Bei der Neukonzeption des Graf Luxburg-Museums wird Inklusion großgeschrieben. Jetzt ist der barrierefreie Zugang fertiggestellt. Orientierung gibt es auch für Sehbehinderte. Schloss Aschach mit seinen Museen gehört zu den Perlen der Unterfränkischen Museen Landschaft. Die im vorigen Jahr begonnene Neukonzeption hatte Besucherfreundlichkeit, zeitgemäße Darstellung wissenschaftliche Bearbeitung und auch Inklusion als Ziel. "Jeder Mensch soll uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können", nannte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel als Ziel.

Die verschiedenen Besuchergruppen sollen die Möglichkeit haben, das Schloss für sich zu entdecken. Im Graf-Luxburg-Museum ist der Zeitensprung schon geschafft. Davon konnten Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder und Museumsleiterin Josefine Glöckner die Mitglieder der Kulturarbeit und Heimatpflege bei der Sommertour des Bezirks überzeugen.

Schon der Schlosspark vermittelt eine neue Großzügigkeit, wirkt weitläufiger, weil man sich von einigen - vielleicht liebgewonnenen, aber nicht dem Komplex zugehörigen Sehenswürdigkeiten - getrennt hat. Die Kelter, der Brunnen und die Madonnenfigur im Rosenbeet gehören dazu. Auch Parkplätze mussten weichen, Plätze für Behinderte wurden geschaffen und die Kieswege zum Museum sind durch sandfarbige Pflaster mit gebrochenen Kanten ersetzt worden, auf denen Rollatoren und Rollstühle leicht zu bewegen sind. Brunnen und Kelter sind dorthin zurückgegeben worden, wo sie herkamen. Das Rosenbeet wird im Herbst wieder bepflanzt. Dabei wird der darunter verschüttete Brunnen ansatzweise wieder gezeigt, klärt der Bezirkstagspräsident die Teilnehmer auf.

Sanfter Aufzug, blauer Läufer

Zum Inklusionsprojekt gehören auch der Aufzug auf die Altane vor dem Eingang und der Aufzug im Inneren des Gebäudes. Eine Herausforderung im dreistöckigen, denkmalgeschützten Schloss. Wo möglich, wurden Schwellen beseitigt und für sehbehinderte Besucher hilft ein markant blauer Läufer mit heller Bordüre sich zu orientieren. Zahlreiche Sitzmöglichkeiten helfen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Die Museums-App "Graf-Luxburg-Museum" bietet eine Tour mit barrierearmem Rundgang an. Eine Tour in "leichter Sprache" ist in Vorbereitung.

4711 - Der Duft der Gräfin

"Medien-, Hör-, Mitmach- und Taststation sind in der modernen Museumsgestaltung Standard", meint Museumsleiterin Josefine Glöckner. Aber dass man das Kuchenrezept der Aschacher Köchin der Grafenfamilie mitnehmen, im Ankleidezimmer den Duft von 4711 einatmen, einen Buddha und den Hl. Georg berühren kann, das sind so kleine Anreize, das Museum mal wieder zu besuchen. Ideen, die aus der fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Inklusionsgruppe entstanden sind. Ganz modern gibt es zudem Hörbeispiele, in denen die gräfliche Familie zum Beispiel von ihrem Alltag erzählt, von besonderen Anlässen, oder von einer Kunstreise in die Rhön, die der 15-jährige August Friedrich v. Luxburg mit seinem Vater unternommen hat.

Kunst am Computer anschauen

Die Sammlung Ostasiatischer Kunst mit über 500 Objekten ist einzigartig in Deutschland. Ein Teil davon ist im Museum ausgestellt. Vor allem Porzellane, aber auch Objekte in Lack, Elfenbein, Jade und Bronze aus dem 14.-16. Jahrhunderts gehören zu den Hochkarätern der Sammlung, die Karl Graf v. Luxburg als Gesandter der Botschaft in Peking erwerben konnte. Unter den Gemälden ragt Lucas Cranachs d. Ält. "Judith und das Haupt des Holofernes" von 1525 heraus.

Seit Mitte Februar wird die Ostasiatische Sammlung in dem Programm "bavarikon" (ein digitales Portal zu Kunst, Kultur und Landeskunde des Freistaates Bayern) digitalisiert, berichtet die Museumsleiterin. Wenn die Digitalisierung Ende 2021 abgeschlossen ist, wird die Sammlung weltweit zugänglich sein und der Fachwelt für wissenschaftlichen Austausch und Bearbeitung zur Verfügung stehen. Dem Bezirk sind Schloss Aschach mit seinen Museen lieb und teuer, deshalb weist der Präsident darauf hin, dass das Projekt zu 100 Prozent vom Freistaat gefördert wird. Das hören auch die stellvertretende Präsidentin Adelheid Zimmermann (FDP) und Bezirksrätin Karin Renner (CSU) aus unserem Landkreis gerne.