Die Brunnen, die Blumenbeete, die geschwungene Form, die Bodenplatten - 1969 Jahre hat der Theaterplatz sein heutiges Gesicht erhalten. Größere Veränderungen hat es seitdem nicht mehr gegeben. Die derzeit laufenden Arbeiten bringen die erste größere Aufhübschung seit beinahe sechs Jahrzehnten.

Fünf Hochbeete ersetzen die alten im Boden eingelassenen Blumenbeete. Sie werden am Fahrbahnrand aufgestellt, um ein grünes Band zu schaffen. Die Bepflanzung soll nicht zu hoch sein, damit das königliche Kurtheater von Max Littman dennoch gut von der Straße aus zu sehen ist. "Nach innen zum Platz hin werden Sitzflächen an den Hochbeeten angebracht, sowie eine Beleuchtung", sagt Peter Borst vom Service-Management der Stadt. Die neue Beleuchtung, die Hochbeete sowie die Sitzbänke werden aus dem 1,5 Millionen Euro-Budget zur Innenstadtverschönerung bezahlt, das die EU zu 90 Prozent bezuschusst.

Wie Borst berichtet, gehen die Arbeiten am Theaterplatz inzwischen aber deutlich über das EU-Förderprogramm hinaus. Beim Verlegen der Elektroleitungen für die neue Beleuchtung wurde festgestellt, dass auch der Technikschacht erneuert werden muss, in dem die Technik für die reguläre Beleuchtung, für die Brunnen und für die Weihnachtsbeleuchtung zusammenlaufen. Die Leitungen für die Brunnen werden demnächst befahren und auf Schäden geprüft. Sind sie schadhaft, werden sie erneuert. "Uns ist wichtig, dass wir im Untergrund alles so haben, dass wir da erstmal nicht mehr ran müssen", sagt Borst. Schließlich lässt die Stadt die gut 1000 Quadratmeter Bodenbelag austauschen und durch neue Platten ersetzen.

"Bis Mitte November werden wir die großen Löcher zu und den Untergrund eben haben", sagt Borst. Bis wann die Arbeiten fertig sind und der Theaterplatz wieder nutzbar ist, lasse sich derzeit jedoch nur schwer sagen. Bei den neuen Bodenplatten wird sich die Lieferung um Wochen verzögern.

Vom Verkehrsknoten zum Theaterplatz

Die Stelle, an der heute das Kurtheater und der Theaterplatz stehen, war nach Informationen des Stadtarchivs vor Jahrhunderten ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für das alte Kissingen. Hier sind vor dem 19. Jahrhundert viele Fernstraßen zusammengetroffen, die das Städtchen tangiert haben. Die Straßen führten über die heutige Kappellenstraße nach Münnerstadt, über die heutige Hemmerichstraße ins obere Saaletal, ober die heutige Martin-Luther-Straße auf das andere Saale-Ufer und das untere Saaletal und es gab eine Verbindung (heute: Von-Hessing-Straße) in die damals noch von einer Stadtmauer umschlossene Altstadt.

Schon Ende des 18. Jahrhunderts gab es den ersten Theaterbetrieb in der Stadt. Aber erst als die Kurstadt im 19. Jahrundert rasant wuchs und die Kurviertel entstanden entstand das erste staatliche Theater: 1856 nahm es an der heutigen Stelle seinen Betrieb auf, errichtet in Holzbauweise im Schweizerhaus-Stil. Einen eigens gestalteten Theaterplatz gab es zu dieser Zeit aber wohl noch nicht. Der kam erst, als das alte Schauspielhaus abgerissen wurde und Max Littmann 1904/1905 das bis heute bestehende Kurtheater errichtete.

In einem Artikel in der Saale-Zeitung zur Eröffnung im Juni 1905 hält der Autor fest, dass der "Platz vor dem Theater bisher eine wüste Fläche" war. Littmann legte seinerzeit zugleich einen Plan zur gärtnerischen Gestaltung des Platzes vor. Weil sich damals namhafte Unterstützer in der Stadt fanden, konnte Littmann seine Pläne verwirklichen: Er ließ ein umzäuntes, begrüntes Rokoko-Gärtchen anlegen, nicht direkt vor dem Haupteingang, sondern etwas westlich versetzt. "An der Stelle eines toten, staubigen Fleckens befindet sich nun ein bestens angelegter Schmuckplatz - zugleich in die Verkehrsverhältnisse des Platzes Ordnung bringend", heißt es in der Saale-Zeitung lobend.

1969 erhielt der Theaterplatz schließlich sein heutiges Aussehen. Das Rokoko-Gärtchen von Max Littmann gehörte damit der Vergangenheit an. Das grüne Band, dass in Zukunft jedoch wieder den Theaterplatz schmücken soll, wird den einen oder anderen älteren Bad Kissinger vielleicht an dieses Gärtchen zurück erinnern.