Fußballer Gerd Müller hat es, Sterne-Koch Heinz Winkler und Schlagersängerin Andrea Berg haben es auch. Jetzt gehört zu den Trägern des Bundesverdienstkreuzes am Bande auch das Ehepaar Rita und Winfried Sauer aus Münnerstadt. Sie haben es sich verdient. Mit diesem hohen Orden dankt der Staat ihnen für eine herausragende Lebensleistung: Beide haben sich über viele Jahre für die Belange von Behinderten eingesetzt.

Die Sauers haben selbst einen geistig behinderten Sohn. Daniel (32) arbeitet in der Werkstatt der Nüdlinger Lebenshilfe. Als er zur Welt kam, stellten seine Eltern ihr Leben um. Rita Sauer gab ihren Beruf auf, um sich ihrem Jungen voll widmen zu können ("das war für mich selbstverständlich und auch unumgänglich"). Winfried Sauer, damals Polizist in der Schweinfurter Direktion, engagierte sich in der Behindertenarbeit, weil er "die Notwendigkeit gesehen habe, dass da einiges gemacht werden muss". Damit meinte der 66-Jährige die Angebote für betroffene Eltern, die gezielte Förderung der Behinderten, die Schaffung von Wohnheim- und auch von Betreuungsplätzen.

Tatkräftig unterstützt hat ihn dabei in allen Jahren seine Frau. Ohne deren Hilfe, so Winfried Sauer heute, wäre vieles gar nicht leistbar gewesen. Sie habe ihm den Rücken freigehalten.


Engagement für Eltern, Sohn und Elternbeirat



Für die Lebenshilfe war das Dream-Team Sauer ein Glücksfall: Sie teilten sich die Arbeit und ergänzten sich. Rita Sauer kümmert(e) sich nicht nur rührend um Daniel, der so in seiner gewohnten Umgebung bleiben konnte. Sie pflegte zudem ihre Eltern bis zu deren Tod. Außerdem engagierte sie sich 15 Jahre im Elternbeirat der Franz von Prümmer-Förderschule, deren Trägerin die Lebenshilfe ist, bei Elterngesprächen und Workshops. Sie unterstützte ihren Mann bei den administrativen Aufgaben und Terminen der Bad Kissinger Lebenshilfe.

Winfried Sauer wiederum half seiner Frau. Er ist seit 1988 Vorstandsmitglied des 1969 gegründeten Lebenshilfe-Vereins, den er seit 1991 als Vorsitzender führt. Das sei, sagt er, ein Vollzeitjob. Zweimal, 1990 und 1999, wurde unter seiner Federführung die Einrichtung in der Peter Heil-Straße 38 für insgesamt 4,4 Millionen Euro saniert. Darüber hinaus begannen 1995 die Planungen für ein Behinderten-Wohnheim in Nüdlingen, das 1999 für 27 Bewohner eröffnet worden ist. Winfried Sauer gründete auch die Offene Behindertenarbeit mit dem "Familien entlastendem Dienst" sowie das "Ambulant unterstützte Wohnen" im Raum Bad Kissingen.


"Die Arbeitszeit eines Jahres"



Sein "Meisterstück" aber war der Neubau der Franz von Prümmer-Schule, die zu einem Sanierungsfall geworden war. Die Maßnahme begann 2008, fand ihren Abschluss im vergangenen Jahr und hat nahezu elf Millionen Euro gekostet.

Regierungspräsident Paul Beinhofer, der mit Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) den Orden überreichte, sagte, Winfried Sauer habe sich in hohem Maße engagiert und zahllose Stunden Freizeit geopfert. Sauer selbst sprach von 160 längeren Sitzungen und rund 1500 Stunden, der "Arbeitszeit eines Jahres".

Damit nicht genug: Winfried Sauer konnte einen Stifter zur Begründung der "Stoffel-Hans-Stiftung" finden, die die Arbeit der Bad Kissinger Lebenshilfe für geistig Behinderte fördert. Er gehört ihrem Kuratorium an. Bald will er allerdings kürzer treten und nicht mehr als Lebenshilfe-Vorsitzender kandidieren: "In zwei Jahren höre ich auf."