, unprätentiösen Musiker einen ersten Höhepunkt. "Skizzo" ist ein schneller Blues, der mit halsbrecherischen Griffen beginnt, von jagenden Läufen abgelöst wird, um in kaum zu erwartende milde Canzonetöne auszuklingen. Kann eine Gitarre das alles? Die des Gismo Graf schon. Bei "Liberian Girl" von Michael Jackson wirkt das Zusammenspiel des Trios so nachhaltig wie das Original. Und dann Joel Locher. Bei "You Rascal You" brilliert er mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit und zeigt auf, was auf dem Kontrabass möglich ist. Die Finger führen auf den vier Saiten einen wahren Veitstanz auf, der Kaskaden von Tönen, traumwandlerisch sicher, dabei volltönend groovend in den Abend schickt. Da bleibt kein Fuß ruhig, mitwippen ist angesagt, Zwischenapplaus und Bravos werden eingestreut und Beifallstürme am Ende.

Bei "China Boy" wähnt man sich in einer hochmodernen Fabrikhalle, in der Maschinen in höllischem Akkordtempo elektronische Teile ausstoßen. Da jagen sich Gitarre und Bass, gnadenlos angetrieben von Joschi´s Rhythmus Gitarre. Dann wieder Melodie, zum Erholen ein Musettewalzer, auch das klangvoll, aber mit weichem Ansatz poetisch gefärbt.

Als wäre das nicht genug, tritt - unangekündigt - auch noch die Schwester Cheyenne auf. Mit sicher geführter Jazz Stimme war sie noch ein beeindruckender Farbtupfer im Klanggemälde des Schlosses. Das hält dann auch Dr. Schlömp nicht auf den Sitzen, er bedankt sich bei "seinem" Publikum und bei den Künstlern. Gismo Graf verabschiedet sich "von einem tollen Festival, einem großartigen Publikum und einem fantastischen Ambiente". Das hört auch der Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel als Hausherr des Bezirkseigenen Schlosses gern. Ein allerletzter Song - "Schwarze Augen" - macht Gismos Gitarre zur Balalaika. Da zeigt sich der Abendhimmel in Türkis und Orange. Einzelne Fledermäuse segeln zum Abschied zwischen den Bäumen.