Jetzt ist eigentlich die Zeit, in der in früheren Jahren der neue Theaterring, das wäre der zu 2022/23, fertig wurde. In diesem Corona-Jahr haben das Kulturbüro der Stadt und die Intendantin der Abonnementveranstaltung der Stadt, Gerhild Ahnert, bis jetzt um die Fertigstellung der Terminierung für den am 10. Oktober 2021 beginnenden 37. Theaterring gekämpft.

Nachdem am 30. August endlich feststand, dass in dieser Spielzeit das Kurtheater wieder bespielt werden darf, und dass zwar Maskenpflicht im Theater herrschen wird, aber alle Plätze verkauft werden können, wagen die Verantwortlichen mal wieder eine Information zum nächsten Theaterring. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Vorverkauf des neuen Abonnements am MOntag, 20.September, starten zu können.

Den Anfang macht am Sonntag, 10. Oktober in einer Inszenierung von Pascal Breuer für das Euro-Studio Landgraf die 2016 mit großem Erfolg in Paris uraufgeführte Komödie des französischen Starautors Florian Zeller, "Die Kehrseite der Medaille". Es geht um zwei Paare, Isabelle (Nicola Tiggeler), eine Geschichtsdozentin und ihren Mann Daniel, einen erfolgreichen Verlagsdirektor (Timothy Peach), ihren gemeinsamen Freund Patrick (Martin Armknecht) und dessen neue Verlobte Emma (Nadine Menz). Daniel hat seine Frau überredet, die beiden zum Essen einzuladen, obwohl sie mit Patrick und seiner früheren Frau gut befreundet waren. Zeller benutzt nun einen uralten Theatertrick, das Beiseitesprechen, um den Zuschauer sowohl an den wirklichen Gesprächen als auch an den Gedanken der vier teilhaben zu lassen. Die 2016 in Paris uraufgeführte Beziehungskomödie erhielt 2017 den renommierten Preis "Les Globes de Christal" des französischen Presseverbandes und wird seitdem in vielen deutschen Theatern gespielt.

Shakespeares "Romeo und Julia" steht am Dienstag, 9. November, auf dem Programm. Es kommt in einer Aufführung des Globe Berlin, der neuen Truppe des Gründers der Shakespeare Company Berlin, Christian Leonard auf die Bühne. Natürlich kommt zum Theaterring die deutsche Fassung in Leonards Übersetzung, doch für interessierte Schulen etwa ist auch eine Vormittagsvorstellung mit dem Originaltext buchbar.

Verführung mal umgekehrt

Mit August Strindbergs "Fräulein Julie" kommt am Montag, 29. November nun endlich die schon vor zwei Jahren angekündigte Aufführung eines absoluten Klassikers der Paarbeziehungen in der Theaterliteratur ins Kurtheater. Strindberg verkehrt in seinem 1889 uraufgeführten Stück althergebrachte Verführungsriten in der Literatur, in denen reife Männer junge Frauen seit der Antike gefügig machten und nach Gebrauch wegwarfen, in ihr Gegenteil. Hier verführt Julie, die hochherrschaftliche Tochter eines Gutsbesitzers, am Tag der Mittsommerfeier, bei der in Schweden alle Regeln und oft auch Hüllen fallen, den Knecht Jean, in den sie sich verliebt zu haben glaubt. Was bei verführten Mädchen in deren Niedergang mündet, endet in diesem Drama ganz zeitgemäß mit der gesellschaftlichen Bestrafung für die Frau, die über die Stränge schlug -wohl eines der packendsten und spannendsten Zweipersonenstücke der Weltliteratur, in dem die beiden Vollblutschauspieler Judith Rosmair und Dominique Horwitz einen Einblick in die Sexskandalwelt des 19. Jahrhunderts geben.

Am Montag, 6. Dezember, kommt das Theater Hof mit dem Stück "Anna Viehmann" nach Bad Kissingen. 1665 wurde in Hof Anna Viehmann in Hof hingerichtet - ihr wurde Hexerei vorgeworfen und unter der üblichen strengen Folter "gestand" sie Brandstiftung und Unzucht mit dem Teufel. Heute nicht mehr vorstellbar? Auch in unseren sozialen Medien reichen "Fake-News", um einen sogenannten "Shit-Storm" auf Einzelne auszulösen. Dabei werden Existenzen vernichtet und Menschen in den Selbstmord getrieben. In den Zeiten der Hexenverfolgung waren besonders alleinstehende Frauen ein bevorzugtes Ziel von übler Nachrede und Beschuldigungen. Der renommierte österreichische Autor Franzobel schrieb auf Anregung des Hofer Intendanten Reinhardt Friese für das Theater Hof ein Stück, das im historischen Gewand in Hof spielt, aber auch als Parabel für unsere modernen Zeiten funktioniert: Neid und Missgunst sind eben zeitlose Phänomene.

Eine Übernahme aus dem Hamburger Ernst-Deutsch-Theater für den Theaterring ist das Schauspiel "Dinge, die ich sicher weiß" des australischen Schriftstellers Andrew Bovell, das am Montag, 17. Januar 2022 aufgeführt wird. Es ist ein humorvolles und gleichermaßen melancholisches Stück über die sechsköpfige Familie Price, bei der es zugeht wie in vielen anderen Familien. Aber am Ende des Jahres, durch das die Zuschauer Eltern, Kinder und Geschwister begleiten, hat sich vieles verändert. Sehr genau beobachtet, zeigt Bovell, was Kinder und Eltern trennt und was sie zusammenhält - nie sentimental, sondern mit liebevoller Sachlichkeit und großer Präzision. Adelheid Müther hat das Familiendrama für Landgraf inszeniert, das Elternpaar spielen Christoph Tomanek und Maria Hartmann.

Mozart: Genie und Giftmord

"Amadeus " von Peter Shaffer wird am Dienstag, 15. Februar auf die Bühne gebracht. Als 1984 der Film "Amadeus" in die Kinos kam, veränderte er das althergebrachte Bild vom lieben Mozart, dem nur der strenge Vater, seine Verschwendungssucht und die feudalen Zustände übel mitspielten, mit einem Schlag. Mozartianer waren verstört, die junge Generation jedoch erkannte in dem lauten, auf die Autoritäten pfeifenden Tausendsassa einen der Ihren.

Dass Autor Shaffer auch noch die Geschichte vom Giftmord an Mozart. die Alexander Puschkin als Drama dargestellt hatte, in sein Theaterstück von 1981 hineinbaute und damit Mozarts Lehrer und harmlosen Kollegen Antonio Salieri belastete, machte den Reißer nur noch perfekter. Dass allerdings die Musik von Mozarts unvollendetem Requiem und anderer Meisterwerke aus seiner Feder plötzlich wieder in vieler Munde und sogar in den Charts waren, versöhnte auch die braven Musikfreunde doch noch mit dieser Geschichte von sorgloser Genialität, Mozarts Unfähigkeit erwachsen zu werden, seinem unbändigem Ehrgeiz und dem mörderischen Hass aus Eifersucht von Mozarts Kontrahenten Salieri. Unter der Regie von Udo Schürmer spielen der Schweizer Delio Malär den Mozart und Wolfgang Seidenberg seinen Gegenspieler Salieri.

Big Brother ist watching you

Das Theater Schloss Maßbach gastiert mit George Orwells "1984" am Freitag, 18. März, beim Theaterring. Regisseur Christian Schidlowsky, Maßbachs Mann für die großen Zeitpanoramen, nahm sich der Welt des Protagonisten Winston Smith an. Der ist an seinem Arbeitsplatz im Informationsministerium dafür zuständig, die dokumentierten Fakten immer wieder neu den der Parteidoktrin genehmen Gegebenheiten anzupassen. Aus Winston Smiths totalitärem Staat, der seine Untertanen in jeder Lebenslage kontrolliert, stammt der berühmt gewordene Slogan: "Big Brother is watching you". Insgeheim lehnt Winston sich gegen das unterdrückerische System auf und hält seine verbotenen Gedanken und Wünsche in einem Tagebuch fest. Er lernt Julia kennen, sie werden ein Paar - ein Verstoß gegen die staatlichen Vorschriften. Winston versucht, mit einer Untergrundbewegung, von der er gehört hat, in Kontakt zu treten.

Noch einmal gibt es Shakespeare am Donnerstag, 24. März, allerdings mit dem Stück "Richard III." vom Theater Hof. William Shakespeare, dessen Werk sich das Theater Hof seit Amtsantritt von Intendant Reinhardt Friese jedes Jahr mit einer Produktion widmet, hat 1592 mit "Richard der Dritte" ein faszinierendes Psychogramm des Bösen geschrieben, das das Publikum immer noch gleichermaßen anzieht und abstößt. Dabei geht es um Machtpolitik, die bis zum Äußersten geht, ebenso wie um ganz private Verletzungen, aus denen Rachegefühle entstehen, können. Was ist schon aufregender als ein schillerndes Monster?

Am Dienstag, 26. April gibt es Astor Piazzollas, "Maria de Buenos Aires" (Tango-Oper, Ballett Hof und Hofer Symphoniker) zu sehen. Da das Hofer Theater im Laufe der Vorbereitungen beide für den 37. Theaterring geplanten Opern absagen musste und der Theaterring aber auch eine Produktion des Hofer Balletts im Programm haben wollte, hat sich jetzt als Quadratur des Kreises Maria de Buenos Aires, die Tango-Oper von Astor Piazzolla angeboten. Maria lebte einst in den armen Vorstädten und machte sich auf ins Zentrum der Metropole Buenos Aires. Ihr Leben ist die unbändige Leidenschaft und vor allem der Tango, der sie in der Halbwelt zur Prostituierten aufsteigen lässt und schließlich auch ihr Tod ist. Als ihr eigener Schatten streift sie jedoch weiterhin durch die Straßen der Stadt. Astor Piazzolla, dem König des Tangos, ist damit eine einzigartige Liebeserklärung an den vielleicht leidenschaftlichsten Tanz überhaupt und seine Heimatstadt Buenos Aires gelungen. Die Tänzerinnen und Tänzer der Hofer Ballett-Compagnie werden von Solisten des Musiktheater-Ensembles und den Hofer Symphonikern begleitet.

Unvergängliche Evergreens

Noch einmal kommt das Theater Hof nach Bad Kissingen, diesmal mit "Cabaret" am Montag, 16.Mai. Das Musical "Cabaret" von John Kander (Musik), Fred Ebb (Songtexte) und Joe Masteroff (Buch) nach dem Stück "Ich bin eine Kamera" von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood. Berlin zu Beginn der 1930er Jahre: Der junge amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw verliert sich im Strudel des Nachtlebens. Er lernt Sally Bowles kennen, die flirrend-aufregende Sängerin des Kit-Kat-Clubs und verliebt sich in sie. Jazz, Alkohol und Erotik stehen aber im Gegensatz zum aufkommenden Faschismus in Deutschland... Eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten, unvergängliche Evergreens und dabei eine klare Stellungnahme gegen eine schleichende Veränderung der Gesellschaft hin zu einem intoleranten Gegeneinander - "Cabaret" ist zeitlos, berührend, aufwühlend. In der berühmten Rolle des Conferenciers wird am Theater Hof der deutsche Musical-Star Uwe Kröger zu erleben sein. Weiter Infos und Vorverkauf in der Tourist-Information im Arkadenbau, Tel.: 0971/804 84 44, online kissingen-ticket@badkissingen.de