Lange ist es nicht her, dass Landrat Thomas Bold mit Nachdruck mehr Impfstoff für den Kreis Bad Kissingen gefordert hatte. Jetzt, gut sechs Wochen später, gibt es genügend Serum. Nur scheint das niemand haben zu wollen.

Das Impfzentrum Bad Kissingen sucht laut einer Pressemitteilung händeringend nach Impfwilligen und bittet darum, sich bei Interesse zeitnah über das zentrale Portal (www.impfzentren.bayern) für eine Corona-Schutzimpfung anzumelden.

Für den 2. Juli war im Impfzentrum eine Sonder-Impfaktion angesetzt. Diese muss der Landkreis nun aufgrund der deutlich sinkenden Nachfrage absagen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die bereits vereinbarten Termine werden auf den regulären Impfbetrieb umgebucht. "Wir sind schon etwas fassungslos", gesteht Pressesprecherin Nathalie Bachmann auf Nachfrage dieser Redaktion.

Knapp die Hälfte der rund 103 000 Einwohner des Landkreises hat zumindest ihre Erstimpfung erhalten. Die Quote liegt nach Angaben des Landratsamtes mit Stand vom 29. Juni bei 49,5 Prozent. Kompletten Impfschutz genießen 36,3 Prozent der Bürgerinnen und Bürger.

Derweil ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis - das ist die Anzahl der Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen, bezogen auf 100 000 Einwohner - erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie auf 0,0 gefallen, wie das Staatliche Gesundheitsamt Bad Kissingen sowie das Robert Koch-Institut übereinstimmend melden.

Infiziert sind laut Angaben der Landkreis-Behörde derzeit sechs Menschen, fünf davon leben im Altlandkreis Hammelburg, eine Person im Raum Bad Kissingen. In Quarantäne befinden sich 113 Kontaktpersonen.

Die positive Entwicklung führt dazu, dass die Corona-Hotline der Stadt Bad Kissingen zum 1. Juli eingestellt wird. Dieses Angebot bestand seit Anfang Februar für Bad Kissinger Bürgerinnen und Bürger, vor allem sollte Hilfestellung bei Impfregistrierungen geboten werden. Wie die Stadt mitteilt, sind in diesem Zeitraum 511 Impfregistrierungen über die Hotline abgewickelt worden.

Außerdem kam es zu 848 weiteren Informationsgesprächen mit Fragen rund um die Impfung sowie zu Testmöglichkeiten, gibt die Stadt weiterhin bekannt. Der Service sei zunächst intensiv angenommen worden, das Interesse habe in den letzten Wochen aber stark nachgelassen, mutmaßlich aufgrund der sinkenden Infektionszahlen und der steigenden Impfquote im Landkreis Bad Kissingen.

Die Stadt Hammelburg hatte ebenfalls eine Hotline für Hilfesuchende eingerichtet. Diese ist noch aktiv, aber nur zu den Sprechzeiten der Stadtverwaltung erreichbar. Auch in Bad Brückenau, wo seit einiger Zeit keine Corona-Fälle bekannt sind, wird über das Rathaustelefon Unterstützung angeboten. Allerdings gebe es nur noch vereinzelte Anrufe, wie eine Mitarbeiterin erklärt. Die Impfhotline sowie das Corona-Bürgertelefon sind weiterhin geöffnet. "Im Moment kommen tröpfchenweise noch hauptsächlich Fragen zu privaten Feiern, wie viele Gäste erlaubt sind und so weiter", erklärt Sprecherin Bachmann. Kommende Woche soll entschieden werden, ob der Service aufrechterhalten wird.