Der katholische Pfarrer Sebastian Kneipp ist schon 125 Jahre tot. Doch noch immer ist sein Name fast weltweit bekannt, denn er gilt als der Erfinder der heilsamen Kaltwasser-Kur. Jüngstes Beispiel ist die Gemeinde Nüdlingen. Hier wurde an der Schenkgasse ein sechs Meter langes und zweieinhalb Meter breites Kneipp-Wassertretbecken eröffnet. Ein kleineres Becken für die Hände und Arme gehört natürlich auch dazu. Damit nicht genug. Hier entstand mitten im Dorf eine multifunktionale kleine Oase mit Ruhebänken, Tischen, Sportgeräten und einem großen Schachspiel.

Das Wasser in Kneipp-Becken ist nicht gerade warm. Das bekamen die ersten offiziellen Benutzerinnen, sechs Mitglieder der Frauen-Sportgruppe des Dorfes, zu spüren. "Das ist wirklich eiskalt", meinte eine der Damen nach der dritten Runde. Ein Thermometer hatte niemand dabei. "Das Wasser hat halt Kneipp-Temperatur", erklärte der 2. Bürgermeister Edgar Thomas (CSU).

Vier Liter pro Minute

Das Wasser kommt aus einer einige 100 Meter entfernten Quelle, die vier Liter pro Minute liefert. Das ist 2000 Euro pro Jahr billiger als Trinkwasser und sauberer als Wasser aus dem nahe gelegenen Bach, erläuterte Edgar Thomas.

Die Fläche an der Schenkgasse habe ursprünglich als Kinderspielplatz gedient. Doch immer mehr Familien bauten ihre Häuser außerhalb des Ortskerns, sodass hier immer weniger Kinder zum Spielen kamen. Dann diente der Platz als Grünfläche. Schon 2009 wurde damit begonnen, neue Ideen für die Verwendung zu suchen. Im Jahr 2016 schließlich wurde die Idee geboren, hier ein Kneipp-Becken zu bauen.

"Wir hätten gerne noch eine Boccia-Bahn gehabt, aber das geht nicht", erklärte Edgar Thomas, aber ein Sonnensegel kommt noch. Er freut sich auch sehr, dass die Linde mitten in der Anlage erhalten wird. Als Planer für die Anlage konnte der Stadtplaner und Landschaftsarchitekt Klaus Neisser aus Bad Kissingen gewonnen werden, der zusammen mit seiner Kollegin Susanne Bögner die Planungsarbeiten ausführte.

Die Kneippanlage liegt übrigens direkt am Radweg "Rhönkäppchen Radrunde" der kommunalen Allianz Kissinger Bogen und bietet sich deshalb auch als Zwischenstation für Radfahrer an, die diesen 50 Kilometer langen Rundkurs absolvieren.

Die Anlage kostete insgesamt etwa 117.000 Euro. Aus einem Sonderprogramm des Freistaates anlässlich des Todes von Pfarrer Kneipp vor 125 Jahren bekam die Gemeinde einen Zuschuss von 17.000 Euro.