"Moin Moin ... und Stänich Ahoi" begrüßte Sitzungspräsident Andreas Alles die bunt gekleideten Zuschauer in der Henneberghalle. Wegen der im Februar noch geltenden Corona-Beschränkungen hatte sich der Steinacher Heimatverein nach Ausfall schon des letztjährigen Faschings entschlossen, den diesjährigen Büttenabend einfach in den Mai zu verschieben. "Noch e Johr ohne Fasching, is kee Option, sagg'relut! Ob's wen stört is uns wuäscht. Wat mutt, dat mutt!" Unter diesem Motto wurde das Narrenschiff ab Hamburg auf turbulente Kreuzfahrt geschickt.

Leinen los in Hamburg

Pünktlich um Sieben nach Sieben enterte nach dreifachem Typhonsignal die siebenköpfige Mannschaft unter dem Kommando des Präsidenten die Brücke des Stänicher Narrenschiffs, während draußen noch die für Fasching ungewohnte Sonne schien. "Heut im Scheine des Rotlichts, der Reeperbahn, zwischen Fischdunst, Landungsbrücken und Krabbenkahn" ließ der Kapitän die Leinen losmachen und führte sein Kreuzfahrtschiff bei heiter-stürmischer See bis ins Land der Indianer und nach Brasilien, wo erstmals zwei Kindergarden, die nur fünf- bis achtjährigen "Bambinis" und die etwas älteren "Wilden Hühner", ihre Tänze aufführten.

Das "Wurd mit C, das kenner mehr hör will" und die Verschiebung des Büttenabends in den Mai schien die Steinacher irritiert zu haben: Nicht nur, dass drei Jugendliche mitten im Fasching auf Halloween-Rundgang waren, sondern eine Hausbewohnerin, an deren Tür sie klingelten, hielt sie für die Heiligen drei Könige. Auch Kabarettist Fredi Breunig schien verwirrt: "Die Rapsfelder blühen mitten im Fasching!" Aber als bodenständiger Rhöner Franke kam er schnell in der Wirklichkeit an: "Viele Leute sterben durch Alkohol. Aber überlegt mal, wie viele wegen Alkohol geboren werden."

Stänich-Report

Trotz Weltreise des Narrenschiffs blieben Besatzung und Gäste heimatverbunden: Als Hamburger Travestie-Star Oliver Jones zog Andreas Freibott über die "narrisch verkleidete Querdenker-Crew" her, die im Februar die Tradition des Stänicher Faschingsumzugs für ihre Zwecke missbraucht hatte, und mokierte sich über das Fehlen einer Bürgerversammlung zum Bau des Dorfgemeinschaftshauses. Im "Stänich-Report" ebenso wie in der Bierzeitung der Marktschreier schimpfte man, dass der neue Supermarkt wieder nicht nach Steinach kam, amüsierte sich aber sonst eher über Missgeschicke und private Missgeschicke in der Nachbarschaft.

Nach fast fünfstündiger Kreuzfahrt durch das Dorfgeschehen im Wechsel mit Stimmungsmusik, Tanzeinlagen und Gastauftritten benachbarter Faschingsvereine machte das Steinacher Narrenschiff wieder im Hamburger Hafen fest. Mancher fröhliche Passagier verließ die Henneberghalle später mit leicht schaukelndem Seemannsgang.