Im Jahr 1962 wurde der Musikverein Oerlenbach gegründet. Die Musiker mussten proben, logisch, aber wo? Jahrzehntelang nutzte der Verein das Pfarrheim für Ausbildung, Versammlungen und natürlich die Proben. Jetzt geht ein lang gehegter Wunsch nach einem eigenen Zuhause in Erfüllung.
Voraussetzung war, dass die Gemeinde vor Jahren ein Anwesen im Hannbusch erworben hatte und nach gleichen Bedingungen wie in Ebenhausen und Rottershausen dem Verein zur Verfügung
stellte. Das bedeutete, dass die Kommune vor allem die Materialkosten und unumgängliche Firmenarbeiten für die fälligen Arbeiten übernahm, während Um- und Ausbaukosten der Verein übernimmt.
"Zuerst haben wir zusammen mit Architekt Burkard Kuhn, der selbst Vereinsmitglied ist, das Anwesen mit Bausubstanz und Nutzungsmöglichkeiten besichtigt. Nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns für die Übernahme", denkt Vereinsvorsitzender Franz Kuhn die Anfangsphase zurück. Nach ersten Gesprächen mit der Gemeinde fertigte Architekt Kuhn die Pläne, ehe die Baugenehmigung eingeholt wurde.

Arbeitsbeginn im Mai 2010

"Mit den Arbeiten begannen wir am 31. Mai 2010", erinnert sich der Vorsitzende an den Startschuss. "Die Begeisterung war groß. Wir räumten das ehemalige Wohnhaus, entfernten Zwischenwände und die Decke zum Dachboden. Außerdem brachen wir Nebengebäude im hinteren Bereich des Anwesens ab." In der Folgezeit seien vor allem Facharbeiten angefallen, so dass nicht so viele Helfer auf der Baustelle benötigt wurden. "Auf einen harten Kern mit an die zehn Mann, vor allem Musikanten, war in den nun drei zurückliegenden Jahren immer Verlass, um Schritt für Schritt weiterzukommen", freut sich Franz Kuhn über das Engagement seiner Vereinskollgen.

Lagerräume und Küche

Jetzt ist der Hauptbau fertig, der 13 Meter lang und neun Meter breit ist. Im Obergeschoss entstand ein 95 Quadratmeter großer und fünf Meter hoher Probenraum mit hervorragender Akustik. Die Kapelle probt dort bereits seit ein paar Monaten. Dirigentin Doris Eckert und die Musikanten sind begeistert. Der Raum mit Akustikwänden und -decke sowie optimaler Dämmung wird per Infrarotstrahler beheizt. Diese können in Gruppen zugeschaltet werden und liefern sofort Wärme. Das ist sehr angenehm. Hier sind auch Notenschränke und eine kleine Küche untergebracht. Im Erdgeschoss finden sich zum einen drei Lagerräume, die nicht beheizbar sind, dazu kommt ein Warmbereich mit Küche, Platz für Uniformen und Instrumente sowie ein Unterrichts- und Besprechungsraum, die jeweils mit In frarotstrahlern bei Bedarf rasch beheizt werden. Das ehemalige Wohnhaus erhielt einen Anbau für WC-Anlagen und Treppenhaus, nachdem im Altbau die Innentreppe entfernt wurde, um die Nutzung zu verbessern.

Immer mit der Gemeinde

"Firmen übernahmen nur die Maßnahmen, die fachgerecht zu erledigen waren", berichtet Franz Kuhn. Dazu zählten Beton-, Zimmerer-, Verputzer-, Fußboden- und Fliesenarbeiten, wobei der Verein dafür auch Hilfskräfte stellte. Alle Schritte erfolgten im Einvernehmen mit der Gemeinde als Eigentümerin des Gesamtareals. Bisher fielen Kosten von 135 000 Euro an. "Wir als Verein erbrachten bis jetzt 8000 Arbeitsstunden", betonte Kuhn mit dem Hinweis, dass noch einiges zu erledigen ist. Dazu gehöre der langgestreckte Nebentrakt, der im Erdgeschoss als Verkaufs- und Lagerbereich für Feste hergerichtet werde. Auch daran ist gedacht worden.

Innenhof wird befestigt

An der Stirnseite sei eine Metalltreppe zum Obergeschoss geplant. Der etwa 300 Quadratmeter große Hof einschließlich der Zufahrt vom Hannbusch her ist bisher geschottert. "Um möglichst wenig Steinchen mit in das Vereinsheim zu tragen, werden wir zumindest Teilzonen befestigen müssen", ergänzt Kassier Andreas Kiesel. Der Verein habe bisher 20 000 Euro für die Innenausstattung ausgegeben.
"Unser Vereinsheim und vor allem der Probenraum hat seinen ersten Test bestanden, als für die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft eine Probe für 53 Musikanten aus den örtlichen Musikvereinen und aus Frankreich lief. Es gab keine Platznot, die Akustik ist perfekt", verteilte Kuhn ein umfassendes Lob an die Gemeinde und alle Helfer.
Die Pfarrer Balthasar Amberg und Philipp Klein werden am Sonntag, 2. Juni, das Heim segnen, ehe sich jedermann vom gelungenen Werk überzeugen und Fragen zu Ausbildung und weiterer Gestaltung des Areals stellen kann. Um 13.30 Uhr beginnt die Andacht mit Segnung, ehe bei einem "Tag der offenen Tür" bis 17 Uhr jedermann die Möglichkeit hat, die Räumlichkeiten zu besichtigen.