Seit 25 Jahren ist Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche in Diensten der evangelischen Kirche, davon 19 Jahre lang als Bad Kissinger Stadtkantor. Wir haben mit ihm über seine Liebe zur Musik, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie die zahlreichen Projekte gesprochen.

Herr Wöltche, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist Ihnen wichtig, wie sind Sie selbst zur Musik gekommen?
Jörg Wöltche: Ich habe als Neunjähriger in der Darmstädter Kantorei Bachs H-moll-Messe - damals in der Altstimme - mitgesungen und kann seit der Zeit noch diese Stimme auswendig. Da ich von Kindheit an Klavier gespielt habe, war ich der klassischen Musik immer verbunden.

Und wie ging es speziell zur Kirchenmusik weiter?
Da ich schon als Jugendlicher mir mein Studium mit Chören und dem Orgelspiel finanzieren konnte, bin ich einfach dabei geblieben, die Aufnahmeprüfung 1985 habe ich so problemlos bestanden, dass mir vieles zugefallen ist. Als ich 15 war hat ein guter Tonsatz- und Gehörbildungslehrer an der "Akademie für Tonkunst" mein so genanntes "Absolutes Gehör" entdeckt und mich ganz speziell gefördert.

Was gibt es Ihnen, Nachwuchs-Chöre und Orgel-Schüler zu betreuen?
Unterrichten mit allen Altersgruppen ist einfach nur schön - wenn die Schüler denn auch regelmäßig üben. Zur Zeit habe ich zehn Orgelschüler, darunter sechs Erwachsene.

Mit welchen Erwartungen sind Sie im Jahr 1997 nach Bad Kissingen gekommen?
Damals hat man mich unter 34 Mitbewerbern nach einem langwierigen Bewerbungsverfahren ausgewählt. Ich hatte mich wegen des Kammerorchesters beworben, das ich auch heute noch mit großer Freude leite. Bad Kissingen gehörte damals zu nur einer Handvoll Stellen, an denen es ein eigenes Orchester gibt.

Und was hat Sie am Ende so lange hier gehalten?
Vieles, zum einen die eigenen Kinder: Ich hatte, als ich nach Bad Kissingen kam, fünf Bundesländer und 13 Umzüge durch, das wollte ich meinen Kindern nicht zumuten, zum anderen hat sich die Stelle so gut weiter entwickeln lassen, dass sie 2008 von einer B- zu einer A-Stelle umgewandelt worden ist. Dafür bin ich der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Kirchengemeinde sehr dankbar, dass sie meine Arbeit so gewürdigt haben. 2014 hat man mir den Ehrentitel Kirchenmusikdirektor verliehen.

Sie engagieren sich weit über die Kirchengemeinde hinaus: Was treibt Sie dazu an?
Ich sehe das als meinen normalen Dienst an.

Welches Projekt liegt Ihnen aktuell besonders am Herzen?
Jedes, das ich anfange, PraiSing geht im April 2017 das dritte Mal in den Regentenbau, zum Reformationsjubiläum spiele ich endlich mal wieder ein extrem anspruchsvolles und schwieriges Orgelkonzert, die KisSingers werden 2018 20 Jahre alt, der nächste Kantatengottesdienst mit dem Kammerorchester im Kissinger Sommer 2017, das Krippenspiel in vier Wochen am Heiligen Abend mit Kinder-Orchester.

Trotz aller bisherigen Erfolge: Ist noch ein großer Wunsch offen geblieben?
Ein leistungsfähiges klassisches Vokalensemble vor Ort, das sich der Musik der Renaissance und der modernen skandinavischen Komponisten und der a-cappella-Chormusik annimmt, so acht bis zwölf Sänger würden dafür schon genügen. Ach ja: Und Bachs Weihnachtsoratorium möchte ich nächstes Jahr machen - und habe dafür noch gar keinen Chor.

Sie sind auch schon an Ihre eigenen Grenzen gestoßen: Wie geht es Ihnen aktuell und wie hat Sie das verändert?
Dass ich ohne Hörgeräte "berufsunfähig" bin, war gesundheitlich 2011 eine große Einschränkung. Inzwischen versuche ich, mich mit der Arbeitsmenge etwas mehr zu bescheiden, das gelingt leider noch nicht immer.

Was bedeutet Ihnen das Dienstjubiläum und wie sehr freuen Sie sich über die Anteilnahme?
Ich war etwas überrascht, dass es schon 25 hauptberufliche Jahre sind, und freue mich sehr - und hoffe auf die nächsten 14 Jahre, die mir beruflich noch bleiben, dass sie ebenso erfüllt sind wie die vergangenen Jahre.

Das Gespräch führte Redakteur Ralf Ruppert.

Privat Jörg Wöltche ist 53 Jahre alt und hat drei Kinder. Geboren wurde er in Waldalgesheim bei Bingen am Rhein, aufgewachsen ist er in Schwäbisch-Hall, Darmstadt und im südhessischen Odenwald, in Breuberg.

Ausbildung Klavierunterricht nahm Jörg Wöltche bereits ab dem vierten Lebensjahr, den ersten Gesangsunterricht begann mit neun Jahren, Orgel-Unterricht folgt ab dem 14. Lebensjahr. Die erste Orgelprüfung legte Wöltche im Jahr 1979 (also mit 16 Jahren) ab, seitdem ist er als Organist tätig. 1980 folgte die C-Prüfung Chorleitung, seitdem arbeitet er bereits als Chorleiter.
Beruf Nach dem Abitur 1982 in Darmstadt studierte Wöltche Theologie zunächst in Frankfurt am Main, danach weiter in Heidelberg, wo er das Studium der Kirchenmusik ergänzte und die Diplom B- und A-Prüfung ablegte. Seine erste Stelle trat er 1991 in Garding / Eiderstedt in Schleswig-Holstein an.