Weder gut, noch schlecht, so beurteilt Bauernverband-Kreisobmann Edgar Thomas die fast abgeschlossene Ernte von Getreide und Raps. Er spricht von einer durchschnittlichen Ernte. Das sei auch das Feedback, was er von Kollegen hört. Volker Schmitt (Agro-Schmitt Münnerstadt) sieht das ähnlich. Er bewertet die Erträge allerdings leicht unter Durchschnitt. Gründe dafür sind wie in den Vorjahren die Trockenheit, aber auch die Spätfröste im Mai. "Es ist aber nicht so schlimm wie in den beiden letzten Jahren", erklärt Volker Schmitt.

Wie schon im vorigen Jahr ist der Ernteerfolg auch heuer stark abhängig davon, ob ein Feld Regen abbekommen hat oder nicht. Manche Felder konnten von kurzen sehr lokal begrenzten Schauern profitieren. So hat Volker Schmitt in der Reichenbacher Flur Raps geerntet, mit dem er sehr zufrieden ist. Dort hat es zur richtigen Zeit geregnet, während ein Feld in Richtung Poppenlauer davon nichts abgekommen hat. Entsprechend schlecht sei hier der Ertrag.

Probleme mit dem Spätfrost

Ungewöhnlich waren im Mai die Spätfröste. Die Wintergerste hat dadurch extrem gelitten, erklärten sowohl Edgar Thomas, als auch Volker Schmitt. Das Problem hat etwas mit dem Klimawandel zu tun. Die Wintergerste sei immer zeitiger dran, erklärt Thomas. Als dann im die ungewöhnlich späten Nachtfröste kamen, stand diese Getreideart schon in der Blüte."Das hat die Wintergerste gebeutelt", sagt Thomas. Volker Schmitt schätzt die Verluste bei der Wintergerste auf rund 30 bis 40 Prozent.

Edith Halbig vom Brünner Agrarhandel Halbig bestätigt den massiven Ausfall der Wintergerste. "Da kommt fast gar nichts", erklärt sie. Das Unternehmen kauft Getreide von den Landwirten an und verkauft dieses dann weiter. Qualität und Mengen seien heuer sowohl gut als weniger gut, erklärt Edith Halbig. Auch sie hört von den Landwirten, dass die Erntebilanz stark abhängig ist vom Standort. Bei den Preisen sieht es so aus, dass es für den Raps in diesem Jahr etwas mehr Geld gibt, dafür ist der Preis bei der Braugerste gesunken, erklärt Edith Halbig. An dieser Entwicklung ist die Corona-Pandemie schuld. Der Bierabsatz ist niedriger als früher und damit der Bedarf an Braugerste.

Profitiert vom Frühsommer

Gut für den Weizen war, dass die große Hitze heuer im Juni und Juli ausgeblieben ist und es im Juni geregnet hat. So ist Edgar Thomas mit seiner Weizenernte zufrieden. Auch der Mais hatte vom Frühsommerregen profitieren können. Doch wegen der momentanen Hitze verbunden mit anhaltender Trockenheit bangen die Landwirte nun um ihre Bestände. "Der Mais leidet sehr", sagt Edgar Thomas. "Er geht dahin". Nur ein ausgiebiger Landregen könnte ihn noch retten.

Das zeitnahe Kommen oder Ausbleiben von Niederschlag im August entscheidet aber nicht nur über die Mais-Ernte, sondern bereits über den Erfolg des Rapsanbaus im kommenden Jahr. "Eigentlich müsste dieser jetzt gesät werden", sagt Edgar Thomas. Doch momentan mache das überhaupt keinen Sinn. Volker Schmitt will zwischen dem 20. und 25. August Raps aussäen und hofft auf einen Wetterwechsel. Anders als beim Getreide brauche der Raps die Vegetationszeit im Spätsommer und Herbst. Doch die unteren Bodenschichten seien einfach zu trocken. "Wenn wir jetzt säen, geht nichts auf".

Schwierige zweite Mahd

Schwierig sei die Situation auch für die Milchviehhalter, erklärt Thomas. Das Grünland wächst durch die Trockenheit kaum noch. Die zweite Mahd falle mengenmäßig viel zu gering aus.

Die Trockenheit ist also für die Bauern das bestimmende Thema. Dass Landwirtschaft trotzdem noch funktioniert, führt Edgar Thomas vor allem auf verbesserte Technik zurück. Hätten vor 30 bis 40 Jahren ähnliche Wetterbedingungen geherrscht, hätte man Missernten gehabt, ist der Kreisobmann überzeugt.

Die Technik ermögliche seiner Auskunft nach ein bodenschonenderes Arbeiten, damit das wenige Wasser im Boden besser gehalten werde. Hinzu kämen widerstandsfähigere Sorten. Und es kann sein, dass über künftig noch andere Pflanzen auf den Feldern wachsen, solche, die Hitze und Trockenheit besser vertragen. Thomas nennt Hirse oder Kirchererbsen. Die ersten Landwirte würden damit im Landkreis bereits experimentieren.