Es gibt sie also doch noch, eine ansprechende Weihnachtsfeier als Einstimmung auf das Hochfest der Christenheit. Stadtkantor Burkard Ascherl und Gattin Brigitte haben trotz Corona standgehalten, den Unbilden der Pandemie getrotzt und mit ihren Chören berührende neunzig Minuten mit klangvollem, abwechslungsreichem Singen ein dankbares Publikum beglückt.

Das Neugotische Kirchenschiff ist stimmungsvoll mit Adventkranz und Kerzen auf den Bänken erleuchtetet, einzig das Mittelfenster des Altarraums wirft hinterleuchtete Farben in den Altarraum, der heute den Sängerinnen und Sängern gehört.

Der Blick ins Programm ist vielversprechend. Weihnachtslieder aus unseren europäischen Nachbarländern wie Polen, England, Portugal werden abwechselnd interpretiert. Es ist eine Zeitreise durch Jahrhunderte musikalischer Weihnachtsfreude. Vom 15. bis ins 21. Jahrhundert, von Bach über Max Reger und Mendelssohn-Bartholdy bis zum zeitgenössischen Weihnachtslieder Komponisten John Rutter, zu George Michael und ABBA.

Die zwölf Damen und Herren des Julifa Chors beginnen mit dem ruhigen "Das Licht einer Kerze"

und zeigen ihre Virtuosität beim englischen "Es war in tiefer Mitternacht". Höhensicher geführt von den Sopran- und Altstimmen um Brigitte Ascherl, während die Herren die volksliedhafte Melodie rhythmisch begleiten. Aus der Weihnachtsliedersammlung des 1975 verstorbenen deutschen Komponisten Christian Lahusen hat sich die Julifa Formation "Mit Schall von Zungen" ausgesucht. Die eingehende Melodie wird harmonisch vorgetragen, der Text bleibt verständlich, die beachtlichen Anforderungen an jede einzelne Stimme meistert das Ensemble klangschön.

Festliche Ausrufezeichen

Moderator Hans-Jörg Rustler kündigt dann die Kantorei, das Flaggschiff der Herz-Jesu-Kirche an. Burkard Ascherl hat einen Klangkörper geschaffen, der seit Jahren sein hohes Niveau hält und das auch in den so belastenden Corona Zeiten. Man hat im großen Saal der Musikschule geprobt, mit Abstand und immer mit vorherigem Test. Bis auf wenige haben das alle klaglos akzeptiert, nur so konnte man das Wagnis eines Konzertauftritts überhaupt eingehen. Gerade darum scheint der große Chor geradezu vor Sangesfreude zu glühen. "Machet die Tore weit", eine Melodie aus Böhmen. Innig, kraftvoll und mit großem Ernst ist das Werk beschrieben. Die Kantorei hat mit sauberer Artikulation das klangmächtige Stück zu einem festlichen Ausrufezeichen formuliert.

Auch Johann Sebastian Bachs "Gloria sei dir gesungen" scheint sich an den Pfeilern der Kirche emporzuschwingen, um sich in den Schlusssteinen an der Decke zu sammeln.

Das "Transeamus" des Polen Josef Schnabel erzählt das Lukas Evangelium. Da gestaltet der Chor das Gloria zum funkelndem Hochgesang. Und gänzlich gefangen nimmt die Kantorei die - trotz 3 G+ mit Maske und großem Abstand sitzenden - Zuhörer, mit "Adeste fideles" aus Portugal. Auf jeder klassischen Weihnachts- CD zu hören, hätte man - so mitreißend interpretiert - gerne einer weiteren Strophe gelauscht.

Von der Empore klingen dann die hellen Stimmen des Jugendchors mit Spirituals, "Last Christmas"

und ABBA fröhlich interpretiert, weil fein einstudiert von Brigitte Ascherl.

Großer Schlusschor

"Schlafe mein Kindlein" von Max Reger und "In dulci iubilo" geben der Kantorei Gelegenheit, den Wechselgesang zwischen Frauen und Männern ganz spannend zu differenzieren. Hier überzeugt Burkard Ascherls Einstudierung und Dirigat, und wenn dann alle Formationen zu einem Spiritual Medley zusammenkommen, wird bei "Down by the Riverside" im Publikum mitgewippt, unter der Maske mitgesummt und beim stimmgewaltigen Schlusslied "Tochter Zion" glaubt man ein Leuchten auf den Gesichtern der Chormitglieder zu sehen. Jetzt kann Weihnachten kommen.