Wollbach bei Bad Kissingen
Gesellschaft

Feuerwehr soll weiblicher werden

Im Zweiten Weltkrieg gab es bereits eine Frauengruppe in Wollbach. Doch es daueret Jahrzehnte, bis die Männer merkten, dass Frauen wichtig für die Wehr sind. Jetzt werden gezielt mehr Frauen gesucht.
Natürlich trauen sich auch Frauen ans Unfallwrack wie hier Feuerwehrfrau Marina Below bei einer Einsatzübung.
Natürlich trauen sich auch Frauen ans Unfallwrack wie hier Feuerwehrfrau Marina Below bei einer Einsatzübung. Foto: Erwin Below
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Schon 1939, als die Männer in den Krieg zogen, gab es bei der Freiwilligen Feuerwehr in Wollbach (Burkardroth) eine Frauengruppe. Doch kaum waren die Männer zurück, wurde sie aufgelöst. Erst wieder 1969 wurden Frauen als Gäste zu Feuerwehrversammlungen gezielt eingeladen. Zwei Jahre später wurde dann die erste Feuerwehr-Frauengruppe gegründet, weiß Vorsitzende Birgit Below (seit 2006) aus den Wollbacher Vereinsunterlagen.

Eine Blaulicht-Familie

Es brauchte also Jahrzehnte, bis die Männer merkten, "dass Frauen für die Feuerwehr wichtig sind", weiß Below aus praktischer Erfahrung als Oberlöschmeisterin sowie als Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbands (seit 2006) und seit 2009 des Bezirksverbands. Kaum eine Frau dürfte qualifizierter sein als die 58-Jährige, die von Kindesbeinen an mit der Feuerwehr aufgewachsen ist und in einer "feuerwehr-verrückten Familie" lebt, wie Landrat Thomas Bold (CSU) mal scherzhaft meinte: Vater Helmut Metz war 21 Jahre lang Kommandant. Mutter Hiltrud war die Erste in Bayern, die 1984 das Leistungsabzeichen Gold auf Rot erwarb.

Birgits Bruder Benno Metz ist Kreisbrandrat. Ehemann Erwin Below ist Oberlöschmeister und beide Töchter sind seit ihrem 12. Geburtstag aktiv. Sogar der dreimonatige Enkel bekam gleich zur Geburt von der Wollbacher Wehr seinen eigenen Helm.

Birgit Below kam als 14-Jährige zur Feuerwehr, war als Frau die erste Atemschutzgeräteträgerin im Landkreis, was sie 16 Jahre lang blieb, und machte 2007 auch ihre Prüfung zur Schiedsrichterin. "Ich war schon als Kind bei den Übungen."

Als sie damals ihren Vater fragte, ob sie als Mädchen auch Atemschutzgeräteträgerin werden darf, antwortete er: "Ja, warum sollst du das denn nicht dürfen?" Diese Einstellung gegenüber Frauen bei der Feuerwehr sei damals bei Männern nicht selbstverständlich gewesen, betont Below. Noch heute hört man bei manchen "hartgesottenen Älteren" pauschale Vorurteile. "Aber das läuft sich aus." In der jungen Generation ist die Gemeinschaft mit Frauen in der Feuerwehr kein Thema.

Fast 48.000 Feuerwehrfrauen

Auch das Selbstbewusstsein der Frauen sei in vergangenen Jahren gestiegen, was sich in Zahlen belegen lässt: Vor 15 Jahren gab es im Freistaat etwa 17.000 Feuerwehrfrauen, im Jahr 2017 immerhin schon 27.500 und nach nur fünf weiteren Jahren sind es heute fast 48.000. Im Landkreis sei die Entwicklung wohl ähnlich verlaufen, meint Below, allerdings "haben die Frauen hier noch Nachholbedarf": Bei knapp 4500 Feuerwehrmännern machen die 440 Frauen aktuell nur einen Anteil von neun Prozent aus. In Unterfranken liegt der Frauenanteil bei fast elf Prozent, in ganz Bayern sogar bei über zwölf. Diese Quote ließe sich vielleicht verbessern, wenn jene 19 Landkreis-Feuerwehren (von insgesamt 109), die bis heute noch ohne weibliche Unterstützung auszukommen scheinen, sich auch für Frauen öffnen würden.

Gezielte Anwerbung von Mädchen

"Die Feuerwehrführung muss für das Thema offen sein, dass wir Frauen in der Wehr brauchen", sagt die Frauenbeauftragte. Vom Landesverband hinunter bis zu den einzelnen Wehren müsse ständig und gezielt bei Mädchen und Frauen für den aktiven Dienst geworben werden. Denn nicht nur der demografische Wandel verstärkt den Nachwuchsmangel. Auch die Tatsache, dass viele Berufstätige außerhalb ihres Wohnortes arbeiten, gefährdet die Einsatzbereitschaft mancher Feuerwehr. Below: "Die Frauen werden also dringend gebraucht."

Frauen schaffen dasselbe

Die Einsatzpraxis zeigt: Frauen schaffen dasselbe wie Männer. "Sie müssen es sich nur zutrauen!" Wenn sie erst einmal bei der Feuerwehr mitmachen, sind sie mindestens ebenso begeistert wie die Männer, weiß die Frauenbeauftragte aus ihren Gesprächen, zumal die fortschrittliche Technik inzwischen vieles erleichtert und nicht mehr so viel "Manneskraft" erfordert wie noch vor Jahrzehnten.

"Frauen und Männer bei der Feuerwehr, gemeinsam sind wir unschlagbar" lautete schon vor vielen Jahren eine Losung des Landesverbandes. Frauen werden heute als aktive Feuerwehrler mehr denn je geschätzt. "Viele Männer sind sogar stolz auf ihre Ehefrau oder Tochter, wenn sie mit ihnen im Einsatz sind."

Generell ist Birgit Below mit dem Anstieg des Frauenanteils bei den Landkreis-Feuerwehren zufrieden: "Wir sind auf einem guten Weg." Allerdings wünscht sie sich mehr Frauen in Führungspositionen.

Auch bei der Anwerbung von Quereinsteigern wie von Müttern, deren Kinder aus dem Gröbsten raus sind, "ist noch viel Luft nach oben". Es gibt also auch in Zukunft genug zu tun für die Kreis- und Bezirksfrauenbeauftragte Birgit Below aus Wollbach.