Seine besten Zeiten liegen schon einige Jahre zurück, und zuletzt, so scheint es, hat sich eigentlich keiner mehr so richtig gern darum gekümmert: Das Turniergebäude in der Au am Flugplatz von Bad Kissingen. Der Zahn der Zeit nagt seit Jahren daran. Immer wieder hat es Schäden an dem altehrwürdigen Bauwerk gegeben.
In den vergangenen Jahren haben Frost und andere Witterungseinflüsse vor allem dem großen und erhaben gestalteten Schriftzug "Bad
Kissingen" an der oberen Frontseite arg zugesetzt. Die große breite Tafel wurde morsch, Farbe platzte ab. Wer im Sinkflug per Flugzeug der Kurstadt nahte, der konnte, wenn er positiv dachte, von morbidem Charme schwärmen - oder, wenn er weniger gut drauf war, Verfall und Niedergang am Ortseingang diagnostizieren.
Nun, kurz vor Rakoczyfest und dem kurz darauf stattfindenden Rakoczy-Reitturnier, zu dem man tausende von Besuchern, viele Reiter und jede Menge Pferde erwartet, hat die Stadt Bad Kissingen der Schäbigkeit den Kampf angesagt, laut einer Pressemitteilung 8500 Euro lockergemacht und veranlasst, dass unter anderem wenigstens der "Bad Kissingen"-Schriftzug in neuem Glanz erscheint.
Gründlich saniert worden ist er aber nicht. Vielmehr wurde ein mit versalen Lettern versehenes Kunststoff-Banner über das alte Ortsschild gezogen. Sauber und handwerklich perfekt. Der Anblick ist nun fast ganz so wie früher, aber unter der Plastikplane mahnen natürlich weiterhin Holzwurm und Genossen, dass es um das Turniergebäude nicht gut steht. Den Eindruck muss jedenfalls jeder haben, der sich den Bau genauer ansieht.
Die Stadt spricht aktuell von einer "optischen Verbesserung". Was aus dem Turniergebäude langfristig wird, steht in den Sternen. Die aktuellen kleineren "Verkehrssicherungsmaßnahmen", darunter Absturzsicherung, Dachabdichtungen, Deckenausbesserungen und Malerarbeiten, erfreuen aber den Vorsitzenden des Reitvereins Florian Scheurer, der laut Pressemitteilung sagt: "Der Platz ist so gut wie lange nicht mehr", und weiter: "Wir sind sehr froh, dass die Stadt Bad Kissingen unser Reitturnier unterstützt."
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber das Gebäude könnte natürlich weit mehr als 8500 Euro an Investitionen vertragen. Von Seiten des Oberbürgermeisters Kay Blankenburg (SPD) heißt es laut Pressemitteilung bedauernd: "Große Maßnahmen gibt der städtische Haushalt leider nicht her." Aber das Gebäude sei "uns wichtig". Daher versuche man auch immer wieder "mit kleineren Maßnahmen Verbesserungen zu erreichen".
Das aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammende und unter Denkmalschutz stehende Turniergebäude wird also weiterhin darauf warten müssen, dass es von einem oder mehreren Prinzen nicht nur ein wenig angeknutscht und neu geschminkt, sondern mal so richtig wachgeküsst wird.