LKR Bad Kissingen
Ehrenamt

Feuerwehr: Bessere Bedingungen, aber wie?

Die Freiwilligen Feuerwehren machen einen wichtigen Job, der in den Trockenphasen immer wichtiger wird. Doch der kostet Zeit, manchmal Geld, und braucht eine passende Ausrüstung und Ausbildung.
Vor etwa vier Wochen gab es auf einem Acker einen Flächenbrand bei Hammelburg.
Vor etwa vier Wochen gab es auf einem Acker einen Flächenbrand bei Hammelburg. Foto: Peter Seufert
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Bei der Feuerwehr gibt es heiße und lockere Phasen. Derzeit ist wieder viel los - seit Beginn des Sommers reiht sich im Landkreis ein Brand an den anderen. In diesem Zusammenhang macht der Hammelburger Yannick Pfriem verschiedene Probleme aus. Er ist neben seinem Beruf bei der Feuerwehr der Hammelburger Bundeswehr auch in der Freiwilligen Feuerwehr Hammelburg und stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Westheim.

Zuständig für die Wehren sind verschiedene Stellen: "Die Kommunen sind hauptsächlich für den Erhalt einer leistungsfähigen Feuerwehr zuständig. Aber es gibt auch Aufgaben des Landkreises, wie den Katastrophenschutz. Der Freistaat spielt in Sachen Förderung eine Rolle." Die Kommunen müssten die Feuerwehr im Sinne ihrer Möglichkeiten bereithalten. Das sei bei der oft angespannten Haushaltslage von Kommunen nicht immer einfach.

Spezialisierung auf Waldbrände nötig

"Wir müssen trotzdem schauen, dass wir uns etwas spezialisieren", sagt Pfriem. Wegen der vielen Flächenbrände, die in der Vergangenheit zugenommen haben und weiter zunehmen werden, brauche es spezielle Ausrüstung.

Zum Beispiel ein spezielles Tanklöschfahrzeug für Wald- und Flächenbrände. Sie sind neben einem großen Tank mit D-, statt den dickeren C-Schläuchen ausgestattet - damit lasse sich ein Flächenbrand mit weniger Personal viel schneller löschen. Doch Yannick Pfriem ist sich bewusst, dass die Fahrzeuge teuer sind. Das sei bei der finanziellen Lage vieler Kommunen wahrscheinlich nicht machbar.

Bund streicht Mittel für Katastrophenschutz

Dass es diese Fahrzeuge brauche, findet auch Kreisbrandinspektor Harald Albert. Aber: Die Fahrzeuge lägen derzeit bei 500.000 Euro. Dazu komme, dass der Bund derzeit eher die Mittel für den Katastrophenschutz kürzt, statt ausweitet.

"Aber man sieht ja, es werden immer mehr solcher Einsätze. Der Staat versucht, die Kosten auf die kleinen Kommunen abzuwälzen." Hier sieht Albert auch die Aufgabe des Katastrophenschutzes beim Landkreis: "Der müsste einfach mal fünf, sechs Fahrzeuge kaufen und an die Kommunen verteilen, die nah am Wald sind."

Bad Kissingen rüstet auf

In Bad Kissingen selbst rüstet die Wehr derzeit auch mit Tankfahrzeugen, Tanks und D-Schläuchen auf. Jedoch können sie nicht einfach kaufen, was sie wollen. Albert muss ein Bedarfskonzept vorlegen, in dem steht, was er benötigt. Das geht an die Regierung von Unterfranken, die das Ganze abnickt.

Dabei gebe es diverse Richtlinien zu beachten: "Wenn ich das Tanklöschfahrzeug für Waldbrände haben möchte, brauche ich mindestens ein Löschgruppenfahrzeug 10." Natürlich muss dazu auch Platz sein, aber: "Das ist ein normaler Stellplatz, den Feuerwehrhäuser haben."

Schulungen für Flächenbrände

Auch bei den Schulungen müssten laut Pfriem Flächenbrände mehr in den Fokus rücken: Wie müssen sich die Feuerwehrleute positionieren, wie ist das Vorgehen? Harald Albert weiß: Es ist wieder am Kommen, dass man auf diese Lehrgänge Wert legt. "In Bad Kissingen haben wir das Thema immer ein wenig weggeschoben, dieses Jahr aber speziell geübt - und konnten das bisher bei diversen Flächenbränden gut anwenden."

Sehr zeitintensives Hobby

Was den Feuerwehrmann daneben beschäftigt, ist die Zeit, die für das lebensrettende Hobby draufgeht. Übungen, Schulungen, und alles, was sonst noch zu tun ist. "Der Freistaat Bayern hat zwar eine Ehrenamtskarte, mit der man Vergünstigungen bekommen kann. Aber ich habe sie noch nie benutzt."

Das sei auch nicht der richtige Weg. "Das Land Baden-Württemberg hat den Kommunen freigestellt, dass sie den Feuerwehren Aufwandsentschädigungen zahlen." Sie könnten es über die Versicherung des Unfallverursachers abrechnen. "Das wäre etwas, was wir den Freiwilligen mitgeben könnten." Auch verbilligte Verträge fürs Fitnessstudio, um sich fit zu halten, wären für die Feuerwehrleute von Vorteil.

Freiwillige Feuerwehren entlasten

In den südlichen Ländern Europas gebe es gar keine Freiwilligen Feuerwehren, nur berufliche. "Wir haben aber bestimmte Hilfsfristen, die wir hier auf dem Land gar nicht einhalten könnten. Es wäre auch gar nicht leistbar, so eine Berufsfeuerwehr zu halten." Daher sei es umso wichtiger, die Freiwilligen Feuerwehren zu entlasten und zu motivieren.

Beispielsweise indem ihnen Arbeiten abgenommen werden: Schläuche und Atemschutzgeräte prüfen, Radwechsel machen, Autos und Toiletten putzen. "Die Feuerwehren müssen sich schulen und Einsätze fahren. Alles andere muss eigentlich von Angestellten der Kommune gemacht werden. Das würde viele motivieren."

Derzeit komme es immer öfter vor, dass Kommunen eine sogenannte Pflichtfeuerwehr aufbauen, also Bürgerinnen und Bürger verpflichten müssen, sich zu beteiligen. Auch hier bemerkt Pfriem: "Gerade tagsüber wird es immer öfter eng." Das liegt auch daran, dass viele Leute da auf der Arbeit sind. Umso wichtiger sei es, genügend Menschen zur Feuerwehr zu motivieren, um immer mit ausreichend vielen Leuten zum Einsatz starten zu können.