Das Parkett glänzt, die Scheinwerfer leuchten. Aus den Lautsprechern dröhnt "We are one", das Lied, das zur diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft gehören wird. In gut einer Woche wird es beim Anstoß viele Nationen einen. Schon an diesem Nachmittag verbindet es Menschen aus zwei Ländern. Jugendliche aus Vernon in Frankreich und aus Bad Kissingen springen und klatschen gemeinsam im Takt.


"Beim Tanzkurs müssen sich die Schüler aus Deutschland und Frankreich mischen", sagt Ulrike Weilbach. Sie hat den Austausch am Jack-Steinberger-Gymnasium organisiert. "Das ist eine kleine Hilfestellung für den Austausch." Die Tanzeinlage soll helfen die Jugendlichen zusammen zu bringen.

"Man hat schon mal Angst, hoffentlich sag´ ich nichts falsch und hoffentlich lachen die anderen nicht", sagt Louisa Nichelmann. Ein paar Tage braucht es, bis die französischen Wörter den Schülern leicht von den Lippen gehen. Den Franzosen gehe es andersherum ähnlich, sagt Deutschlehrerin Alexandra Cade aus Frankreich. Sie organisiert den Austausch ihrer französischen Schüler seit 19 Jahren. "Es sind auch schon Jugendliche dabei, deren Eltern mitgemacht haben." Ihr sei besonders wichtig, dass die Jugendlichen den Alltag erleben und nicht nur Zuschauer und Touristen sind. "Sie bekommen in Bad Kissingen eine völlig andere Schulatmosphäre mit. Der Unterricht ist viel lockerer", erzählt die Deutschlehrerin. "Viele erleben ihre Hemmungen in der Sprache, aber auch, was sie alles schon können." Bei manchen dauere das bis nach der Rückkehr, aber die Schüler profitieren sehr von dem Austausch, erzählt sie. Nicht nur auf sprachlicher Ebene.

Fränkisch für Franzosen

"Es macht die Jugendlichen zu aufgeschlossenen und unternehmungslustigen Europäern." "Die Jugendlichen können dadurch Kultur, Sprache, sich selbst und ihr Land neu entdecken", sagt die Begleiterin Nathalie Roger. Sie ist als Stadträtin in Vernon für die Städtepartnerschaft zuständig. "Keine Städtefreundschaft ohne Schüleraustausch", sagt sie und betont, wie wichtig das Programm auch für die europäische Verbindung ist. Sie spricht den Schülern gut zu: "Nur Mut, man muss sich trauen zu sprechen. Fehler sind nicht so schlimm." Das Verständnis gestaltet sich manchmal nicht einfach: "Alle sprechen ein bisschen schnell und mit einem Dialekt", sagt Anne-Elise aus Vernon in flüssigem Deutsch.

"Hier gibt es sehr viel Wurst"

Was die 15-Jährige außerdem wundert, ist das Essen. "Das ist ganz anders als zu Hause. Hier gibt es sehr viel Wurst", meint sie und lacht. Sie freut sich mit ihren Schulkollegen auf die Ausflüge, die in den nächsten Tagen auf dem Programm stehen. Die zehn Tage, die die Franzosen bei ihren Bad Kissinger Gastfamilien verbringen, sind gefüllt mit Touren nach Bamberg, Schweinfurt und in die Rhön. Die Jugendlichen fiebern bereits der Abschiedsfete entgegen. Die soll in der Aula des Gymnasiums steigen. "Jeder bringt etwas mit. Das wird bestimmt gut", sagt Louisa. Sie hofft, dass während des Austausches auch Freundschaften entstehen. Geht es nach Oberbürgermeister Kay Blankenburg, sollte das kein Problem werden. "Ich hoffe bloß, das bleibt auch während der Fußball-WM so", sagt er und lacht.

Städte Bad Kissingen und Vernon in Frankreich pflegen bereits seit 54 Jahren eine Städtepartnerschaft. Die Stadt hält außerdem eine Freundschaft zu Massa in Italien und Eisenstadt in Österreich.

Austausch Der Schüleraustausch zwischen dem Jack-Steinberger-Gymnasium und dem "Lycée Georges Dumézil" findet zum 45. Mal statt. 27 Schüler aus dem Jack-Steinberger-Gymnasium nehmen dieses Jahr 28 Jugendliche aus der französischen Schule auf. Während des Austausches leben sie bei Gastfamilien.

Vernon Die Stadt im Norden Frankreichs hat 25 000 Einwohner und ist damit nur etwas größer als Bad Kissingen. Vernon liegt 75 Kilometer nordwestlich von Paris.