Die Idee war so einfach wie genial: Mit den Kurgästen Volkslieder singen. Edmund Seller und Dekan Georg Hirschbrich hatten den Gedanken Walter Rundler vorgetragen und der damalige Kurdirektor beauftragte Harald Hümmer von der damaligen Kurverwaltung mit der Organisation. Zunächst in Bad Kissingen, später auch in Bad Bocklet. Daraus wurde eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Nach dem beliebten, leider früh verstorbenen Geistlichen begleitete Robert Bauch jahrelang den Vorsänger und Moderator Seller. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Vollblutmusiker, Chorleiter und Komponist zum Jubiläumskonzert nicht kommen, aber Seller freute sich mit Harald Hümmer wenigstens einen der Weggefährten der ersten Stunde willkommen zu heißen.

Singen vom Mai, vom Wasser, von der Rhön und Franken

Aber bei diesem beachtlichen Jubiläum standen nicht Reden und Erinnerungen, sondern das gemeinsame Singen im Mittelpunkt. Und weil der Wonnemonat Mai die Herzen der Menschen aufschließt und das Mitsingen geradezu beflügelt, klingt "Grüß Gott Du schöner Maien" im Kursaal wie "aus voller Kehl und frischer Lust". "Nun will der Lenz uns grüßen", dichtete schon der Minnesänger Neidhart v. Reuenthal und Mozart vertonte "Komm lieber Mai und mache...". Die Texte sind kein Problem, Liederbücher sind ausgeteilt. So beschwingt gestartet, nehmen Bürgermeister Andreas Sandwall und Kurdirektor Thomas Beck den musikalischen Faden auf, gratulieren dem unermüdlichen Sangesfreund Seller mit einem Präsentkorb, denn "Singen gehört zur Gesundheit", weiß der Bürgermeister und schlagfertig gibt Seller in bestem Hausener Dialekt zurück: "Ich betanke mich (betont dabei das harte fränkische "t", aber es hädd ned muess sei". Unkompliziert, volksnah, echt, wie er geschätzt wird und die ganze Truppe, die er mitbringt. An seiner Seite begleitet ihn Ewald Kiesel aus Hard mit seiner besonderen, "Kreuzwender" genannten Mundharmonika und Sohn Toni Seller mit Gitarre oder auch im Tenorhorntrio zusammen mit Matthias Neder und Holger Hammer, die als Begleitung oder auch solistisch das Gitarrenspiel ansprechend bereichern.

Nach der gesungenen Laudatio auf den Mai erinnert Seller an das für Bocklet so bedeutende Wasser und es klingt aus dutzenden Kehlen "Wenn alle Brünnlein fließen, so muss man trinken..." und von dem anderen Brünnlein, das zwar im Schneegebirge fließt und wer daraus trinkt, nimmer alt wird, aber das gilt auch für Bocklet, meint der Volkssänger.

Natürlich klingt's auch in der weiteren Heimat. "Wir ziehn zur Rhön hinauf", heißt es da und im Kreuzberglied wird bei "...Komm mit, mein Schatz..." wenigstens im Geiste ein wenig mitgeschunkelt. "Die Gedanken sind frei" kündigt Edmund Seller an, "aber vieles andere auf der Welt nicht", fügt er hinzu und jeder im Saal weiß, was damit gemeint ist und singt von ganzem Herzen mit. Lautstärkenhit aber wird das Frankenlied "Wohl auf die Luft geht frisch und rein...", das von des Maines Flut, vom heil'gen Veit von Staffelstein, von Wallfahrern und vom Einsiedelmann mit der schönen Schnitt'rin singt. Der Pegel steigt mit jeder Strophe ein bisschen mehr.

Übereinstimmendes Fazit der Besucher des Jubiläumskonzerts: "Singe, wem Gesang gegeben...", das hat schon was. Dankeschön und weiter so, Edmund Seller.