Unter "Klassisch Russisches Ballett Moskau" könnte man vieles verkaufen, was sich dann als eher provinziell herausstellt. Die Tourneetruppe aber, die sich beim Winterzauber im Kurtheater vorstellte, überzeugte mit getanzter Spielfreude, Anmut und Grazie, die das Publikum mit vielen Bravos und stehendem Applaus belohnte.

Der Vorhang geht auf und der Zuschauer wähnt sich in einer Traumwelt vergangener russischer Größe. So stellt man sich die Eingangshalle zu einem Zarenpalast vor. Himmelsstrebende Treppe, schwere Lüster, goldenes Geländer.

Tüll und Diadem

Das Bühnenbild wirkt raffiniert dreidimensional und ermöglicht dabei auch noch überraschende Zu- und Abgänge. Das beeindruckt und ist Belohnung nach Test und langem Anstehen im Freien bei ungemütlichem Wintergrieseln, denn der Andrang war enorm.

Aber das ist schnell vergessen bei der Ballettmusik, beim Anblick der Tänzerinnen und Tänzer, bei wogendem Tüll in Gold und Weiß mit Diadem im Haar und bei Smoking, Fantasieuniform Lackschuh bei den Herren, bei Pirouetten und Spitzentanz, atemberaubenden Sprüngen und artistischen Hebefiguren.

Was muss es in Moskau an ausgebildeten Ballettkünstlerinnen und -künstlern geben, die die Tradition eines Bolschoi Theaters in die ganze Welt tragen? Schon die zweite Szene bringt dann andere Musik und andere Ästhetik. Französische Farben, Charme und Esprit, ausgedrückt mit solistischen Extravaganzen, Figurenreigen, sich finden und wieder gehen lassen.

Eine nächste Sequenz führt einen verzauberten Prinzen und gleich neun Elfen zusammen, die ihn kokett umschwirren. Wieder neues Ambiente, feurige Musik, intensive Beleuchtung, südliches Land. Eine Ballerina in stolzem Rot und Schwarz, mit erhobenem Kopf, weist den Torero zurück, lockt, wehrt ab und verführt ihn zu guter Letzt doch. Aber wie tanzt man einen Kuss? Die Carmen und der Torero zeigen es höchst spannend.

Leichte, grazile Sprünge

La Gioconda, oder Tanz der Stunden von Poncielli gehört einfach zu einer Ballettgala. Hier bietet sich Gelegenheit farbenprächtige Kostüme, Stimmungen und tänzerische Vielfalt in großer Bandbreite zu präsentieren mit Musik, die zum Träumen verführt. Die große Ballett Formation zeigt, wie die Schwerkraft fast aufgehoben scheint. Leicht wirken die Pirouetten, grazil die Sprünge, atemberaubend die Schrittfolgen. Wie auf Kufen gleiten die Tänzerinnen und Tänzer mit Trippelschritte quer über die Bühne.

Erste Bravorufe ertönen schon vor der Pause. Danach wird es modern. Ausdruckstanz zu Filmmusik, mystisch beleuchtet und endlich, längst erwartet, wird's russisch. Ein solistischer Kosakentanz in irrem Tempo. Mit raumgreifenden Sprüngen zu Kasatschok Musik jagt der Künstler im Oval über die Bühne, angefeuert vom rhythmischen Klatschen des Publikums.

Schwanensee Idyll

Tschaikowskys Musik und die letzten Minuten des sterbenden Schwans sind Klassiker der Ballettmusik und gehören zum Repertoire jeder großen Solistin. Auch in Bad Kissingen war das ein beeindruckender Auftritt ganz in Weiß mit viel Gefühl, geradezu zum Mitleiden und Auftakt zum großen Finale, der an die Übertragungen der Silvesterkonzerte der Wiener Philharmoniker erinnert, in dem traditionell Balletteinlagen in traumhafter Kulisse eingespielt werden. Hier war es also nicht in Schloss Schönbrunn sondern in der Halle des Zarenpalasts, aber mit Wiener Walzerseligkeit und den getanzten G'schichten aus dem Wienerwald.

Der Ballettabend war ein schöner Abschluss der Weihnachtstage.