Es sind ganz besondere Projekttage in der Henneberg-Grundschule in Arnshausen: Grundschulkinder der 4. Klassen lernen Grundlagen von Erste-Hilfe Maßnahmen kennen. "Jeder kann ein Held sein", heißt das Motto der Aktion. Ein Vorzeigeprojekt aus Brandenburg, das es mit Bad Kissingen erstmals auch in Bayern gibt.

Zum Abschluss gibt es sogar eine "Heldenprüfung" im Turnsaal. Was die Mädchen und Jungen dabei gelernt haben, interessiert auch das bayerische Fernsehen.

Übertragung in Radio und TV

Ganz schön was los in Arnshausen. Vor der Schule haben sich Rettungswagen des Roten Kreuz und Einsatzfahrzeuge von Technischem Hilfswerk und der Feuerwehr aufgebaut. Deren Helfer präsentieren ihre Gerätschaften und wecken so das Interesse der Schulkinder für Engagement im Ehrenamt, um später für Menschen in Not da zu sein. Besonders interessant - nicht nur für die Kinder - neben der "Blaulichtfraktion" steht noch ein weiteres blaues Fahrzeug, allerdings ohne Blaulicht, dafür aber mit dem Logo des Bayerischen Fernsehens. Die "Heldenprüfung" wird im Rundfunk und Fernsehen übertragen.

Der Schulleiter, Rektor Bernd Czelustek, klärt auf: Das Projekt führt - in Kooperation mit örtlichen Einheiten des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes - der Berlin-Brandenburger Verein Pépinière e.V durch. An zwei Tagen haben dazu ehrenamtliche Mitarbeiter der Berliner Charité den Schülerinnen und Schülern Grundlagen der Ersten Hilfe kindgerecht vermittelt. Der Rektor meint ein klein wenig stolz: Das Besondere dabei ist, dass diese Aktion erstmals in Bayern stattfindet und da eben nicht in München, Nürnberg oder Würzburg, sondern bei uns. "Das passt zum Gesundheitsstandort Bad Kissingen".

Seitenlage und Selbstschutz

Das freut auch den Stadtrat Czelustek. Zu danken ist das Prof. Dr. Thomas Keil vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Leiter der Abteilung Kurortmedizin und Gesundheitsförderung (IKOM), die sich im ehemaligen Luitpoldbad ansiedeln wird. Keil begleitet die Aktion auch wissenschaftlich. Ein erstes Ausrufezeichen des medizinischen Schrittmachers IKOM in der Prinzregentenstraße. Ziel des mehrfach ausgezeichneten Projektes "Jeder kann ein Held sein" ist es, bereits Grundschüler in das Thema Erste Hilfe einzuführen und auch Nachwuchs für das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz zu werben. Das Lehrkonzept betont praktische Übungen im Bereich "Reanimation", "Stabile Seitenlage", "Selbstschutz" und "Verbandlehre".

Mit Inbrunst dabei

Arzt Robert Gintrowicz und die Studierenden Yannik Müller und Josefa Schleper von der Charité bringen die 4.-Klässler bei dem vielleicht wichtigsten Hilfseinsatz, der Herzdruckmassage ganz schön ins Schwitzen. Ihr Ansatz: Die Bereitschaft, solche Maßnahmen anzuwenden, steigt, wenn Kinder bereits in der Grundschule mit den Techniken in Berührung kommen.

Und so sah das dann in der Praxis aus: Es wird abgefragt: "Ihr findet eine hilfebedürftige Person. Was ist zu tun?" Die Person anschauen! Ansprechen! Anfassen! Das kommt wie aus der Pistole geschossen. Dann? Hilfe holen! Welche Nummer anrufen, fragt der Charité Arzt? 112 brüllen alle. Stabile Seitenlage, Atemkontrolle, sind nächste Schritte. Kein Atem? Dann Kopf überstrecken und Herzdruckmassage beginnen.

Rhythmus von Highway to Hell

Dazu liegen Puppen bereit und die Kinder zeigen, was sie gelernt haben, drücken mit beiden Händen übereinander auf den Brustkorb. Den Rhythmus gibt die eingespielte Musik vor: "Highway to Hell" der Megahit von AC/DC hat ideale Taktvorgaben oder auch der Disco Klassiker Stayin Alive - von den Bee Gees. Lange, ganz lange sieben Minuten mindestens sollte man im Ernstfall durchhalten können.

Die angehenden Heldinnen und Helden der Henneberg-Grundschule haben rote Wangen vor Aufregung, sind aber begeistert von der so ganz anderen Art des Mitmach-Unterrichts. Schon die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Blaulicht haben sie sehr interessiert und später haben sie die Erste-Hilfe-Übungen verinnerlicht. Und dann noch die Heldenprüfung im Fernsehen - ganz schön was los in Arnshausen.